Kinderkrankheiten bei Erwachsenen – Wie gefährlich sind sie?

Kinderkrankheit – ein Begriff, der in die Irre führen kann, denn mitnichten erkranken nämlich nur Kinder daran, Erwachsene sind ebenso gefährdet. Und wer jetzt denkt, dass sich der harmlos klingende Name auch in der Symptomatik widerspiegelt und Erwachsene gefeit sind, der irrt gewaltig. Denn gerade für Erwachsene können die typischen Kinderkrankheiten besonders gefährlich werden.

Hat man Virusinfektionen wie Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken in der Kindheit nicht durchgemacht oder fehlt ein ausreichender Impfschutz, ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung besonders hoch.
Der Krankheitsverlauf ist bei Erwachsenen in der Regel deutlich heftiger als bei Kindern. Komplikationen und Spätfolgen sind statistisch gesehen wahrscheinlicher. Was hilft? Aufklärung sowie eine entsprechend hohe Durchimpfungsrate!   

Kinderkrankheit – ein irreführender Begriff

Hartnäckig hält sich der Irrglaube, Kinderkrankheiten können Erwachsenen nicht gefährlich werden. Tatsächlich ist dem aber nicht so. Ganz im Gegenteil: Hat man gegen typische Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken keine Immunität erlangt – das passiert beim Durchleben der Erkrankung oder durch entsprechende Impfungen – können diese unbarmherzig auch im Erwachsenenalter zuschlagen.

Auch für Kinder sind diese Kinderkrankheiten schwere Erkrankungen mit einem Risiko an Komplikationen. Durch entsprechende Impfungen und eine hohe Durchimpfungsrate können Kinder, ebenso wie Erwachsene, davor geschützt werden.

Bei erwachsenen Menschen fällt der Krankheitsverlauf jedoch meist deutlich schwerer aus. Und auch das Risiko von Komplikationen oder Folgeerkrankungen ist bei Erwachsenen nochmals höher.

Der Grund, weshalb wir bestimmte Krankheiten als Kinderkrankheiten bezeichnen, ist simpel: Sie sind dermaßen ansteckend, dass die Wahrscheinlichkeit, sie bereits in jungen Jahren durchzumachen, hoch ist – vorausgesetzt natürlich, man ist nicht geimpft. Das bedeutet allerdings nicht, dass Erwachsene automatisch davor geschützt sind. Denn die Zahl infizierter Erwachsener ist besorgniserregend.

Ursache dafür sind vor allem  Impfmüdigkeit (es wird nicht mehr konsequent geimpft) sowie Impflücken (trotz Impfung bildet das Immunsystem zu wenig Antikörper).

Welche Infektionen zählen zu den Kinderkrankheiten?

Streng genommen fallen unter den Terminus „Kinderkrankheit“ all jene Infektionserkrankungen, bei denen Immunität ein Leben lang bestehen bleibt, wenn man sie einmal durchgemacht hat. Das trifft auf Masern, Mumps, Röteln und Windpocken zu. Doch auch Keuchhusten und Scharlach werden im Volksmund zu den Kinderkrankheiten gezählt.

Folgend möchten wir Ihnen gerne einen Überblick über die gängigsten Kinderkrankheiten geben.

Mumps (Parotitis epidemica)

Mumps – im Volksmund auch Ziegenpeter genannt – ist eine Viruserkrankung, die durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Die Symptomatik zeigt sich erst unspezifisch (Fieber, Gliederschmerzen,…), doch relativ rasch schwellen die Ohrspeicheldrüsen seitlich am Hals schmerzhaft an. Mumps kann nicht ursächlich behandelt werden, lediglich die Symptome können gelindert werden (fiebersenkende und schmerzstillende Medikamente).

Bei Kindern nimmt Mumps meist einen milden Verlauf, Erwachsene empfinden demgegenüber ein deutliches Krankheitsgefühl. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen wie Hirnhautentzündung, Entzündung des Gehörnervs,  (Neben-)Hodenentzündung oder Herzmuskelentzündung ungleich höher. Spätfolgen können Unfruchtbarkeit oder Hörverlust sein.

