Onkologische Kosmetik – Therapie für Haut und Seele

Die Diagnose Krebs geht für viele Betroffene mit einer Zäsur ihres bisherigen Lebens einher. Fortan dreht sich der Alltag um die Bekämpfung der Krankheit. Die Therapie ist nicht nur körperlich, sondern auch psychisch belastend. Haut und Haare verändern sich – und damit das gesamte Erscheinungsbild. Viele Betroffene fühlen sich beim Blick in den Spiegel regelrecht von der Krankheit gezeichnet. Ein Besuch in einer Praxis für onkologische Kosmetik kann ihnen dabei helfen, sich wieder wohl in ihrer Haut zu fühlen.

Was versteht man unter onkologischer Kosmetik?

Onkologische Kosmetik oder „Onkokosmetik“ wendet sich an Menschen, die sich in onkologischer Therapie befinden, also an Krebspatienten. Sie geht dabei beispielsweise auf die individuellen Hautbedürfnisse der Patienten nach Strahlen- oder Chemotherapie ein. Außerdem unterstützen die Experten Patientinnen und Patienten dabei, sich mit dekorativer Kosmetik wieder schön zu fühlen. Hierbei zählt der Blick aufs Ganze: Neben der individuell abgestimmten Pflege und Linderung von Beschwerden geht es bei Behandlungen im Rahmen der onkologischen Kosmetik darum, das ganzheitliche Wohlbefinden zu unterstützen. Der Haut als Spiegel der Seele kommt eine besondere Bedeutung zu. Krebspatientinnen und -patienten kann die Behandlung dabei helfen, innerlich und äußerlich wieder zur Normalität zurückzukehren.

Krebstherapie und mögliche Nebenwirkungen auf Haut und Haare

Eine Krebstherapie richtet sich an die Bekämpfung bösartiger Tumorzellen. Die aggressive Therapie geht aber auch an wichtigen Zellen des Körpers nicht spurlos vorbei. Insbesondere Haar- und Hautzellen werden besonders häufig von der Krebstherapie in Mitleidenschaft gezogen. Dass die Haare häufig ausfallen, ist bekannt. Doch viele Patienten leiden zusätzlich unter Hautveränderungen. Diese treten unterschiedlich stark auf. Meist sind sie reversibel, so dass die Haut sich nach der Therapie gegen den Krebs wieder beruhigt. Allerdings benötigt sie nach der Behandlung viel Zeit und Pflege, um sich wieder zu erholen.

Chemotherapie

Besonders die Chemotherapie wirkt sich auf die Haut aus, denn sie greift schnell wachsende Zellen an. Dazu gehören nicht nur Tumor-, sondern auch Haut- und Schleimhautzellen. Die folgenden Nebenwirkungen können die Lebensqualität während und nach der Krebstherapie einschränken: Die Haut spannt, weil sie trocken ist, und neigt zu Juckreiz, Entzündungen, Rötungen und Schuppen. Die strapazierte Haut ist anfälliger für Infektionen, wie beispielsweise Pilzinfektionen. Manche Patienten haben schmerzende Hautstellen, die spezieller Pflege bedürfen. Bei einigen kann die Störung der Hautbarriere mit einer Überempfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht einhergehen. Häufig fallen die Haare – inklusive Wimpern und Augenbrauen – aus.

Strahlentherapie

Bei einer Strahlentherapie kommt es zu lokalen Schäden an der bestrahlten Haut. Denn die ionisierende Strahlung stört gezielt Zellen, um deren Teilung zu stoppen. Zu den üblichen Folgen für die Haut gehören sogenannte Erytheme. Dabei handelt es sich um Rötungen, die durch Entzündungen entstehen. Oft sind sie begleitet von Juckreiz, Trockenheit und brennenden Schmerzen, die sich stark auf das Wohlbefinden Betroffener auswirken.

Immuntherapie

Nach einer Immuntherapie können Patienten neben trockener Haut und Haarausfall zusätzlich unter Hautausschlägen leiden.

Operationen

Nach Operationen kämpfen viele Patienten mit körperlichen Veränderungen in Form von Narben. Eine Mastektomie, das Entfernen von Brustgewebe, ist für viele Frauen wortwörtlich ein Einschnitt in ihre Weiblichkeit. Auch nach Operationen kann die onkologische Kosmetik helfen und die Körperwahrnehmung positiv bestärken. Eine gezielte Narbenkorrektur kann dabei helfen, Spuren der Operation zu beseitigen und Patienten Normalität zurückzugeben.

