Borreliose

Med-Spec Informationen zu Borreliose

Endlich Sommer, endlich wieder draußen sein, Radtouren oder Wanderungen unternehmen und Grillabende im Freien genießen! Aber leider sind mit dem Frühling auch die Zecken wieder da. Die kleinen Blutsauger leben im Gras oder in Büschen und lauern dort auf ihre Beute. Mit ihren Stichen können sie die Erreger gefährlicher Krankheiten, wie die Borreliose oder die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), übertragen. Lesen Sie hier alles über Borreliose, wie sie sich im Falle eines Zeckenstichs, umgangssprachlich auch Zeckenbiss, und einer Infektion verhalten sollten und wie sich die Erkrankung behandeln lässt.

Was ist Borreliose?

Lyme-Borreliose, oder kurz auch Borreliose, ist eine Erkrankung, die durch eine Infektion mit Bakterien der Art Borrelia burgdorferi (kurz: Borrelien) verursacht wird. Borrelien befinden sich häufig im Blut von Vögeln oder kleinen Nagetieren wie Mäusen – sie sind das Erregerreservoir dieser Bakterien. Zecken, die bei infizierten Tieren Blut saugen, infizieren sich selbst mit der Erkrankung.  Beim nächsten Stich können Zecken die Borrelien dann wiederum auf weitere Tiere oder Menschen übertragen.

Borrelien können überall in Deutschland durch Zeckenstiche auf Menschen übertragen werden. Damit unterscheidet sich die Borreliose von der Viruserkrankung FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), die ebenfalls von Zecken übertragen wird, allerdings nur in bestimmten Regionen, in sogenannten Risikogebieten. Für Borreliose gibt es keine Risikogebiete, eine Infektion ist überall wo es Zecken gibt möglich.

Allerdings haben Untersuchungen am Senckenberg-Forschungsinstitut in Frankfurt am Main herausgefunden, dass eine Borrelien-Übertragung auch durch Stechmücken möglich ist.  Stechmücken sind allgemein häufige Überträger von weit verbreiteten Infektionskrankheiten, wie beispielsweise Malaria oder Dengue-Fieber und können bei ihrem Stich auch Borrelien übertragen.

Borreliose kann verschiedene Organsysteme betreffen, insbesondere die Haut, das Nervensystem und die Gelenke. Bisher gibt es, anders als bei der FSME, leider keine Schutzimpfung dagegen. Borreliose lässt sich bei rechtzeitiger Therapie allerdings gut mit Antibiotika heilen.

Wie Sie Zeckenstiche bestmöglich vermeiden und so das Risiko von Borreliose möglichst gering halten zu können, erfahren Sie in unserem → Beitrag zum Thema FSME.

Wie hoch ist das Borreliose-Risiko?

Zecken sind in Europa, Nordamerika und Asien weit verbreitet, aber in unterschiedlichem Ausmaß mit Borrelien infiziert. In Deutschland kommen Borrelien-befallene Zecken in allen Regionen vor, sind jedoch unterschiedlich stark verbreitet: Je nach Gebiet können 5 bis 35 % aller Zecken Borrelien in sich tragen.

Jedoch führt nicht jeder Zeckenstich einer befallenen Zecke zur Ansteckung. In Deutschland infizieren sich etwa 2 bis 6 % von Zecken gestochener Menschen mit Borrelien. Davon erkrankt allerdings schließlich nur ein kleiner Teil der infizierten Menschen tatsächlich an Borreliose. Dennoch ist das Risiko einer Borrelieninfektion nicht zu unterschätzen, da es sich dabei um eine schwerwiegende Erkrankung handelt.

Zu den meisten Borreliose-Infektionen kommt es in den Monaten März bis Oktober, vor allem aber in den Sommermonaten Juni bis August, da Zecken bei den warmen Temperaturen dann besonders aktiv sind und viele Menschen gerade in diesen Monaten viel Zeit im Freien verbringen.

Nach einem Zeckenstich schnell handeln!