Masern (Morbilli)

Die Virusinfektion zeigt sich in zwei Stadien: Das drei bis fünf Tage andauernde Vorläuferstadium ist gekennzeichnet durch Fieber, das gegen Ende dieser ersten Phase wieder sinkt, grippeähnliche Symptome sowie sogenannte Koplik-Flecken. Diese kleinen roten Flecken mit weißer Mitte zeigen sich vorwiegend an den Wangenschleimhäuten. Während des Hauptstadiums, das ebenfalls bis zu fünf Tage dauert, steigt das Fieber wieder an und der typische Masernausschlag (rote, ineinander übergehende Flecken; über den gesamten Körper) breitet sich aus.
Masern werden über Tröpfcheninfektion übertragen und das bereits fünf Tage, bevor sich der Ausschlag  (Exanthem) zeigt.

Bei Kindern unter fünf Jahren und Erwachsenen verlaufen Masern statistisch gesehen komplikationsreicher und können schwere Folgeerkrankungen mit sich ziehen. Mittelohrentzündung, Lungenentzündung, Gehirnhautentzündung sowie chronische Gehirnhautentzündung (SSPE) sind hier zu nennen. Infiziert sich eine schwangere Frau mit Masern, steigt das Fehlgeburtsrisiko stark an.

Auch Masern können lediglich symptomatisch behandelt werden. Das Immunsystem arbeitet noch lange Zeit nach der Erkrankung stark eingeschränkt.

Röteln (Rubella, Rubeola)

Die Virusinfektion äußert sich zunächst mit grippeähnlichen Symptomen. Auch erhöhte Körpertemperatur kann auftreten. Charakteristisch ist der Ausschlag (rote, leicht erhabenen Flecken), der sich – hinter den Ohren beginnend – über den gesamten Körper ausbreitet und nach etwa drei Tagen wieder verschwindet. Auch hier erfolgt die Ansteckung über Tröpfcheninfektion und lediglich die Symptome können behandelt werden.

Besonders heimtückisch: Oftmals verlaufen Röteln völlig symptomlos, was die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung erhöht. Vor allem für Schwangere ist eine Infektion gefährlich, da sie schwere Schäden beim Ungeborenen hervorrufen kann.

Keuchhusten (Pertussis)

Keuchhusten ist eine bakterielle Infektion der oberen Atemwege. Typisch sind krampfartige Hustenanfälle sowie ein keuchendes Geräusch beim anschließenden Einatmen (daher der Name). Übertragen wird Keuchhusten durch Tröpfcheninfektion. Die Behandlung sieht eine Antibiotika-Therapie, Inhalation, viel Flüssigkeitszufuhr und Schonung vor.

Trotzdem kann es Wochen oder sogar Monate dauern, bis Keuchhusten vollkommen ausgeheilt ist. Komplikationen, die auftreten können, sind Mittelohrentzündung, Lungenentzündung sowie Gehirnhautentzündung. Gerade Erwachsene verwechseln Pertussis häufig mit einem besonders hartnäckigen Husten und begeben sich nicht in Behandlung.

Windpocken (Varizellen)

Windpocken – im Volksmund auch Schafblattern genannt – werden durch ein bestimmtes Virus (Varizella-Zoster-Virus) per Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen. Fieber, Abgeschlagenheit und ein typischer Hautausschlag sind die Hauptsymptome. Der stark juckend Ausschlag zeigt sich zunächst in rötlichen Knötchen, die in Wasserbläschen übergehen. Diese platzen schließlich auf und verkrusten.

Bereits zwei Tage vor dem Auftreten der ersten Bläschen sind Erkrankte ansteckend. Erst wenn alle Bläschen vollständig verkrustet sind (nach etwa sieben bis zehn Tagen), ist keine Ansteckungsgefahr mehr gegeben. Der Name Windpocken kommt nicht von ungefähr. Varizellen sind hochansteckend, eine Übertragung erfolgt sogar über die Luft im Umkreis von mehreren Metern!

Komplikationen bei Windpocken können Lungenentzündung, Bronchitis oder Gehirnhautentzündung sein. Auch Infektionen durch das Aufkratzen der stark juckenden Bläschen sind möglich. Infizieren sich Schwangere mit Varizellen, kann das zu Fehlbildungen beim Fötus führen.

Impfmüdigkeit ist ein großes Problem

Dass eine gewisse Impfmüdigkeit vorherrscht, ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass immer mehr Erwachsene an Kinderkrankheiten erkranken. Im Klartext bedeutet das, dass viele Jugendliche und Erwachsene nicht oder nicht ausreichend geimpft sind. So fehlen etwa Auffrischungsimpfungen oder es wurde gar keine (ausreichende) Grundimmunisierung durchgeführt.

