Herzmuskelentzündung: Symptome, Ursachen und Vorbeugung

Die Herzmuskelentzündung – auch Myokarditis – wird meist durch eine virale oder bakterielle Infektion hervorgerufen, doch auch Autoimmunerkrankungen, die Einnahme von Medikamenten oder der Missbrauch von Alkohol und Drogen können sie begünstigen. Problematisch sind die unspezifischen und häufig nur milden Beschwerden, denn Betroffene nehmen diese oft auf die leichte Schulter, ohne den Ernst der Lage zu erkennen. Wird eine Herzmuskelentzündung jedoch nicht entsprechend auskuriert, kann das ernsthafte Folgen haben – bis hin zu Vernarbungen, Herzrhythmusstörungen, chronischer Herzschwäche oder gar einem plötzlichen Herztod.

Was ist eine Herzmuskelentzündung?

Der Herzmuskel, also das wandförmige Muskelgewebe des Herzens, sorgt durch Kontraktionen dafür, dass Blut durch unseren Körper transportiert wird, welches die Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Bei einer Herzmuskelentzündung – in der Fachsprache als Myokarditis bezeichnet – entzünden sich die Herzmuskelzellen. Darüber hinaus können die Herzkranzgefäße sowie das gesamte umliegende Gewebe betroffen sein.

Nicht selten bleibt eine Myokarditis unentdeckt oder wird erst dann erkannt, wenn es bereits Komplikationen gibt. Der Grund dafür sind recht unspezifische Symptome, die oftmals nicht richtig gedeutet werden. Schätzungen zufolge erkranken pro Jahr etwa 22 von 100.000 Menschen an einer akuten Herzmuskelentzündung. Männer sind mit circa 70 % aller Fälle deutlich häufiger betroffen als Frauen.

Warum kommt es zu einer Herzmuskelentzündung?

Meist geht einer Herzmuskelentzündung eine Infektion voraus, doch auch nicht-infektiöse Ursachen kommen infrage. In manchen Fällen lässt sich der Grund gar nicht feststellen, dann liegt eine idiopathische Myokarditis vor.

Infektiöse Herzmuskelentzündung:

Über die Blutbahn gelangen verschiedene Krankheitserreger vom eigentlichen Ort der Infektion zum Herzen. Häufig lösen Viren die Herzmuskelentzündung aus. Neben klassischen Erkältungsviren (Enteroviren) handelt es sich dabei vorrangig um Magen-Darm-Viren, Herpesviren oder SARS-CoV2-Viren. Auch Bakterien kommen als Auslöser infrage. Vor allem Pneumokokken, Meningokokken, Streptokokken oder Borrelien können hier gefährlich werden. Seltener lässt sich eine Myokarditis auf Pilze oder Parasiten zurückführen.

Nicht-infektiöse Herzmuskelentzündung:

Hauptauslöser für eine nicht-infektiöse Myokarditis sind Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder Lupus sowie verschiedene Medikamente oder – in selteneren Fällen – Impfreaktionen. Auch Drogen- oder Alkoholmissbrauch sowie eine Vergiftung durch Schwermetalle können sich auf den Herzmuskel schlagen.

Weshalb wird eine Myokarditis so leicht übersehen?

Eine Herzmuskelentzündung macht in der Regel mit recht unspezifischen Symptomen auf sich aufmerksam. Da ein Großteil aller Fälle auf vorherige virale oder bakterielle Infekte zurückzuführen ist, gehen viele Betroffene davon aus, die Beschwerden stünden damit im Zusammenhang und messen ihnen nicht allzu viel Bedeutung bei.

Vor allem jungen Menschen, die sportlich sehr aktiv sind, kann das rasch zum Verhängnis werden. Die Schonung fällt nämlich leider oftmals nur minimal aus. In der falschen Annahme harmloser Ausläufer einer simplen Infektion wird das Trainingsprogramm viel zu früh wieder aufgenommen – mit schwerwiegenden Folgen für das Herz. Daher ist es umso wichtiger, auch scheinbar harmlose Infekte gut auszukurieren und langwierige Beschwerden im Blick zu behalten.

Wie lässt sich eine Herzmuskelentzündung erkennen?

Die Beschwerden, die eine Herzmuskelentzündung mit sich bringt, zeigen sich in ganz unterschiedlichem Gewand, weshalb es nicht immer einfach ist, die Myokarditis als solche zu erkennen. So sind Symptome nicht nur vielfältig und häufig recht allgemeiner Natur, ihre Stärke variiert mitunter auch stark. Anzeichen können zudem zeitnah zu einem Infekt oder aber verzögert auftreten.

Oftmals geht die Myokarditis mit Symptomen wie allgemeiner Abgeschlagenheit, Erschöpfung, einem Schwindelgefühl oder Müdigkeit einher. Auch Schwäche, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit oder Fieber können auftreten. Da wundert es nicht, dass die Beschwerden auf den Infekt zurückgeführt werden. Etwas spezifischer zeigt sich die Herzmuskelentzündung mit Symptomen wie Atemnot (vor allem bei Belastung), einem Engegefühl und Schmerzen in der Brust, Brennen im Bereich des Brustbeins sowie Wassereinlagerungen (vorrangig in Armen und Beinen, aber auch im Lungenraum). Solch ein Beschwerdebild lässt auf eine beginnende Herzinsuffizienz (Herzschwäche) schließen, was eine Komplikation der Myokarditis darstellt. Die ausreichende Versorgung des Körpers mit Blut – und damit mit Sauerstoff – ist dann erschwert. Nicht zuletzt weisen starkes Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen (Herzstolpern) oder auch Ohnmachtsanfälle auf eine Herzmuskelentzündung hin.

