Fünf Mythen rund um die Pille

Mythen um die Anti-Baby-PilleOb hormonell oder mechanisch – für die Verhütung bieten sich heutzutage eine Vielzahl an Möglichkeiten. Vor allem die Anti-Baby-Pille zählt nach wie vor zu den beliebtesten Verhütungsmitteln. Doch immer wieder geraten vor allem hormonelle Verhütungsmethoden wie die Pille in Verruf extreme Nebenwirkungen und gesundheitsgefährdende Risiken mit sich zu bringen. Wir haben für Sie die fünf bekanntesten Mythen näher unter die Lupe genommen.

Wie wirkt die Pille?

Die Pille enthält synthetisch hergestellte Geschlechtshormone. Durch die regelmäßige Einnahme dieser Hormone kann der Hormonspiegel besonders konstant gehalten werden.  Dadurch wird nicht nur die Eireifung verhindert, auch der Eisprung (Ovulation) wird unterbunden.

Darüber hinaus machen die sogenannten Gestagene (Gelbkörperhormone), die ebenfalls in der Pille enthalten sind, den Schleim des Muttermundes für Spermien undurchlässiger. Auf diese Weise können Spermien nicht mehr in die Gebärmutter erreichen. Zusätzlich wird durch den Wirkstoff der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut verhindert. Sollte es also trotz aller Unwahrscheinlichkeit zu einer Befruchtung des Eis kommen, so macht das Fehlen der Gebärmutterschleimhaut eine Einnistung unmöglich.
Die Anti-Baby-Pille wirkt also auf verschiedenen Ebenen und zählt damit zu den sichersten Verhütungsmethoden.

Seit ihrer Entwicklung in den 1960er Jahren hat sich die Pille als beliebtes Verhütungsmittel etabliert und ermöglichte Frauen damals völlig neue Lebensfreiheit und Selbstbestimmung. Ihre Zuverlässigkeit mit einem Pearl-Index von 0,1-0,9 macht die Pille deshalb auch heute noch zu einem der beliebtesten Verhütungsmittel.

Mythos 1: Hormonelle Verhütungsmethoden machen dick

Noch immer zieht das Gerücht, die Pille würde für Gewichtszunahmen sorgen, seine Kreise. Doch stimmt das? Kurz gesagt: Nein, die Einnahme von modernen Pillenpräparaten hat keinen Einfluss auf das Gewicht. Belegt wurde das anhand verschiedener Studien. Keine konnte eine aussagekräftige Verbindung zwischen der hormonellen Verhütung und einer Gewichtszunahme nachweisen. So haben Frauen, die mit der Pille verhüteten im Rahmen verschiedener Untersuchungen nicht mehr zugenommen, als Probandinnen, die ein Placebo erhielten.

Bei Untersuchungen verschiedener Präparate konnte nur bei jeder zehnten ein Unterschied hinsichtlich der Zunahme von Gewicht beobachtet werden. Es ist also eher unwahrscheinlich, dass die Pille zur Gewichtszunahme führt.
Durch die Einnahme von Östrogenen kann es jedoch zu einem gesteigerten Appetit oder Wassereinlagerungen im Gewebe kommen. Dadurch könnten einige Frauen dazu verleitet werden mehr als sonst zu essen, wodurch eine Gewichtszunahme die Folge sein könnte.

Im Zweifel kann auch eine Konsultation beim Frauenarzt und gegebenenfalls ein Wechsel des Präparats sinnvoll sein. Darüber hinaus sollte beachtet werden, dass viele Frauen mit zunehmendem Alter und damit einhergehenden Stoffwechselveränderungen an Gewicht zunehmen, die Pille hat darauf keinerlei Auswirkungen. Dementsprechend ist ein ausgewogener Ernährungsstil und regelmäßige sportliche Aktivität für jede Lebensphase und sowohl mit als auch ohne hormonelle Verhütung empfehlenswert.

