Gegen Grippe impfen?

Mit dem Beginn der kalten Jahreszeit naht auch wieder die Grippewelle. Und es gibt nur eine einzige nachweislich wirksame Methode, sich davor zu schützen – eine Impfung. Sie wird Menschen empfohlen, die besonders gefährdet sind, an einer Grippe zu erkranken oder ein erhöhtes Risiko haben, dass die Krankheit einen schweren Verlauf nimmt. Die meisten vertragen die Impfung gut, dennoch nehmen noch immer zu wenige Menschen diese Schutzmaßnahme in Anspruch.

Lesen Sie hier, wann und für wen die Grippeimpfung sinnvoll ist und welche Vor- und Nachteile die Grippeimpfung mit sich bringt.

Was ist Grippe?

Umgangssprachlich wird der Begriff Grippe häufig auch für sogenannte grippale Infekte (Erkältung) verwendet.

Die echte Grippe, auch bekannt als Influenza, ist jedoch keine einfache Erkältungskrankheit, sondern eine ernstzunehmende Viruserkrankung. Sie wird durch Tröpfcheninfektion, also auch beim Husten, Niesen oder Sprechen übertragen. Aber auch ein Händedruck oder das gemeinsame Benutzen von Gegenständen kann zu einer Ansteckung führen.

Obwohl sich die Symptome ähneln können, unterscheiden sich Verlauf und Schwere der ‘echten’ Grippe deutlich von einer einfachen Erkältung. Charakteristisch für eine Grippe ist ein plötzlicher Krankheitsbeginn mit hohem Fieber über 38,5°C und typischen Symptomen wie Halsschmerzen, trockenem Reizhusten und heftigen Kopf-, Muskel- und/ oder Gliederschmerzen.

Vor allem Menschen mit einer geschwächten Immunabwehr oder einer weiteren, anderen Erkrankung sind für schwere Verläufe der Grippe anfällig. Für bestimmte Risikogruppen kann eine Grippe unter Umständen sogar tödlich verlaufen.

Warum kommt es jährlich zu Grippewellen?

Durch die trockene Heizungsluft und eisige Temperaturen im Winter sind die Schleimhäute von Nase und Mund trockener und können so ihre Funktion als Schutzbarriere für Viren schlechter erfüllen. Gleichzeitig sind die Viren in kühlerer Luft deutlich stabiler, als bei sommerlichen Temperaturen – dadurch wird die Wahrscheinlichkeit der Ansteckung noch zusätzlich verstärkt. Und auch der häufige Aufenthalt in geschlossenen Räumen, beispielsweise zur Pflege von sozialen Kontakten, erleichtern die Übertragung für Grippeviren.

Die Grippewelle 2017/2018 war so stark wie seit Jahren nicht. Nachweislich 333.567 Menschen erkrankten an einer Grippe, 1600 starben an den Folgen. Zum Vergleich: In der Grippesaison 2016/2017 waren bundesweit nur 112.594 bestätigte Influenza-Fälle verzeichnet worden, 662 Menschen starben. 2018/2019 war die Grippewelle hingegen wieder etwas schwächer als im Jahr davor.

Auf der Seite des Robert-Koch-Instituts können Sie sich den aktuellen Verlauf der Grippewelle sowie die Entwicklungen aus den letzten Jahren genau ansehen: Verlauf der Grippe 2018/2019

Ist die Grippeimpfung sinnvoll?

Die Grippeimpfung ist die einzige nachweislich wirksame Maßnahme, um einer Grippe vorzubeugen. Zwar bietet die Grippeimpfung keinen 100%igen Schutz – meist verläuft eine Grippe bei geimpften Menschen aber wesentlicher harmloser als bei nicht geimpften Personen und tritt zudem deutlich seltener auf. Besonders für bestimmte Risikogruppen, beispielsweise Personen mit einem schwachen Immunsystem, Schwangeren und Menschen mit viel zwischenmenschlichem Kontakt, ist die jährliche Grippeimpfung empfehlenswert.

Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen?

Eine Grippe ist zwar eine ernstzunehmende Erkrankung, gesunde Menschen jedoch erholen sich in der Regel recht schnell und haben auch meist nicht mit Folgebeschwerden kämpfen. Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung vor allem für Menschen, die besonders gefährdet sind, an einer Grippe zu erkranken, oder ein erhöhtes Risiko haben, dass die Krankheit einen schweren Verlauf nimmt.

Zu diesen Risikogruppen gehören:

  • Personen, die über 60 Jahre alt sind
  • Schwangere
  • Kinder, Jugendliche & Erwachsene mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung, wie zum Beispiel:
    • bei Diabetes und andere Stoffwechselkrankheiten,
    • bei chronischen, neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose,
    • bei Immunschwäche oder bei einer HIV-Infektion,
    • bei chronischen Krankheiten der Lunge, des Herz-Kreislaufsystems oder der Leber und Nieren,
    • bei Tumorerkrankungen
  • Bewohner und Mitarbeiter in Alten- und Pflegeheimen
  • Personen, die durch häufigen Kontakt mit anderen Personen ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben (Lehrer, Erzieher, Personal im öffentlichen Verkehr, medizinisches Personal etc.)

