Multiresistente Bakterien

Bakterien gelten gemeinhin als Gesundheitsgefährdung, dabei sind Bakterien nicht grundsätzlich gefährlich für uns.

In und auf unserem Körper leben mehrere Billionen von ihnen und arbeiten dort als zuverlässige Schutzmechanismen für unsere Gesundheit. Besonders viele Bakterien leben auf der Haut, im Darm oder auf den Schleimhäuten. Kommt es allerdings zur übermäßigen Vermehrung oder zum Eindringen fremder Bakterien, so können bakterielle Infektionen die Folge sein. 


Bislang ließen sich die meisten bakteriellen Infektionen sehr gut mit Antibiotika behandeln – allerdings kommt es immer häufiger zur Bildung von Resistenzen, sodass bakterielle Infektionen schwer zu behandeln sind. Wie es zu multiresistenten Erregern kommt, warum sie so gefährlich sind und wie Sie einer Infektion vorbeugen, erfahren Sie in unserem Beitrag.


Sind Antibiotika der Grund für die zunehmende Resistenz von Bakterien?

Lange Zeit galten Antibiotika als wirksames Mittel gegen bakterielle Erkrankungen. Allerdings sind Bakterien wahre Überlebenskämpfer und können auch widrigsten Bedingungen trotzen. Für uns werden Bakterien besonders dann gefährlich, wenn sie eine Resistenz (Widerstandsfähigkeit) gegen ein Antibiotikum entwickeln. Ist das der Fall, so spricht man von multiresistenten Erregern – kurz MRE.

Die Entwicklung solcher Resistenzen folgt den natürlichen Mechanismen der Evolution. Das bedeutet also, dass jene Lebewesen überleben, die sich am besten an äußere Bedingungen anpassen können. Das gilt auch für Bakterien. So vermehren sich dann jene Bakterien, die bestimmte Bedingungen, beispielsweise die Gabe von Antibiotika, überleben. Sie können sich auf diese Weise weiter vermehren und ihr widerstandsfähiges Erbgut weitergeben.

Zum einen kann eine Resistenz auf eine zufällige Veränderung im Erbgut des Bakteriums zurückzuführen sein. Zum anderen kann aber auch der vermehrte Einsatz antibiotischer Medikamente bei Mensch und Tier Resistenzen begünstigen.

Grund dafür ist meist die falsche Einnahme der Medikamente, insbesondere eine zu kurze Einnahmedauer. Wird das Medikament zu kurz eingenommen, so können sich jene Bakterien, die aufgrund ihrer besonderen Widerstandsfähigkeit noch nicht abgetötet wurden, weiter vermehren und sind in Zukunft resistenter gegen dieses Medikament.

Während Antibiotika in Deutschland ausschließlich ärztlich verordnet werden, so sind diese Medikamente in anderen Teilen der Welt freiverkäuflich, wodurch eine falsche Einnahme die Resistenzbildung zusätzlich fördert.
In den letzten Jahren haben sich einige Bakterienstämme so entwickelt, dass sie gegen viele der gängigen Antibiotika resistent geworden sind.

Warum sind multiresistente Bakterien so gefährlich?

Multiresistente Bakterien sind für unsere Gesundheit deshalb so gefährlich, weil im Ernstfall keines der bislang gängigen antibiotischen Präparate wirksam ist.

Multiresistente Erreger sind aber nicht gefährlicher oder häufiger als andere, ihre Behandlung gestaltet sich jedoch als deutlich komplizierter. Meist kann nur eine mikrobiologische Laboruntersuchung Aufschluss über mögliche Behandlungen geben.
Im Idealfall können anhand dieser Untersuchung gezielt neuartige Präparate verabreicht werden. Ihre neue Wirkungsweise kann dann die Erreger zuverlässig abtöten.

Allerdings konnte bislang kein allgemein wirksames Präparat entwickelt werden, das alle multiresistenten Erreger abtötet. Aus diesem Grund wird mit Hochdruck daran gearbeitet neue Wirkungsweisen und Therapieansätze bei multiresistenten Erregern zu entwickeln.

Lässt sich kein geeignetes Medikament finden, so können sich multiresistente Keime weiter ausbreiten und über die Blutbahn in andere Organe gelangen. In diesem Fall spricht man von einer Sepsis (Blutvergiftung), die zu Multiorganversagen und schlimmstenfalls zum Tod führen kann.

Wer trägt multiresistente Bakterien?

Häufig sind Menschen Träger von multiresistenten Bakterien ohne es überhaupt zu wissen. Der Grund: nicht immer treten unmittelbar Symptome auf, dennoch ist eine Übertragung an Andere durchaus möglich.
Für gesunde Menschen ist der Kontakt zu multiresistenten Erregern normalerweise völlig ungefährlich. Für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, beispielsweise aufgrund von Erkrankungen, Verletzungen oder auch aufgrund hohen Alters können diese Erreger jedoch durchaus Infektionen auslösen. Besonders häufig sind davon Haut und Lungen betroffen.
Aus diesem Grund werden vor allem in Krankenhäusern und Pflegeheimen, also dort wo sich überwiegend immungeschwächte Menschen befinden,  regelmäßige Kontrollen durchgeführt. Auf diese Weise kann MRE-Infektionen vorgebeugt werden.

