COPD – Anzeichen, Diagnose und Therapie

 

COPD zählt zu den weniger bekannten Krankheiten, kommt jedoch häufig vor. Derzeit sind weltweit etwa 210 Millionen Menschen erkrankt, allein in Deutschland rund 6,8 Millionen. Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzen, dass die Lungenerkrankung bis zum Jahr 2030 sogar die weltweit dritthäufigste Todesursache sein wird.

Was ist COPD?

COPD steht „chronic obstructive pulmonary disease“, zu Deutsch: „chronisch obstruktive Lungenerkrankung“ und ist ein Überbegriff für mehrere Lungenkrankheiten. Diese weisen einige Gemeinsamkeiten auf: Sie sind chronisch, gehen mit verengten, entzündeten Atemwegen einher und sind nicht heilbar. COPD ist in keiner seiner verschiedenen Formen ansteckend, sondern auf verschiedene Umweltfaktoren zurückzuführen. Besondere Bedeutung für die Entstehung und Symptomatik einer COPD haben die chronisch obstruktive Bronchitis sowie das Lungenemphysem:

Chronische obstruktive Bronchitis

In vielen Fällen entwickelt sich die Lungenkrankheit COPD aus immer wiederkehrenden Entzündungen der Bronchien oder aus einer chronischen Bronchitis. Von einer chronischen Bronchitis ist auszugehen, wenn deren Symptome wie Husten länger als ein Jahr bestehen bleiben. Bei rund 20 Prozent der an einer chronischen Bronchitis Erkrankten kommt es zusätzlich zu einer Verengung – lat. „Obstruktion“ – der Atemwege, also zu einer chronisch obstruktiven Bronchitis.

Lungenemphysem

Die chronisch obstruktive Bronchitis kann mit einer Überblähung der Lungenbläschen einhergehen – dann sprechen wir von einem Lungenemphysem. Die Lungenbläschen ermöglichen den Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid. Bei einem Lungenemphysem sind sie überdehnt oder sogar teilweise zerstört. In Folge fallen die kleinen Bronchien zusammen und das Ausatmen fällt den Betroffenen schwerer. Der aufgeblähten Lunge steht immer weniger Fläche für das Atmen zur Verfügung, so dass sie den Körper mittelfristig nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgen kann.

Ursachen und Risikofaktoren für COPD

Als Risikofaktor Nummer eins in Europa gilt das Rauchen: Bei der Mehrheit der an COPD Erkrankten handelt es sich um Raucher oder Menschen, die lange Zeit geraucht haben. Auch Passivraucher weisen ein erhöhtes Risiko für COPD auf. Umweltverschmutzung in Form von schädlichen Abgasen, Arbeitsplätze mit hohem Staubaufkommen oder überstandene Atemwegsinfektionen können ebenfalls die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an COPD zu erkranken.
Die steigende Anzahl von COPD-Erkrankungen hängt nicht nur mit der steigenden Lebenserwartung zusammen. Sie wird auch durch die Innenraum-Luftverschmutzung in ärmeren Ländern begünstigt. Für die Atemwege schädliche Stoffe entstehen beispielsweise beim Kochen über offenem Feuer in geschlossenen Räumen. Ein weiterer Risikofaktor für COPD sind vorangegangene Asthma-Erkrankungen. Darüber hinaus kann sogar die Ernährung COPD begünstigen: Personen, die viele nitritreiche Speisen wie Schinken oder gepökelte Wurst verzehren, erkranken häufiger. Experten begründen dies mit dabei aufgenommenen Stickstoffverbindungen, die das Lungengewebe negativ beeinflussen. Nur bei rund einem Prozent der Patienten ist von einer erblichen Ursache auszugehen.

Symptome und Verlauf der COPD

Schätzungen gehen davon aus, dass zehn bis zwölf Prozent der Deutschen über 40 Jahre an COPD leiden – das entspricht knapp sieben Millionen Menschen. Die Dunkelziffer ist hoch, denn viele bemerken die COPD erst in einem späten Stadium. Eine frühere Diagnose mit einer entsprechenden Therapie kann in vielen Fällen den Verlauf günstig beeinflussen.