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Grippeimpfung?

Ihre Hochsaison hat die Grippe meist zur Jahreswende – um rechtzeitig geschützt zu sein, empfiehlt das Robert-Koch-Institut für Infektionskrankheiten daher, sich bereits in den Monaten Oktober oder November impfen zu lassen. Bis der volle Impfschutz wirkt, dauert es in der Regel circa 10 bis 14 Tage. Eine Impfung zu einem späteren Zeitpunkt ist auch möglich, jedoch ist es nicht ratsam, bis zum Höhepunkt der heran rollenden Grippewelle zu warten.

Die Impfung schützt sechs bis zwölf Monate lang vor der Erkrankung. Innerhalb einer Saison ist keine Auffrischungsimpfung notwendig. Einzig Kinder unter 9 Jahren, die zum ersten Mal im Leben gegen Influenza geimpft werden, sollen zwei Impfstoffdosen im Abstand von 4 Wochen erhalten.

Grippeimpfung in der Schwangerschaft

Aufgrund verschiedener physiologischer und immunologischer Veränderungen während der Schwangerschaft sind Schwangere anfälliger für Krankheitserreger. Zudem ist das Komplikationsrisiko höher.
Mit einer Grippeimpfung ist nicht nur die Mutter geschützt, auch das Kind ist nach der Geburt geschützt. Über die Plazenta erhält der Nachwuchs bereits im Mutterleib wichtige Antikörper, sodass das Neugeborene nach der Geburt über einen gewissen Schutz verfügt.

Gesunden schwangeren Frauen, die im Winter schwanger sind, wird deshalb empfohlen sich im Oktober oder November gegen Grippe impfen zu lassen. Bei dem Impfstoff handelt es sich um einen Totimpfstoff, sodass die Grippeimpfung grundsätzlich in jedem Schwangerschaftsdrittel möglich ist.

Die STIKO empfiehlt dabei die Grippeimpfung ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel durchführen zu lassen. Schwangere Frauen mit einer chronischen Erkrankung sollten die Grippeimpfung direkt zu Beginn der Impfsaison im Herbst durchführen lassen. Bei ihnen wird eine Impfung bereits ab dem 1. Schwangerschaftsdrittel empfohlen.

Studien konnten zeigen, dass die Grippeimpfung weder Einfluss auf das Risiko von Fehl- und Frühgeburten hat, noch die Zahl an notwendigen Kaiserschnitten dadurch erhöht wird. Darüber hinaus konnten keine Unterschiede in Hinblick auf den Gesundheitszustand der Säuglinge beobachtet werden.

Um was für einen Impfstoff handelt es sich bei der Grippeimpfung?

Bei den Grippeimpfstoffen unterscheidet man zwischen Dreifach- und Vierfach-Impfstoffen. Dreifach-Impfstoffe enthalten Antigene von drei Influenza-Stämmen, Vierfach-Impfstoffe entsprechend von einem Stamm mehr. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) legt auf Basis von Daten aus verschiedenen Laboren weltweit jedes Jahr neu fest, wie der Impfstoff zusammengesetzt wird. Zum Einsatz kommen sogenannte Totimpfstoffe, auch bekannt als inaktivierte Impfstoffe. Der Wirkstoff enthält Antigene für Viren, die in der kommenden Influenzasaison erwartet werden.

In der Grippesaison 2018/2019 haben gesetzlich Versicherte erstmals einen verbindlichen Anspruch auf einen Vierfach-Impfstoff gegen Grippe. Die Grippeimpfung erhält man in allgemeinmedizinischen, internistischen, kinder- oder frauen- und anderen fachärztlichen Praxen. Auch einzelne Gesundheitsämter impfen gegen Grippe. Ebenso bieten einige Arbeitgeber eine Impfung im Betrieb an.

Für Kinder zwischen 2-17 Jahren gibt es seit 2012 auch einen Lebendimpfstoff, der in Form eines Nasensprays verabreicht wird.

Schützt der Impfstoff vor allen Grippeviren?

Die Impfstoffe schützen zu 70 bis 80 % vor den im Impfstoff enthaltenen Viren, etwas höher ist dabei der Schutz der Vierfach-Impfung. In seltenen Fällen können aber auch Geimpfte an Grippe erkranken.
Das kann zum einen passieren, wenn die Infektion kurz vor der Impfung stattgefunden hat oder in den ersten 10 bis 14 Tagen nach der Impfung erfolgt ist, bevor der Impfschutz vollständig ausgebildet werden konnte. Die Wirksamkeit hängt zusätzlich davon ab, wie gut die im Impfstoff enthaltenen Virusbestandteile zu den tatsächlich zirkulierenden Erregern passen.

