Sperma-Allergie und Kinderwunsch

Eine Sperma-Allergie ist keinesfalls ein Mythos, sondern betrifft Frauen auf der ganzen Welt. Selbst Männer können im Sinne einer Autoimmunreaktion mit unangenehmen Beschwerden auf ihr Sperma reagieren. Mittlerweile ist es wissenschaftlich bewiesen, dass das prostataspezifische Antigen – ein Eiweiß, das in der Prostata produziert wird – die Symptome einer Sperma-Allergie hervorruft. Diese reichen von Reaktionen der Haut über Beschwerden im Magen-Darm-Trakt bis hin zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen des Herz-Kreislauf-Systems.

Ist die Spermien-Allergie erst einmal diagnostiziert, lassen sich Beschwerden gut in den Griff bekommen. Neben dem konsequenten Gebrauch von Kondomen, stehen auch andere Methoden zur Verfügung. Diese geraten spätestens dann in den Fokus, wenn es um Familienplanung und akuten Kinderwunsch geht.

Was ist eine Sperma-Allergie?

Bei einer Sperma-Allergie handelt es sich um eine Allergie gegen Samenflüssigkeit, genauer gesagt gegen ein bestimmtes Protein, das darin vorhanden ist. Es sind also nicht die Spermien selbst der Auslöser, sondern dieser befindet sich im umgebenden Sekret (Seminalplasma). Lange Zeit war das exakte Allergen unbekannt, doch mittlerweile konnte es identifiziert werden: Es handelt sich dabei um das prostataspezifische Antigen (PSA). Nachdem dieses Eiweiß in der Prostata jedes Mannes produziert wird, ist die Allergie gegen Sperma keine partnerspezifische Allergie. Die allergische Reaktion tritt also bei Kontakt mit Sperma generell auf.

Bei einer Sperma-Allergie nimmt das Immunsystem PSA fälschlicherweise als feindlich an und reagiert dementsprechend. In weiterer Folge kommt es zu den typischen allergischen Reaktionen der Haut beziehungsweise des Magen-Darm-Traktes. Bei schwerwiegenden Reaktionen kann auch das gesamte Herz-Kreislauf-System betroffen sein. Es wird also deutlich, dass es bei Kontakt mit dem Allergen – wie bei jeder anderen Allergie auch – zu einer potentiell lebensbedrohlichen Situation kommen kann.

Allergie gegen Spermien ist kein Mythos

Nur allzu häufig wird die Allergie gegen Spermien belächelt, obwohl bereits in den 1950er-Jahren erste Fälle beschrieben wurden. Nachdem es sich um eine seltene Allergie handelt, haftet ihr ein gewisser Mythos an. Die Dunkelziffer Betroffener dürfte zudem recht hoch sein. Das macht deutlich, wie wichtig es ist, über die Sperma-Allergie zu informieren und aufzuklären. So manche Allergikerin ist sich über den Grund ihrer Beschwerden vielleicht gar nicht bewusst. Zudem ist das Thema durchaus schambehaftet und wird tabuisiert beziehungsweise vorschnell ins Lächerliche gezogen.

Wie äußert sich eine Sperma-Allergie?

Nach Kontakt mit dem Allergen – also der Samenflüssigkeit – zeigen sich typische Anzeichen einer Allergie, die in ihrer Ausprägung variieren können. So kommt es in leichten Fällen zu Reaktionen der Haut. Juckreiz und Brennen machen sich bemerkbar, Rötungen, Schwellungen und Quaddelbildung können ebenso auftreten wie ein deutlicher Ausschlag. Oftmals zeigen sich Hautreaktionen zunächst örtlich, können sich nach einer Zeit aber durchaus über den gesamten Körper ausbreiten. Bei stärker ausgeprägter Allergie kann es zudem auch zu Bauchkrämpfen, Übelkeit, Durchfall oder Erbrechen kommen. Im ungünstigsten Fall sind die Atemwege sowie das gesamte Herz-Kreislauf-System betroffen. Es kommt zu einem Zuschwellen der Atemwege, Schwindel, Kreislaufproblemen, vermehrtem Herzklopfen und Blutdruckabfall bis hin zur Ohnmacht. Schlimmstenfalls droht ein anaphylaktischer Schock mit Herz-Kreislauf-Stillstand.

Treten bei einer Sperma-Allergie lediglich örtliche Hautreaktionen auf, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie unerkannt bleibt, erhöht. Solche Symptome nach dem Geschlechtsverkehr werden nämlich oftmals nicht mit einer Allergie in Verbindung gebracht, sondern eher mit Infektionen im Vaginalbereich.