Bevor eventuell vorhandene Erreger von der Zecke übertragen werden, muss die Zecke bereits längere Zeit das Blut des Wirts saugen. Die Übertragung erfolgt über den Speichel der Zecke, der in die Haut des Menschen gelangt. Das Infektionsrisiko für Lyme-Borreliose steigt dabei nach einer Saugzeit von mehr als 12 Stunden stark an. Entfernt man die Zecke frühzeitig, wird das Übertragungsrisiko also möglichst gering gehalten.

Welche Symptome können auf Borreliose hinweisen?

Vom Stich einer Zecke bis zum Auftreten der ersten Borreliose-Symptome vergehen in der Regel eine bis mehrere Woche(n). Viele Infektionen verlaufen zudem gänzlich ohne sichtbare Krankheitszeichen.

Die auftretenden Beschwerden sind sehr unterschiedlich und können zu verschiedenen Zeitpunkten einzeln oder in Kombination auftreten. Dadurch ist eine Borreliose nicht immer leicht zu erkennen. Außerdem erschwert die Ähnlichkeit mit anderen Krankheiten und das Fehlen eines typischen Krankheitsverlaufes die Diagnose. Einen zuverlässigen Nachweis der Infektion bieten spezielle Bluttests.

Eine Borreliose entwickelt sich schleichend und kann ohne Behandlung drei Stadien durchlaufen. 

1. Stadium
Ein typisches erstes Zeichen, das in 90% der Fälle bei Lyme-Borreliose auftritt, ist die sogenannte Wanderröte. Sie entwickelt sich einige Tage bis Wochen nach dem Zeckenstich überwiegend in der Umgebung der Einstichstelle, sie kann aber auch in einigen Fällen an anderen Körperstellen auftreten.

Manche Menschen entwickeln die Hautrötung sogar an mehreren Körperstellen gleichzeitig. Bei Erwachsenen tritt die Wanderröte am häufigsten an den Beinen auf, bei Kindern sind häufiger Kopf oder Hals betroffen.

Bei der Wanderröte handelt es sich um eine etwa handtellergroße, kreis- oder ringförmige Rötung, wobei die Größe durchaus stark schwanken kann. Die Rötung ist in der Regel in der Mitte blasser als am Rand, verbreitet sich über Tage langsam nach außen und verschwindet meist spontan wieder. Sie schmerzt oder juckt nicht. Allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit sowie Müdigkeit können hinzukommen, können allerdings auch ganz ausbleiben.

Wichtig zu wissen ist, dass eine wieder verblassende, verschwindende Wanderröte nicht bedeutet, dass die Borreliose ausgestanden ist. Die Wanderröte verschwindet auch, ohne dass eine Behandlung erfolgt ist.

Die Wanderröte sollte jedoch nicht mit der harmlosen Rötung verwechselt werden, die sich oft direkt an der Stelle des Zeckenstichs bildet und circa 1 bis 2 cm groß ist. Diese harmlose Rötung juckt meist stark und verschwindet nach einigen Tagen oder spätestens einer Woche wieder. Zudem fehlen die Anzeichen einer Infektion. Sollten Sie Symptome bemerken, die einer Wanderröte ähneln, empfiehlt es sich einen Arzt aufzusuchen und eine mögliche Infektion mit Borreliose auszuschließen.

2.Stadium
Wochen bis Monate später, im zweiten Stadium der Lyme-Borreliose, kann es neben grippeähnlichen Symptomen auch zu Hirnhautentzündung (Meningitis) und Nerven- und Gelenkschmerzen kommen. Bei Erwachsenen sind brennende Nervenschmerzen typisch, die sich vor allem nachts verschlimmern.

In Folge von entzündlichen Nervenreizungen kommt es zu Taubheitsgefühlen, Seh- oder Hörstörungen und in seltenen Fällen zu Lähmungen des Rumpfes, der Arme oder Beine.
Bei Kindern tritt häufiger eine nicht-eitrige Hirnhautentzündung auf, die mit starken Kopfschmerzen oder mit plötzlichen Gesichtslähmungen einhergehen kann.