Herzmuskelentzündung: die häufigsten Symptome im Überblick

  • Erschöpfung; allgemeine Abgeschlagenheit
  • Müdigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Schwäche
  • Schwindelgefühl
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Fieber
  • Atemnot (häufig schon bei geringer Belastung)
  • Ohnmacht
  • Schmerzen in der Brust; Brennen hinter dem Brustbein
  • Engegefühl in der Brust
  • Wassereinlagerungen
  • Herzklopfen
  • Herzstolpern/Herzrhythmusstörungen

Wie wird eine Herzmuskelentzündung diagnostiziert?

Klingen Beschwerden nach einem Infekt nicht vollständig ab und fühlt man sich ungewohnt erschöpft, ist ein Arztbesuch ratsam, um eine mögliche Herzmuskelentzündung nicht zu übersehen. Neben einer ausführlichen Anamnese und der allgemeinen körperlichen Untersuchung gibt es einige Untersuchungen, die den Rückschluss einer Beteiligung des Herzmuskels zulassen.

Folgende Untersuchungen kommen bei einem Verdacht auf Myokarditis in Betracht:

  • Elektrokardiogramm (EKG)
  • Laboruntersuchung des Blutes
  • Röntgen
  • Ultraschall des Herzens
  • MRT des Herzens
  • Herzkatheteruntersuchung (nur bei schweren Fällen)

Wie wird die Myokarditis behandelt?

Das Um und Auf bei der Therapie einer Herzmuskelentzündung ist strenge körperliche Schonung. Auf sportliche Betätigung muss gänzlich verzichtet werden. Mag der Zeitraum mit etwa vier bis sechs Monaten auch etwas lange erscheinen, ist das eine notwendige Spanne, damit sich der Herzmuskel wieder vollständig regenerieren kann. Betroffene sollten sich daher unbedingt an die ärztlichen Vorgaben halten – auch dann, wenn die Beschwerden bereits vollständig abgeklungen sind. Das Herz zu früh wieder zu belasten, kann weitreichende Konsequenzen haben, da Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen oder chronische Herzschwäche drohen. Demgegenüber ist die Prognose bei ausreichender Schonung sehr gut. In den allermeisten Fällen heilt die Myokarditis dann nämlich folgenlos ab.

Anders sieht es bei symptomatischen Herzmuskelentzündungen aus, bei denen Herzrhythmusstörungen oder Herzinsuffizienz bestehen. Hier kann eine stationäre Therapie notwendig werden und verschiedene Medikamente – zum Beispiel Kalziumantagonisten, Betablocker oder Diuretika – kommen zum Einsatz. Bei Rhythmusstörungen besteht die Möglichkeit, Antiarrhythmika als Infusionen oder in Tablettenform einzusetzen. Ist die Herzleistung stark herabgesetzt, kann ein System angeschlossen werden, das die Pumpleistung unterstützt (künstliches Herz). Stellt sich damit in den Folgemonaten keine Besserung ein, wäre ein Herzimplantat der letzte Therapieschritt.

Nicht zuletzt ist es notwendig, entzündliche Prozesse zu stoppen, so diese der Grund für die Myokarditis sind. Bei bakteriellen Infektionen kommen Antibiotika zum Einsatz, während bei schweren viralen Infekten eine Therapie mit Immunglobulinen helfen kann. Stehen Autoimmunerkrankungen als Auslöser im Verdacht, ist eine Immunsuppression Mittel der Wahl.

Wie lässt sich einer Herzmuskelentzündung vorbeugen?

Vorsicht ist besser als Nachsicht – gerade in Bezug auf unsere Gesundheit sind das weise Worte, die es zu beherzigen gilt. Wie Sie einer Myokarditis am besten vorbeugen, erfahren Sie daher abschließend von uns:

Gut auf den eigenen Körper hören: In unserem hektischen Alltag sind wir stets auf all die Dinge konzentriert, die erledigt werden müssen. Vom fordernden Job über einen perfekten Haushalt und Garten bis hin zu Sport oder anderen Hobbys – für Ruhe und Erholung bleibt im Ernstfall wenig Zeit. Da kann es schon einmal passieren, dass man Warnzeichen des Körpers einfach überhört und Infekte folgend übertaucht. Um Raubbau an der Gesundheit und negative Auswirkungen auf das Herz zu vermeiden, ist es daher notwendig, gut auf den eigenen Körper zu hören und im Zweifelsfall ein wenig kürzer zu treten.

Infekte richtig auskurieren: Virale oder bakterielle Infekte gelten als Hauptauslöser der Herzmuskelentzündung. Umso wichtiger ist es, diese – und wenn sie noch so banal erscheinen mögen – richtig auszukurieren. Körperliche Schonung während des Infekts hat Priorität. Bei Fieber ist zudem Bettruhe angesagt. Auch wenn die Symptome bereits vollständig abgeklungen sind, sollte man es ruhig angehen lassen. Bei einfachen Infekten sind drei bis vier Tage ein guter Richtwert. Nach schweren Infektionen mit Fieber wie etwa Influenza oder Corona ist es ratsam, für etwa zwei bis vier Wochen etwas kürzer zu treten. Am besten klären Sie das mit dem behandelnden Hausarzt ab.

Bei/Nach Erkrankungen mit dem Training aussetzen: Eine Herzmuskelentzündung bei jungen Sportlern ist leider keine Seltenheit. Das zeigt auf, wie wichtig es ist, auch banale Infekte sorgfältig auszukurieren, bevor langsam wieder mit dem Trainingsprogramm gestartet wird. Bei Überlastung steigt nämlich die Wahrscheinlichkeit, dass sich Viren und Bakterien im Herzraum ansiedeln. Besser also, ein paar Tage zu pausieren als im schlimmsten Fall monatelang mit Komplikationen flachzuliegen.