Folgende Faktoren erhöhen das Risiko für MRE-Infektionen:

  • Klinik- oder Pflegeheimaufenthalt (innerhalb der vergangenen 6 Monate)
  • dauerhafte Pflegebetreuung
  • offene und schlecht heilende Wunden (Unfall, Operation etc.)
  • dauerhafter Katheter oder ähnliches
  • immunschwächende Erkrankungen (z.B. Diabetes, Hepatitis, HIV etc.)
  • Einnahme von Immunsuppressiva

Wie häufig sind multiresistente Erreger (MRE)?

In den letzten Jahren hat die Entwicklung und die Verbreitung multiresistenter Bakterien zugenommen. Das Auftreten von Antibiotikaresistenzen wird deshalb seit mehreren Jahren genauestens erfasst und dokumentiert.

Aus diesem Grund ist heute bekannt welche Erreger am häufigsten multiresistent sind und welche Antibiotika aus diesem Grund keine Wirkung versprechen. Anhand dieses Wissens ist es möglich gezielt Präventionsmaßnahmen zu ergreifen und neue Therapieansätze für diese Erreger zu entwickeln.
Während einige multiresistente Erreger, wie beispielsweise der weit verbreitete Staphylococcus aureus (MRSA) besonders bekannt ist, so gibt es auch eine Reihe weiterer multiresistenter Erreger.
Am ehesten kommt es in Krankenhäusern oder Pflegeheimen zur Entwicklung von multiresistenten Bakterienstämmen. Die Gefahr ist dort besonders hoch, da die Menschen dort Risikofaktoren aufweisen. In Deutschland kommt es jährlich zu etwa 30 000 Infektionen mit multiresistenten Erregern.

Wie werden MRE-Infektionen behandelt?

Konnten multiresistente Bakterien nachgewiesen werden, so ist im Anschluss eine medikamentöse Therapie unverzichtbar. Dabei ist es wichtig das Medikament genau an die individuellen Erreger abzustimmen.

Mit Hilfe einer mikrobiologischen Laboruntersuchung kann der genaue Erregertyp bestimmt und ein Antibiogramm erstellt werden. Damit kann getestet werden auf welche Antibiotika der Bakterienstamm bereits Resistenzen gebildet hat und welche Medikamente (noch) wirksam sind.
In der Regel werden Antibiotika verabreicht, die über neuartige Wirkungsweisen verfügen. Sie können die Resistenzmechanismen der Krankheitserreger umgehen.

In vielen Fällen besteht die Therapie aus einer Kombination verschiedener antibiotischer Wirkstoffe. Die Dauer der Therapie richtet sich nach dem individuellen Erreger und dauert meist 1 bis 2 Wochen, bei schwer kranken Patienten auch länger. In vielen Fällen wird die Therapie ambulant mit Tabletten durchgeführt.

Was kann man gegen multiresistente Erreger tun?

Die beste Möglichkeit sich vor Krankheitserregern zu schützen, ist ihre Verbreitung zu unterbinden. Das A und O zum Schutz vor Infektionen ist an erster Stelle die richtige Hygiene und der richtige Umgang mit (multiresistenten) Bakterien. Schon einige einfache Hygienemaßnahmen im Alltag können dem Infektionsrisiko vorbeugen.

Regelmäßiges und gründliches Händewaschen

Durch regelmäßiges und vor allem gründliches Händewaschen können Krankheitserreger bereits frühzeitig weggespült und Infektionen vermieden werden.
Dafür sollten die Hände, inklusive Handrücken, Fingerspitzen und Fingerzwischenräume sorgfältig eingeseift werden. Auch unter den Fingernägeln können sich Krankheitserreger festsetzen. Sorgfältiges Händewaschen sollte etwa 20 bis 30 Sekunden in Anspruch nehmen.

Um Infektionen zu vermeiden, ist es am besten sich nach dem Nachhausekommen, nach dem Toilettengang, nach dem Naseputzen, Husten oder Niesen und vor dem Kochen und Essen oder der Anwendung von Medikamenten oder Pflegeprodukten die Hände zu waschen.

Hygiene zuhause

Vor allem Handtücher, Geschirrtücher, Bettwäsche und ähnliche Heimtextilien sollten regelmäßig bei hohen Temperaturen gewaschen werden. Die meisten Erreger werden bei Temperaturen ab 60°C abgetötet. Sind Textilien nicht bei hohen Temperaturen waschbar, kann auch ein geeigneter Hygienespüler Abhilfe schaffen.

Kontakt zu MRE-Trägern

Sind Sie vollkommen gesund, so ist ein normaler Umgang zu MRE-Trägern unbedenklich, denn eine Ansteckung ist sehr unwahrscheinlich. Gründliches Händewaschen verhindert allerdings die Verbreitung und mögliche Ansteckung anderer (gefährdeter) Personengruppen.
Bei offenen Wunden, nach Operationen oder bei einem geschwächten Immunsystem sollten Sie den Kontakt zu MRE-Trägern allerdings vermeiden.

Antibiotika richtig einnehmen

Leiden Sie unter einer bakteriellen Infektion, so wenden Sie die verordneten Antibiotika unbedingt genau wie verordnet an. Auch wenn bereits eine deutliche Besserung spürbar ist, muss das Medikament unbedingt bis zum Ende eingenommen werden. So können Resistenzen sowie ein Krankheitsrückfall vermieden werden.

Menü