Weitere Informationen zur Narbenkorrektur

Experten für Onkokosmetik

Natürlich geben die behandelnden Ärzte Hilfestellung, wenn es um Veränderungen der Haut im Rahmen einer Krebstherapie geht. Doch die Onkokosmetik bietet zusätzliche Möglichkeiten, mit denen Patienten ihre Haut wieder in Balance bringen können. Onkologische Kosmetikerinnen haben nach ihrer Kosmetiker-Ausbildung eine Zusatzqualifikation in onkologischer Kosmetik erworben. Hierdurch verfügen sie über ein fundiertes Wissen rund um die Auswirkungen von Krebserkrankungen und Therapien auf Haut und Haar.

Zudem kennen sie die zusätzlichen hygienischen Maßnahmen, die bei Kunden vor, während oder nach einer Krebstherapie wichtig sind. Sie können Auskunft über geeignete Pflegeprodukte für die empfindliche Haut geben. Viele Kosmetikerinnen bringen darüber hinaus auch Know-how rund um Entspannungstechniken oder Massagen mit. So wird die onkologische Kosmetikbehandlung nicht nur zum Haut-, sondern auch zum Seelenschmeichler. Die Erfahrung im Umgang mit Krebspatienten lässt dabei keine Berührungsängste aufkommen, so dass die Kunden sich entspannt zurücklehnen und genießen können.

Mehr als Schönmacher: Methoden der Onkokosmetik

Beraten, Pflegen und Schminken – die Einsatzmöglichkeiten der onkologischen Kosmetik sind vielfältig:

Sanfte Hautpflege

Expertinnen und Experten der onkologischen Kosmetik beraten rund um die passenden Pflegeprodukte während und nach einer Krebstherapie. Denn die strapazierte Haut verträgt vieles nicht mehr. Eine onkologische Kosmetikerin wählt Pflegeprodukte aus, die frei von reizenden Farb- und Duftstoffen sowie Mineralölen sind und Beschwerden lindern. Bei Strahlenschäden helfen beispielsweise kosmetische Wirkstoffe wie Panthenol. Es wirkt entzündungshemmend und unterstützt die Neubildung der Haut. Der gestörte Wasserhaushalt kann durch Emollientien, die die Haut weichmachen, ausgeglichen werden. Zu diesen zählen neben Panthenol Wirkstoffe wie Glycerin, Hyaluronsäure und Urea. Milde Waschsubstanzen und Pflegeprodukte können dabei helfen, die natürliche Hautbarriere wiederaufzubauen.
Außerdem berät die Kosmetikerin rund um einen passenden Sonnenschutz für die lichtempfindlicher gewordene Haut. Peelings vom Experten können bei Trockenheit und Spannungsgefühl Erleichterung bringen. Häufig kommen besonders hautschonende Enzympeelings zum Einsatz. Gibt es nicht nur eine Beratung, sondern eine Hautbehandlung, können viele Patientinnen herrlich dabei entspannen und neue Kraft für Leib und Seele schöpfen.

Make up Beratung vom Profi

Eine Krebstherapie inklusive körperlicher und seelischer Folgen lässt die Haut schnell fahl aussehen. Fallen Brauen- und Kopfhaare aus, belastet viele Frauen – und Männer – der Blick in den Spiegel zusätzlich. Sie fühlen sich als Kranke stigmatisiert. Eine individuelle Make up Beratung der Experten hilft dabei, frischer und vitaler auszusehen. Wie malt man Augenbrauen natürlich und mit der richtigen Farbe nach? Wie klebt man künstliche Wimpern an? Wie ist ein fahler Teint aufzufrischen? Onkologische Kosmetikerinnen und Kosmetiker geben eine typgerechte Make up-Empfehlung. So zaubern sie einen frischeren Look und reduzieren das Gefühl, die Krankheit bestimme das Leben. Damit erleichtern sie vielen Menschen den Weg zurück in den Alltag.

Permanent-Make-up

Mittels Permanent-Make-up können onkologische Kosmetikerinnen und Kosmetiker dem Gesicht mit pigmentierten Augenbrauen wieder einen „Rahmen“ geben. Ein dauerhafter Lidstrich imitiert den Wimpernkranz. Die Farbpigmente gehen dabei anders als beim Tätowieren nur in die dritte Schicht der Oberhaut. So verbleiben sie nicht für immer, sondern für zwei bis sechs Jahre. Dann sind die natürlichen Haare nachgewachsen. Für Augenbrauen und Lippen kommt oft die Mikroblading-Technik zum Einsatz. Hierbei ritzt die Kosmetikerin mit speziellen Klingen, den „Blades“, minimal die Haut an und arbeitet so Farbpigmente manuell ein. Bei der alternativen Mikropigmentierung erfolgt die Färbung durch viele einzelne Stiche mit einer feinen Nadel. Diese befindet sich an einem speziellen Gerät, das die Eindring-Tiefe reguliert.