Sperma-Allergie: Symptome im Überblick

Reaktionen – Haut (örtlich oder am gesamten Körper): Jucken, Brennen, Rötungen, Schwellungen, Quaddelbildung sowie Ausschläge

Reaktionen – Magen-Darm-Trakt: Bauchkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall,…

Reaktionen – Atemwege: Husten, Zuschwellen der Atemwege, Atemnot,…

Reaktionen – Herz-Kreislauf-System: Schwindel, Kreislaufprobleme, vermehrtes Herzklopfen, Blutdruckabfall, Ohnmacht, Herz-Kreislauf-Stillstand/anaphylaktischer Schock

Allergie gegen Sperma: Sind nur Frauen betroffen?

Hört man von einer Allergie gegen Sperma, stellt sich unweigerlich die Frage, ob denn auch Männer selbst betroffen sein können. Eine Allergie im klassischen Sinne – mit entsprechend ausgeprägter Symptomatik – ist bei Männern nicht beschrieben. Sehr wohl ist wissenschaftlich aber eine männliche Reaktion gegen das eigene Sperma im Sinne einer Autoimmunreaktion beschrieben – das sogenannte Postorgasmic Illness Syndrom (POIS). Dabei treten kurz nach dem Samenerguss grippeähnliche Beschwerden in unterschiedlicher Intensität auf. Symptome wie Kopfschmerzen, Fieber oder Schüttelfrost können über mehrere Tage bestehen bleiben. Das Phänomen ist noch wenig erforscht. Es kommt auch weit seltener vor als die Sperma-Allergie bei Frauen. Was allerdings auffällig ist: Bei betroffenen Männern kommt es zu einer positiven Reaktion beim Allergietest mit Sperma, die bestehende Symptomatik entspricht jener einer klassischen Allergie jedoch nicht.

Sperma-Allergie: Risikofaktoren und Häufigkeit

Bei der Allergie gegen Sperma handelt es sich um ein eher seltenes Phänomen, das wenig im wissenschaftlichen Fokus steht. Weltweit sind aktuell etwa 100 Fälle beschrieben, die Tendenz ist aber steigend. Studien aus den USA gehen von etwa 20.000-40.000 Betroffenen aus. Man sieht also, dass die Dunkelziffer als recht hoch angenommen werden kann. Das liegt einerseits daran, dass das Thema schambehaftet ist, Symptome andererseits aber auch sehr leicht fehlinterpretiert werden können. So gehen Betroffene vermutlich nicht selten von einer Vaginalinfektion oder einem Scheidenpilz aus, beziehungsweise haben sie andere Allergien (Nahrungsmittelallergie etc.) im Verdacht.

Ein Risikofaktor für die Sperma-Allergie dürfte die generelle Neigung zu Allergien sein. So leidet rund die Hälfte aller Betroffenen an anderen Allergien, beispielsweise gegen Blütenpollen oder Nahrungsmittel. Auch Neurodermitis kommt bei Frauen, die gegen Sperma allergisch sind, des Öfteren vor.

Sperma-Allergie: Wann zum Arzt?

Grundsätzlich gilt: Bei unangenehmen Symptomen ist ein zeitnaher Arztbesuch generell angezeigt, ganz unabhängig davon, welche Ursachen dahinter stecken können. Schließlich geht es darum, Beschwerden rasch zu lindern, eine passende Therapie einzuleiten sowie andere Erkrankungen oder Allergien auszuschließen.

Stellt man also entsprechende Anzeichen an sich fest, sollte man nicht zögern, seinen Hausarzt oder Gynäkologen darauf anzusprechen. Dieser überweist gegebenenfalls zum Facharzt für Allergologie. Wird eine Allergie gegen Sperma diagnostiziert, ist es wichtig, mögliche Behandlungsmethoden abzuklären und betroffene Frauen mit einem Notfallset für Allergien auszustatten.

Wie wird die Sperma-Allergie diagnostiziert?

Eine Sperma-Allergie diagnostiziert der Facharzt ganz klassisch mit Hilfe eines Allergietests. Wenn Anamnese und Symptomatik auf eine Allergie schließen lassen, wird ein solcher veranlasst. Dabei konfrontiert man den Patienten mit dem Allergen (Sperma oder auch isoliertes PSA) und bestätigt die Allergie anhand der Reaktion oder aber schließt sie aus. Im Normalfall geschieht dies mittels Haut-Pricktest beziehungsweise eines Bluttests.

Kinderwunsch und Sperma-Allergie

Allergikerinnen können sich mit Kondomen vor dem allergieauslösenden Protein in der Samenflüssigkeit schützen. Schwieriger wird es bei bestehendem Kinderwunsch. Doch auch hier gibt es – abhängig von der Ausprägung der Sperma-Allergie und individuellen Wünschen – verschiedene Möglichkeiten. Diese reichen von Medikation über Hyposensibilisierung bis hin zu künstlicher Befruchtung. Eine Sperma-Allergie schränkt die Fruchtbarkeit selbst übrigens in keinster Weise ein.