Mythos 2: Hormone als Lustkiller

Sexuelle Unlust wird oft mit hormonellen Verhütungsmethoden in Verbindung gebracht. Aber wie viel Wahres steckt dahinter?
Tatsächlich wird eine Verringerung der Libido in einigen Beipackzetteln der Anti-Baby-Pille als gelegentliche Nebenwirkung aufgelistet. Zurückzuführen ist das auf das Protein SHBG (Sexualhormonbindendes Globulin), das durch die Einnahme der Pille erhöht werden kann. Dieses SHBG blockiert die Wirkung von Testosteron, das für das sexuelle Verlangen verantwortlich ist.
Möglicherweise ist die spezifische Wirkung der Hormone zu einem bestimmten Anteil auch Veranlagung, denn jede Frau reagiert anders auf verschiedene Präparate. So verspüren viele Frauen keinerlei Veränderung während andere unter einer verminderten Libido leiden. Darüber hinaus müssen im individuellen Fall auch die Lebensumstände der Patientin berücksichtigt werden. So kann auch Stress und fehlende Erotik erheblich dazu beitragen den Sexualtrieb zu schmälern.
Kommt es zu einem spürbaren Verlust der Libido, so kann bereits ein Wechsel auf ein anderes Pillenpräparat dabei helfen, das sexuelle Lustempfinden wiederherzustellen.

Mythos 3: Hormone sorgen für unreine Haut

Wiederkehrende Pickel und ein unreines Hautbild verursachen bei den meisten einen psychischen Leidensdruck. Aber können hormonelle Verhütungsmethoden dafür verantwortlich gemacht werden?
Nein, im Gegenteil. Die Pille führt zu einer Stabilisierung des Hormonhaushaltes wodurch sich auch positive Auswirkungen auf das Hautbild beobachten lassen.

Zu Beginn der Einnahme reagieren manche Frauen zunächst mit einer vermehrten Talgproduktion und unreiner Haut. Allerdings stabilisiert sich der Hormonspiegel in der Regel innerhalb kurzer Zeit von alleine und das Hautbild bessert sich deutlich. Es gibt auch spezielle Pillen-Präparate mit einem bestimmten Gestagenanteil, die sich besonders positiv auf den Zustand der Haut und der Haare auswirken. Diese Präparate werden auch bei Patientinnen, die unter Akne leiden, gezielt eingesetzt, um das Hautbild zu verbessern.

Mythos 4: Nach der hormonellen Verhütung hat man Schwierigkeiten schwanger zu werden

Hat die Einnahme der Pille tatsächlich nachhaltig Auswirkungen darauf schwanger zu werden?
Nach langer Einnahme hormoneller Verhütungsmittel benötigt der Körper einige Zeit, um wieder seinen natürlichen Rhythmus zu finden. So dauert es meist einige Wochen oder sogar Monate bis sich wieder eine regelmäßige Monatsblutung einstellt. Das bedeutet allerdings nicht, dass Frauen in dieser Zeit nicht schwanger werden können. Der Eisprung bleibt aufgrund dieser unregelmäßigen oder ganz ausbleibenden Blutungen häufig unbemerkt. Aber auch ohne regelmäßige Monatsblutungen ist eine Schwangerschaft durchaus möglich.
Bei Kinderwunsch kann das Präparat nach Absprache mit dem Frauenarzt also einfach abgesetzt werden. Bereits im nächsten Zyklus ist dann eine Befruchtung möglich.
Die meisten Frauen, die über mehrere Jahre hinweg hormonell verhütet haben, werden innerhalb der ersten 12 Monate nach Absetzen der Pille schwanger.

Auch ohne hormonelle Verhütung dauert es oft Monate bis der Kinderwunsch in Erfüllung geht. Bei einigen Paaren funktioniert es auf Anhieb, während andere Monate vergeblich warten. Darüber hinaus ist auch zu beachten, dass viele Frauen die Pille oft über viele Jahre hinweg einnehmen – so hat auch das Alter der Frau zum Zeitpunkt des Absetzens große Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit. Die Fertilität bei Frauen nimmt natürlicherweise etwa ab dem 30. Lebensjahr stark ab, unabhängig davon, ob die Pille eingenommen wurde oder nicht.