Die Schutzwirkung des Impfstoffs kann sich auch im Laufe einer Grippesaison verändern, wenn sich zirkulierende Viren oder die Anteile der einzelnen Virus(sub)typen im Verlauf der Saison ändern, sodass einer oder mehrere der empfohlenen Impfstämme nicht mehr gut passen. Zahlreiche Studien haben jedoch gezeigt, dass eine Grippeerkrankung bei geimpften Personen seltener und milder, also mit weniger Komplikationen, verläuft als bei Ungeimpften.

Die Grippeimpfung schützt jedoch nur vor der echten Grippe – nicht vor einer Erkältung.

Warum muss die Impfung jährlich aufgefrischt werden?

Grippeviren sind äußerst wandelbar. Ihr Erbgut verändert sich ständig, und je nach Saison überwiegen unterschiedliche Typen. Aus diesem Grund legt die WHO auf der Grundlage der weltweit zirkulierenden Virus-Varianten, die für die kommende Grippesaison erwartet werden, die Zusammensetzung für den Impfstoff jedes Jahr aufs Neue fest. Es ist deshalb wichtig, sich jedes Jahr erneut gegen Grippe impfen lassen, um vor denjenigen Grippeviren, die voraussichtlich in der folgenden Grippesaison am häufigsten auftreten, geschützt zu sein.

Außerdem lässt der Impfschutz nach, je länger die Impfung zurückliegt. Viele Geimpfte sind also nach Ablauf eines Jahres vermutlich nicht mehr ausreichend bzw. gegen die falschen Virenstämme geschützt.

Mit welchen Nebenwirkungen ist bei der Grippeimpfung zu rechnen?

Die Grippeschutzimpfung ist in der Regel gut verträglich. Sehr selten treten Nebenwirkungen auf. Diese beschränken sich jedoch überwiegend auf harmlose, vorübergehende Beschwerden. Hierzu zählen zum Beispiel Rötungen, Schwellungen und Druckschmerzen an der Injektionsstelle. Die Grippeimpfung per Nasenspray kann eine verstopfte oder laufende Nase auslösen.

Zudem zeigen circa 9 % der Geimpften erkältungsähnliche Symptome – zum Beispiel leichtes Fieber, Frösteln oder Schwitzen, Müdigkeit, Unwohlsein, Kopf-, Muskel-, Hals- oder Gliederschmerzen. In den allermeisten Fällen klingen diese Beschwerden jedoch innerhalb von ein bis zwei Tagen wieder ab. Das Auftreten dieser Symptome sind zudem ein positives Zeichen dafür, dass der Körper Abwehrkräfte mobilisiert.

Die Gefahr, sich aufgrund der Injektion von Viren tatsächlich mit einer Grippe zu infizieren, besteht aber nicht.

Was ist allgemein bei der Grippeschutzimpfung zu beachten?

Vor der Grippeimpfung

Auch wenn die Grippeimpfung in der Regel gut verträglich ist, sollte man bei Fieber (Körpertemperatur über 38,5°C) oder einer akuten Infektion jedoch von einer Grippeschutzimpfung absehen und sich erst nach der Genesung impfen lassen.

Liegt eine schwere Allergie gegen Hühnereiweiß oder andere Bestandteile des Impfstoffes vor, kann ein besonderer Grippeimpfstoff verabreicht werden, der auch für Allergiker geeignet ist. Das ist notwendig, weil die meisten Impfstoffe produktionsbedingt Spuren von Hühnereiweiß enthalten.

Nach der Grippeimpfung

Nach der Grippeimpfung wird die körpereigene Immunabwehr aktiviert. Aus diesem Grund sollte die ersten Tage nach der Impfung kein Sport oder andere körperliche Betätigungen ausgeübt werden. Auf diese Weise kann der Aufbau der Antikörpern bestmöglich unterstützt werden.

Grippeimpfung auf einen Blick

Die Grippe ist eine ernstzunehmende Viruserkrankung, die jedes Jahr aufs neue tausende Menschen betrifft. Eine Impfung ist die einzige nachweislich wirksame Methode sich vor der Influenza zu schützen.

Während die Grippe zwar unangenehm und lästig ist, so sind gesunde Erwachsene nach ein bis zwei Wochen wieder vollständig genesen. Auch Folgebeschwerden bleiben in den meisten fällen aus. Für bestimmte Personengruppen ist eine Grippeimpfung jedoch besonders empfehlenswert. Sie wird Menschen empfohlen, die besonders gefährdet sind, an Grippe zu erkranken, oder ein erhöhtes Risiko auf einen schweren Krankheitsverlauf haben.

Um sich vor aktuell verbreiteten Virenstämmen zu schützen, wird jedes Jahr ein neuer Impfstoff für die Grippeimpfung entwickelt. Den besten Schutz verspricht eine Impfung im Oktober oder November, noch bevor die Grippesaison gegen Ende des Jahres ihren Höchststand erreicht. Zwar bietet die Grippeimpfung keinen 100%igen Schutz – meist verläuft eine Grippe bei geimpften Menschen aber wesentlicher milder ab, als bei nicht geimpften.

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