Die drei wichtigsten Anzeichen für COPD sind die „AHA-Symptome“: Auswurf, Husten, Atemnot“. Zu Beginn der Erkrankung treten häufig Auswurf und Husten auf. Vor allem rauchende Betroffene schenken diesen Symptomen wenig Beachtung. Manche führen die Beschwerden auf den Tabakkonsum selbst zurück, andere auf eine Erkältung. So manifestieren Auswurf und Husten sich über die Jahre. Morgens sowie in den Jahreszeiten Herbst und Winter sind die COPD-Symptome tendenziell stärker. Erst bei einer mittelschweren COPD, wenn die Lungenfunktion zwischen 20 und 50 Prozent von den Soll-Werten abweicht, kommt eine deutliche Atemnot hinzu.
Im weiteren Verlauf nehmen die Beschwerden zu, bis bereits kurze Treppenwege die Betroffenen außer Puste kommen lassen. Von einer sehr schweren COPD sprechen Experten, wenn die Lungenfunktion zu über 70 Prozent gemindert ist. Die Erkrankten leiden unter chronischer Sauerstoffunterversorgung, was die Lebensqualität einschränkt. Bereits langsames Gehen auf ebenen Wegen führt zu Atemnot, im weiteren Verlauf tritt diese sogar im Ruhezustand auf.

COPD-Diagnose: Wann zum Arzt?

Wer über mehrere Wochen Auswurf oder Husten bemerkt, sollte in jedem Fall, ob Raucher oder nicht, einen Arzt aufsuchen. Je früher COPD erkannt wird, desto schneller kann eine entsprechende Therapie den Verlauf verzögern. Allerdings ist es im Frühstadium der Erkrankung trotz modernster Lungenfunktionstests oder Computertomographie herausfordernd, eine eindeutige Diagnose zu erhalten. Dennoch können erfahrene Pneumologen aufgrund der Symptome eine erste Verdachtsdiagnose stellen.
Weitere Lungenfunktionstests mit einigem Abstand können diese bestätigen. Ein weiteres wesentliches Symptom, das für COPD spricht, ist ein schubweises Verschlechtern der Erkrankung für einige Tage. Experten nennen eine solche Krise Exazerbation.

Welche Therapie hilft bei COPD?

COPD ist nicht heilbar und einmal eingetretene Schäden am Lungengewebe können nicht mehr rückgängig gemacht werden. Dennoch können Betroffene viel dafür tun, das Fortschreiten der COPD zu verlangsamen und ihre Lebensqualität zu steigern. Die Therapie fußt auf mehreren Säulen:

Schadstoffe und Rauch vermeiden: Wer raucht, sollte spätestens nach einer COPD-Diagnose damit aufhören. Gleiches gilt für Passivraucher und Menschen, die an ihrem Arbeitsplatz Schadstoffen oder Staub ausgesetzt sind. Den größten positiven Einfluss auf die Prognose der COPD hat die sofortige Reduktion der auslösenden Schadstoffe.

Medikamente: Die COPD-Behandlung erfolgt mit verschiedenen Medikamenten. Häufig sind diese zu inhalieren. Denn so gelangen die Wirkstoffe am schnellsten genau dorthin, wo sie benötigt werden. Vor allem kommen atemwegserweiternde Medikamente in Form von Bronchodilatatoren sowie entzündungshemmende Präparate wie Kortison-Sprays zum Einsatz. Besonders wichtig ist eine korrekte Inhalationstechnik. Diese sollten Patienten sich von einem Experten ausführlich erklären lassen.

Bewegung: Sport und Physiotherapie helfen, den Verlauf der COPD günstig zu beeinflussen. Welche Sportart die richtige ist, hängt von den bereits vorhandenen Symptomen ab – wenden Sie sich im Zweifel an Ihren Lungenfacharzt. In größeren Städten gibt es auch spezielle Lungensportgruppen.

Atem- und Hustentechniken: Im Rahmen einer Physiotherapie für Atemwegspatienten erlernen Betroffene spezielle Atem- und Hustentechniken, die den Alltag mit der Erkrankung erleichtern. Hierzu zählt beispielsweise die „Lippenbremse“, die das Ausatmen verlängert und die Atemfrequenz reduziert. In der Physiotherapie für COPD-Betroffene steht auch die richtige Körperhaltung zur Verbesserung der Atmung auf der Agenda.