Kann eine Allergie gegen Sperma behandelt werden?

Oftmals reicht es betroffenen Frauen aus, sich mit Kondomen zu schützen. Dies garantiert relative Beschwerdefreiheit, da es zu keinem direkten Kontakt mit der Samenflüssigkeit kommt. Schließen Betroffene die Verwendung von Kondomen aber aus – etwa weil es sich auf die Intimität mit dem Partner auswirkt, oder ein Kinderwunsch vorhanden ist – rücken andere Methoden in den Fokus. Die Behandlung einer Sperma-Allergie ist nämlich prinzipiell gut möglich.

So können vor dem Geschlechtsverkehr Antihistaminika eingenommen werden. Diese Medikamente nehmen Einfluss auf das Immunsystem und halten die unangenehme Symptomatik gering. Auch eine Hyposensibilisierung – also das schrittweise Gewöhnen des Immunsystems an das Allergen – ist möglich. Eine weitere Option ist die künstliche Befruchtung mit gewaschenen Spermien.

Familienplanung bei Sperma-Allergie: Welche Möglichkeiten gibt es?

Je nach Ausprägung der Allergie sowie persönlicher Wünsche stehen unterschiedliche Methoden zur Verfügung, die nachfolgend dargelegt werden.

Antihistaminika bei Sperma-Allergie und Kinderwunsch

Antihistaminika sind oftmals Mittel der Wahl, wenn es um die Behandlung von Allergien geht. Eine Sperma-Allergie stellt hier keine Ausnahme dar. So wirkt das Antihistaminikum effektiv, indem es entsprechende Rezeptoren blockiert. Symptome der Allergie verschwinden dabei zwar nicht immer zur Gänze, können aber in der Regel zumindest auf ein erträgliches Maß reduziert werden.

Der Einsatz von Antihistaminika bei einer Sperma-Allergie und aktivem Kinderwunsch ist dann eine gute Option, wenn die Allergie nicht allzu stark ausgeprägt ist. Das allergieunterdrückende Medikament wird vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen, sodass dieser ohne Kondom stattfinden kann. Diese Methode ist für leichte Allergieverläufe gut geeignet. Bei schweren Allergien muss man auf alternative Möglichkeiten ausweichen. Wichtig ist es in jedem Fall, die Einnahme von Antihistaminika vorab ärztlich abzuklären.

Allergie gegen Spermien: auch Hyposensibilisierung möglich

Grundsätzlich ist – wie bei anderen Allergien auch – eine Hyposensibilisierung bei einer Allergie gegen Sperma möglich. Bei einer solchen spezifischen Immuntherapie wird der Körper schrittweise an das Allergen – also Seminalplasma beziehungsweise PSA – gewöhnt, damit er eine Toleranz entwickelt. Meist wird das Allergen unter die Haut injiziert. Aktuell wird dem Einzelfall entsprechend agiert. Eine Routinebehandlung mit reinem PSA gibt es noch nicht, daran wird gearbeitet. In vielen Fällen ist nach einer Hyposensibilisierung – so sie durchgeführt wird – ein entsprechend beschwerdefreies Sexualleben möglich. Man muss bei dieser Methode allerdings den Zeitfaktor bedenken. Eine Hyposensibilisierung kann durchaus einige Jahre dauern, bis sie wirklich effektiv wirkt.

Familienplanung bei Sperma-Allergie: künstliche Befruchtung mit gewaschenem Sperma

Wird eine Hyposensibilisierung nicht durchgeführt oder schlägt sie nicht an, ist bei schwerwiegender Sperma-Allergie ein Kinderwunsch mit Hilfe von künstlicher Befruchtung möglich. Hierzu wird das Sperma gewaschen (die Spermien werden also vom allergenen Seminalplasma getrennt) und anschließend in die Gebärmutter eingebracht. Bei gesunden Frauen ist diese Methode sehr effektiv. Bedacht werden muss, dass die Kosten nicht von der Krankenkasse übernommen werden.

Kann sich eine Sperma-Allergie auch wieder von selbst legen?

Grundsätzlich ist es bei einer Sperma-Allergie möglich, dass sich die Symptomatik im Laufe der Zeit von selbst legt. Fachleute raten aber davon ab, sich darauf zu verlassen. Betroffene Frauen sollten eher langfristige Methoden – wie etwa eine Hyposensibilisierung – in Betracht ziehen.

Was bei bestehender Sperma-Allergie keinesfalls zu vernachlässigen ist, ist die richtige Akuttherapie. Allergikerinnen sollten unbedingt mit einem Notfall-Set (Antihistaminikum, Kortisonpräparat sowie Adrenalin-Autoinjektor) ausgestattet sein und sich im Zweifelsfall nicht davor scheuen, einen Notruf abzusetzen.

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