Statistisch weniger relevant ist die Zahl jener Personen, die trotz empfohlener Immunisierung einen zu geringen Impfschutz aufweisen. Ihr Immunsystem reagiert nicht stark genug, was dazu führt, dass zu wenige Antikörper gebildet werden.

Kinderkrankheiten: Erwachsene erkranken heftiger

Während Kinder Infektionskrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln, Keuchhusten oder Windpocken seltener mit Komplikationen zu kämpfen haben, trifft es Erwachsene ungleich schwerer. Der Krankheitsverlauf ist bedeutend heftiger und die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen und Folgeerkrankungen erhöht.

Vermutlich liegt der Grund dafür in der unterschiedlichen Ausbildung des Immunsystems. Dadurch, dass Erwachsene in der Regel über ein komplett ausgereiftes Abwehrsystem verfügen, kann der Erkrankung einiges entgegengesetzt werden. Das verursacht im Endeffekt die heftige Symptomatik. Kinder verfügen nicht über ein ausgereiftes Immunsystem – umso schwächer die Symptomatik.

Die Folgen von Kinderkrankheiten können verheerend sein

Erkranken Erwachsene an einer Kinderkrankheit, sind Komplikationen und Folgeerkrankungen statistisch gesehen wahrscheinlicher als bei einem erkrankten Kind. Säuglinge, ältere Menschen, Schwangere oder Personen mit eingeschränktem Immunsystem sind besonders gefährdet. Komplikationen reichen von Mittelohr- oder Lungenentzündungen über Herzmuskelentzündungen als bis hin zu schweren neurologischen Erkrankungen (Gehirnhautentzündung).
Eine Ansteckung mit Röteln, Masern oder Windpocken während der Schwangerschaft kann Fehlgeburten oder Frühgeburten zur Folge haben sowie schwere Schädigungen des Fötus bis hin zum Tod.
Sehr gefürchtet ist auch eine Hodenentzündung als Komplikation von Mumps. Als Langzeitfolge kann diese nämlich Unfruchtbarkeit nach sich ziehen.   

Kinderkrankheiten besiegen: Impfen schützt

Masern, Mumps, Röteln, Windpocken oder Keuchhusten – sie alle sind vermeidbar! Immunisierung lautet hier das Stichwort.

Gegen Masern, Mumps und Röteln existiert ein Kombinationsimpfstoff. Die Gabe erfolgt zweimalig. Erwachsenen Personen, die nachweislich nur eine MMR-Impfung erhalten haben (vor 1970 geboren) oder deren Impfstatus unklar ist, wird empfohlen, die Grundimmunisierung nachzuholen.

Ebenso gibt es eine Immunisierung gegen Varizellen (Windpocken). Empfohlen wird auch hier eine zweimalige Impfung. Personen, die die Windpocken noch nicht durchgemacht haben oder nicht bzw. lediglich einmal geimpft sind, sollten sich entsprechend nachimpfen lassen.

Auch gegen Keuchhusten kann geimpft werden. Die Immunisierung erfolgt als Kombinationsimpfung mit Diphtherie, Tetanus und Polio. Nach der Grundimmunisierung (im Säuglingsalter) erfolgt die erste Auffrischung im Schulalter (7. bis 9. Lebensjahr) und danach alle zehn Jahre. Ab dem 60. Lebensjahr sollte im Abstand von fünf Jahren aufgefrischt werden.    

Kinderkrankheiten sind alles andere als harmlos. Erkranken Erwachsene an Infektionskrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln, Windpocken oder Keuchhusten, kann das schwerwiegende gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Die Bandbreite reicht von Mittelohrentzündungen bis hin zur gefürchteten Gehirnhautentzündung.

Weshalb erwachsene Personen im Gegensatz zu Kindern solch heftige Immunreaktion zeigen? Ihr Abwehrsystem ist bereits voll ausgebildet und setzt den Angreifern einiges entgegen. Was dabei helfen kann, dass es erst gar nicht zur Ansteckung kommt? Impfen! Sind Sie sich bezüglich Ihres Impfstatus unsicher, lassen Sie diesen vom Arzt überprüfen und gegebenenfalls nachimpfen.   

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