Beatmung: Ist die COPD weit fortgeschritten, können Sauerstoff- und Atemtherapien die Lebensqualität verbessern. Im Rahmen einer Sauerstofftherapie bei COPD erhält der Betroffene dauerhaft zusätzlichen Sauerstoff über eine Nasenbrille. Dies erfolgt über Sauerstoffkonzentratoren, die Sauerstoff aus der Umgebung filtern. Stationäre Sauerstoffgeräte eignen sich vor allem für die Nacht. Mobile Geräte verfügen über aufladbare Akkus und ermöglichen mehr Flexibilität im Alltag.
Eine Alternative sind Flüssigsauerstoffsysteme, die keinen Strom benötigen und leicht überallhin zu transportieren sind. Allerdings ist das Auffüllen der Tanks kostspieliger als der Unterhalt von Sauerstoffkonzentratoren. Alternative Gasdruckflaschen sind schwer und müssen ebenfalls regelmäßig professionell nachgefüllt werden.
Das Plus an Sauerstoff führt nicht nur zu einer Verbesserung des Allgemeinbefindens, sondern beugt auch weiteren Komplikationen wie pulmonal bedingtem Hochdruck und Herzinsuffizienz vor. Wird der Körper im weiteren Verlauf nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, kommen Beatmungsmethoden zum Einsatz. Hierzu zählt beispielsweise die nicht-invasive Heimbeatmungstherapie. Um diese optimal auf den Patienten einzustellen, ist meist ein stationärer Krankenhausaufenthalt von einigen Tagen nötig. Dabei übt der COPD-Erkrankte das Atmen durch die Beatmungsmaske in immer längeren Intervallen. Zuhause ist die nicht-invasive Beatmung vor allem nachts für viele Betroffene eine Erleichterung.

Prognose: Einfluss der COPD auf die Lebenserwartung

Da COPD nicht heilbar ist und zu den fortschreitenden Erkrankungen gehört, reduziert sie die durchschnittliche Lebenserwartung um rund sieben Jahre. Das Risiko, an COPD zu sterben, ist vor allem in Entwicklungsländern mit unzureichender medizinischer Versorgung hoch. Im Endstadium ist das Atmen mit großer Anstrengung verbunden. Daraus ergeben sich weitere mögliche Komplikationen wie Lungenentzündungen oder eine Rechtsherzinsuffizienz (Cor pulmonale).

Eine Einschätzung für die Lebenserwartung bei COPD bietet die Messung der Sekundenluft. Experten bezeichnen dies als FEV 1, was für „forciertes exspiratorisches Volumen pro Sekunde“ steht. Der Test misst, wie viel Luftvolumen ein Betroffener mit größter Anstrengung innerhalb einer Sekunde ausatmen kann. Bei COPD-Patienten sinkt dieses Volumen jährlich im Durchschnitt um 30 ml. Bei Rauchern, die trotz COPD-Diagnose weiterrauchen, sinkt der Wert sogar um bis zu 90 ml pro Jahr.

Ist der gemessene Wert größer als 1,25 Liter, können die Betroffenen von einer nahezu uneingeschränkten Lebenserwartung ausgehen. Fällt der Wert jedoch unter 0,75 Liter, beträgt die Lebenserwartung im Durchschnitt noch drei Jahre. Der FEV-Test erlaubt außerdem eine Einteilung der COPD in vier sogenannte „GOLD-Stadien“ von „leicht“ (Lungenfunktion über 80 Prozent) bis „sehr schwer“ (Lungenfunktion unter 30 Prozent).

Tipps für ein Leben mit COPD

Eine ausgewogene Ernährung spielt auch bei COPD eine große Rolle. Wie so oft ist es von Vorteil, normalgewichtig zu sein. Denn zu viele Pfunde auf den Rippen belasten den Kreislauf und erschweren die Atmung zusätzlich. Untergewicht hingegen geht oft mit einem Verlust an Muskelkraft einher, der die Atmung ungünstig beeinflussen kann. Achten Sie daher auf eine ausgewogene Kost mit viel Gemüse. Treten während des Essens Atemprobleme auf, können kleine Veränderungen viel bewirken:

  • schneiden Sie das Essen in möglichst kleine Stücke
  • nutzen Sie beim Ausatmen die aus der Physiotherapie bekannte „Lippenbremse“
  • führen Sie keine Gespräche während des Essens
  • essen Sie lieber mehrere kleine Portionen als wenige große

Betroffene sollten auf ausreichend Kalzium und Vitamin D achten, da COPD ein erhöhtes Risiko für Osteoporose mit sich bringen kann. Dies ist beispielsweise bei der Einnahme von Kortison-Präparaten der Fall.

Schützen Sie sich vor Infekten und vermeiden Sie Unterkühlungen sowie hohe Luftfeuchtigkeit. Viele COPD-Erkrankte profitieren von einer jährlichen Grippe-Impfung sowie von einer Impfung gegen Pneumokokken – lassen Sie sich hierüber von Ihrem Arzt beraten.

Der Austausch mit anderen Betroffenen tut vielen gut. Diesen ermöglichen beispielsweise zahlreiche über ganz Deutschland verteilte Selbsthilfegruppen. Wenn Sie COPD haben, können Sie sich hier regelmäßig über Ihre Erfahrungen mit der Krankheit austauschen, Kontakte knüpfen und viel Praktisches rund um den Alltag mit COPD lernen.

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