Medizinisches Pigmentieren

Nicht nur im Gesicht kann Permanent-Make-up zum allgemeinen Wohlbefinden und einem Plus an Selbstbewusstsein beitragen. So kann eine Mamillen-Areola-Pigmentierung, also das Pigmentieren der Brustwarzen und des Warzenvorhofs, das optische Erscheinungsbild nach einer Brustrekonstruktion verbessern. Mittels 3-D-Techniken erreichen die Pigmentier-Profis ein dreidimensionales Aussehen der Brustwarze, was die Brust natürlicher aussehen lässt. Nicht jedes onkologisch spezialisierte Kosmetik-Studio bietet diese Kombination aus Tätowieren und Permanent-Make-up an.
Eine Alternative sind spezialisierte Ärzte sowie Studios, die sich auf medizinische Pigmentierung konzentrieren. Oft können Onkologen ihre Patienten direkt an Experten überweisen, mit denen sie zusammenarbeiten. Auch die Brustwarzen-Pigmentierung verblasst und ist alle drei Jahre zu erneuern. Onkologisches Pigmentieren kann außerdem auffällige Narben angleichen.

Pflege & Kosmetik in der Krebstherapie – was ist zu beachten?

Der behandelnde Arzt gibt vor der Therapie Empfehlungen rund um die Pflege der Haut. So gilt beispielsweise vor einer Strahlentherapie: keine Peelings, kein langes und heißes Duschen. Während der Therapie sind sämtliche Pflegeprodukte nur nach Rücksprache mit dem Arzt anzuwenden. Seine Empfehlungen bilden die Basis rund um die Hautpflege während der Krebstherapie. Hierauf aufbauend kann die Onkokosmetik zusätzliche Impulse geben, mit denen die Patientinnen sich wohler fühlen. Wer vor einer Chemo- oder Strahlentherapie steht, kann bereits im Vorfeld Kontakt zu einer onkologischen Kosmetikerin aufnehmen. Bei Bedarf kann die onkologische Kosmetikbehandlung vor der Krebstherapie starten. Denn nicht jedes Verfahren kann während einer Therapie zum Einsatz kommen. So kann ein Permanent-Make-up vor und nach einer Krebserkrankung erfolgen. Während einer Chemotherapie ist das Immunsystem zu geschwächt. Nach Operationen der Brust ist der Heilungsprozess abzuwarten – erst dann kann eine Pigmentierung erfolgen.

Kosten für Onkokosmetik

Ob und welche Kosten rund um die onkologische Kosmetik die Krankenkasse übernimmt, sollten Patientinnen vorher abklären. So stehen die Chancen für eine Übernahme vor allem bei einer Mamillen-Areola-Pigmentierung im Rahmen eines Brustaufbaus gut. Die meisten übrigen Leistungen der onkologischen Kosmetik zählen nicht zu den Standard-Kassenleistungen. Insbesondere bei privaten Krankenkassen oder Zusatzversicherungen sollten Patientinnen dennoch nachfragen, ob einzelne Leistungen übernommen werden oder es einen Zuschuss gibt.
Tipp: Die DKMS bietet im Rahmen des Patientenprogramms „look good, feel better“ kostenlose Schmink-Seminare in ganz Deutschland an. Dabei geben ehrenamtliche Kosmetikerinnen einer Gruppe von maximal zehn Teilnehmerinnen Tipps rund um Kosmetik. Zu dem zweistündigen Programm gehört auch eine Tücher- und Kopfschmuckberatung. Auch spezielle Kurse für Patientinnen unter 21 Jahren sowie Haar-Seminare unterstützen Betroffene. Jährlich organisiert die DKMS so rund 1.500 Seminare in ganz Deutschland.

Weitere Informationen zum Patientenprogramm der DKMS „Look good, feel better“ in Deutschland, in der Schweiz und weltweit

Hau(p)tsache Wohlfühlen: Onkokosmetik als Haut- und Seelenschmeichler

Für wen lohnt sich also der Gang zur onkologischen Kosmetikerin? Für alle Krebspatienten, die sich vor, während und nach ihrer Therapie Rat und Tat rund um ihre Haut wünschen. Dabei können die Kunden das Angebot wahrnehmen, das ihnen am meisten hilft: Wer sich eine optische Veränderung wünscht, kann praktische Tipps bekommen. Aber auch Patienten, die sich nicht fürs Schminken interessieren, hat die Onkokosmetik mit einer individuell abgestimmten Hautpflege viel zu bieten. Onkologische Pigmentierungen vom Profi geben ein natürliches Aussehen zurück und lassen Narben verschwinden. Alles in allem rücken so die Spuren, die die Krankheit auf Körper und Seele hinterlässt, in den Hintergrund. Onkologische Kosmetik macht möglich, was viele wünschen, die sich vom Krebs „gezeichnet“ fühlen: eigenständig positive Zeichen setzen.

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