Darüber hinaus kann die Borreliose sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen das Herz befallen. Eine Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung sind typische Folgeerscheinungen einer Borreliose und lösen typische Herzrhythmusstörungen aus. Dies kann langfristige Folgen nach sich ziehen und Betroffenen ein Leben lang Beschwerden bereiten.

3.Stadium
Im dritten Stadium, oft Monate oder Jahre nach der Infektion, zu einem Zeitpunkt also, wenn keine Erinnerung an den Zeckenstich mehr vorhanden ist, können bei etwa 5 % der Betroffenen Gelenkentzündungen auftreten. Sie betreffen am häufigsten die Kniegelenke, etwas seltener Sprung- oder Ellenbogengelenke und verlaufen in der Regel schubweise und wiederkehrend. Aber auch Entzündungen des Gehirns und chronische Hautveränderungen gehören zum dritten Stadium der Borreliose. Ebenso können die Nerven nun weiteren Schaden nehmen. In seltenen Fällen verläuft das dritte Stadium der Borreliose so schwer, dass Teile des Körpers gelähmt sind.

Was ist bei Verdacht auf eine Borreliose-Infektion zu tun?

Zecke entfernen

Oft werden die durch einen Zeckenstich verursachten Beschwerden anfänglich für eine „Sommergrippe“ gehalten. Es ist daher sehr wichtig, nach einem Zeckenstich die Stelle für mehrere Wochen genau zu beobachten. Entdeckt man die oben erwähnte Wanderröte, aber auch, wenn nach einem Zeckenstich Beschwerden wie Fieber sowie Muskel- und Kopfschmerzen auftreten, sollte man umgehend einen geeigneten Arzt aufsuchen. Die Wanderröte ist für die Borreliose so typisch, dass Ärzte damit ziemlich sicher andere Erkrankungen ausschließen können.  Grundsätzlich sollten Sie nach jedem Zeckenstich besonderes Augenmerk auf Ihre Gesundheit legen und bei ersten Veränderungen einen Arzt aufsuchen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Borreliose?

Eine Schutzimpfung gegen Borreliose steht bisher leider nicht zur Verfügung. Wird die Erkrankung jedoch frühzeitig erkannt und behandelt, sind die Heilungschancen gut und eine vollständige Genesung durchaus möglich.

Bei Vorliegen der Wanderröte kann die Borreliose allein durch eine körperliche Untersuchung durch den Arzt festgestellt werden. Liegen andere Beschwerden vor, die auf eine Borreliose hindeuten, sollte eine Laboruntersuchung des Blutes durchgeführt werden.

Eine mehrwöchige Antibiotika-Behandlung ist dann, insbesondere in der Frühphase der Borreliose, am erfolgreichsten und trägt dazu bei, Spätformen sowie chronische Verläufe der Erkrankung zu verhindern. Bei der Auswahl der Wirkstoffe und der Dosierung berücksichtigt der Arzt dabei das jeweilige Krankheitsstadium sowie das Alter des Erkrankten.

Kann Borreliose vollständig geheilt werden?

Leider bietet eine einmal überstandene Borreliose, die spontan oder unter Therapie abgeheilt ist, keine Immunität. Das heißt, man kann sich zu einem späteren Zeitpunkt neu mit Borreliose infizieren und erneut daran erkranken.

Bei den allermeisten Borreliose-Fällen handelt es sich zum Glück um milde Verläufe, die bei rechtzeitiger Medikation mit Antibiotika gut behandelbar sind. Dennoch ist eine sorgsame Beobachtung jeglicher Zeckenstiche und ärztliche Betreuung auffälliger Zeckenstiche unerlässlich. Denn erreicht die Borreliose das Spätstadium der Erkrankung, so kommt es häufig zu Beschwerden, die Betroffene ein Leben lang beeinträchtigen können.

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