Mythos 5: Der weibliche Körper benötigt eine regelmäßige Blutung

Viele Frauen und Mädchen leiden jeden Monat unter menstruationsbedingten Beschwerden, wie Kopfschmerzen, Bauchkrämpfen, Konzentrationsverlust und fühlen sich durch ihre Periode in ihrem Lebensalltag beeinträchtigt.
Etwa jede vierte Frau, die die Pille nimmt, lässt deshalb ihre Periode ausfallen, indem sie nach 21 Tagen keine Pause macht, sondern direkt mit dem nächsten Blister beginnt. Doch ist das ‘Unterdrücken’ der Periode ungesund? Ist die regelmäßige Blutung für die weibliche Gesundheit entscheidend? Die Einnahme der  Pille im sogenannten Langzeitzyklus sorgt auch heute für kontroversen Gesprächsstoff.

Fachärzte und Wissenschaftler sind sich mittlerweile allerdings darüber einig, dass das pausenlose Einnehmen der Pille und das ‘Unterdrücken’ der Periode keine Auswirkungen auf die Gesundheit hat.
Für den Körper ist die Regelblutung kein notwendiger Prozess – der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut dient lediglich dazu sich auf eine mögliche Schwangerschaft vorzubereiten. Während der Periode wird diese Schleimhaut nach Ausbleiben einer Einnistung eines befruchteten Eis wieder vom Körper abgestoßen.

Anders als heute hatten Frauen in früheren Zeiten in ihrem Leben deutlich mehr Schwangerschaften und dementsprechend längere Stillzeiten. In der heutigen Zeit bekommen Frauen deutlich weniger Kinder – Frauen haben damit mehr natürliche Zyklen als früher. Etwa 450 Mal haben Frauen heute ihre Periode – im Gegensatz zu früher, in denen rund 150 Perioden normal waren. Die monatliche Periode ist also keine natürliche Notwendigkeit.

Es gibt aber auch eine Reihe medizinischer Gründe warum die Einnahme der Pille im Langzeitzyklus empfehlenswert sein kann. Vor allem bei Frauen mit starken Menstruationsbeschwerden, verstärkten Blutungen, der Neigung zu Eierstockzysten oder Endometriose bevorzugen die pausenlose Einnahme der Pille.

Aber auch ohne medizinische Indikation entscheiden sich immer mehr Frauen dazu ihre Periode zu pausieren und nehmen die Pille deshalb im Langzeitzyklus. Nach etwa vier bis sechs Monaten sollte jedoch eine Pillenpause erfolgen, da sich mit jedem Zyklus weiter Gebärmutterschleimhaut aufbaut.
Erfolgt keine Pillenpause so kann es nach einigen Monaten zu unerwünschten Zwischenblutungen kommen. Diese bedeuten zwar keine gesundheitliche Gefahr, können jedoch für unerwünschte und unangenehme Überraschungen sorgen.
Zeigt ein Ultraschall beim Gynäkologen, dass sich auch nach diesen vier bis sechs Blistern kaum Gebärmutterschleimhaut aufgebaut hat, so kann der Langzeitzyklus im individuellen Fall auch länger beibehalten werden. Für die Gesundheit der Frau und ihre Fertilität ist die Pillenpause und die damit hormonell ausgelöste Scheinblutung allerdings nicht erforderlich.

Sollten Sie sich ebenfalls dafür entscheiden die Pille durchzunehmen, so sollte vorab ein Gespräch mit Ihrem Frauenarzt stattfinden. Darüber hinaus sind nicht alle Präparate für eine Einnahme im Langzeitzyklus geeignet. Eine persönliche Beratung bei Ihrem Facharzt hilft Ihnen dabei das richtige Präparat für Ihre persönlichen Bedürfnisse zu finden.

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