Vaginale Geburt oder Kaiserschnitt? Die Suche nach dem Königsweg

Hautveränderung in der Schwangerschaft

Ein neuer Mensch erblickt das Licht der Welt – ein bewegender Moment! Zwei Wege führen zu diesem Ziel: die vaginale Geburt und der Kaiserschnitt. Diese beiden Wege sind häufig Thema kontroverser Diskussionen. Auf die Spitze getrieben geht es dabei um „archaisches, schmerzhaftes Gebären“ versus „kühl-effiziente Geburt via Skalpell“. Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte.
Doch angehende Mütter sind verunsichert: Wenn die vaginale Geburt „natürlich“ ist, ist dann ein Kaiserschnitt eine „künstliche Geburt“? Geht der Kaiserschnitt mit höheren Risiken einher? Und vor allem: Was ist für mein Kind und mich der beste Weg? Auf diese wichtigste aller Fragen gibt es keine Standardantworten. Doch Informationen, auf deren Basis jede Frau im Gespräch mit dem Gynäkologen ihres Vertrauens die individuell beste Entscheidung treffen kann.

Von der Notlösung zur gleichwertigen Alternative

Ein Kaiserschnitt (lat. „Sectio“) bezeichnet das chirurgische Entbinden von Föten via Schnitt durch Bauchdecke und Gebärmutter unter Regionalanästhesie – der Körper ist vom Kopf abwärts betäubt – oder Narkose. Die Bezeichnung „Kaiserschnitt“ geht dabei zurück auf „sectio caesarea“, den „kaiserlichen Schnitt“. Verbindungen zu Caesar, der via Kaiserschnitt das Licht der Welt erblickt haben soll, gehören allerdings ins Reich der Mythen. Denn Caesars Mutter Aurelia lebte noch Jahrzehnte nach der Geburt ihres Sohnes. Ein Kaiserschnitt in der Antike bedeutete den Tod der Mutter. Der erste Bericht über eine Frau, die einen solchen Eingriff überlebt hat, stammt aus dem Jahre 1500.

Heute zählt ein Kaiserschnitt zu den Routine-Operationen. Er kann als primärer Kaiserschnitt geplant oder als sekundärer Kaiserschnitt nach Beginn der Geburt stattfinden (Notkaiserschnitt). Verstarb zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch rund ein Fünftel aller Säuglinge bei der Geburt, reduzierte sich diese Zahl nach Einführung des standardisierten Kaiserschnitts drastisch. Heute ermöglicht die Operation Frauen, für die die vaginale Geburt mit Risiken behaftet ist, eine sicherere Alternative.

Vorurteile rund um den Kaiserschnitt

Ein geplanter Kaiserschnitt sei etwas für werdende Mütter, die „es sich einfach machen wollen“ oder die Geburt effizient planen möchten. Diese und zahlreiche weitere Vorurteile ranken sich um die Sectio – zu Unrecht. Denn reine „Wunschkaiserschnitte“ kommen praktisch nicht vor. Auch die Kritik, dass ein Kaiserschnitt ein größerer finanzieller Anreiz für Kliniken sei, entspricht nicht den Tatsachen. Zwar ist der Aufenthalt im Krankenhaus länger und die Behandlung im OP teurer.
Doch eine vaginale Geburt erfordert einen höheren Pflege- und Personalaufwand. Richtig ist, dass bei geplanten Kaiserschnitt-Geburten die Organisation einfacher ist. Dies ist für die Klinik ein angenehmer Nebeneffekt, wenn ein Kaiserschnitt aus medizinischer Sicht der sinnvollere Weg ist. Als „operativer Eingriff“ erscheint vielen ein Kaiserschnitt risikobehaftet. Doch immer mehr Ärzte fordern, nicht nur über Kaiserschnitt-Risiken, sondern auch über die möglichen negativen Folgen einer vaginalen Geburt aufzuklären.

Die Entscheidung für den Kaiserschnitt

In Deutschland kommt zirka jedes dritte Kind mithilfe eines Kaiserschnitts auf die Welt. Die Entscheidung wird nicht „nach Lust und Laune“, sondern aufgrund einer medizinischen Indikation getroffen. Sie beruht auf der individuellen Risikoeinschätzung für die jeweilige Frau. So können die ungünstige Lage des Kindes, ein großer Kopfumfang, Mehrlingsschwangerschaften oder ein hohes Geburtsgewicht Argumente sein, die für einen Kaiserschnitt sprechen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass eine Sectio bei 10 bis 15 Prozent aller Geburten medizinisch zwingend notwendig ist. Entbinden in Deutschland also zu viele Frauen per Kaiserschnitt? Nein – denn oft sind die Übergänge fließend und der Kaiserschnitt die Variante, die mit weniger Risiken einhergeht.

Kaiserschnitt auf Wunsch?

Wussten Sie, dass nur fünf Prozent der Kinder am vorher errechneten Geburtstermin auf die Welt kommen? Ein geplanter Kaiserschnitt ermöglicht, den Geburtstag quasi im Terminkalender einzutragen. In der Praxis spielt dies für die meisten werdenden Mütter allerdings keine Rolle. Häufiger bitten sie proaktiv um einen Kaiserschnitt, weil sie die Risiken einer vaginalen Geburt kennen oder bereits selbst Komplikationen erlebt haben. Sie fürchten dabei nicht so sehr die Wehen oder die Schmerzen bei der Geburt. Sondern vor allem die dadurch möglicherweise entstehenden Schäden rund um den Beckenboden, die die Lebensqualität noch Jahrzehnte später beeinträchtigen können. Auch für das Kind ist eine vaginale Geburt in einigen Fällen nicht ungefährlich. Darum ist es sinnvoll, mit dem Arzt genau zu besprechen, welche Punkte für und gegen eine vaginale Geburt sprechen. Die Krankenkassen zahlen einen Kaiserschnitt übrigens nur, wenn es hierfür medizinische Gründe gibt.

Kaiserschnitt-Risiken für die Mutter

Der moderne Kaiserschnitt ist ein Routineeingriff. Dass die Wahrscheinlichkeit, bei einem Kaiserschnitt zu versterben (1:25.000), doppelt so hoch ist wie bei einer vaginalen Geburt, liegt vor allem an den Notkaiserschnitten. Diese finden statt, wenn es während der vaginalen Geburt zu Komplikationen gekommen ist.

Natürlich geht eine Sectio wie jede Operation mit Risiken einher. Es kann zu erhöhten Blutverlusten oder zur Verletzung von Nachbarorganen wie Blase und Darm kommen. Hierzu gehören außerdem Wundheilungsstörungen und mögliche Narbenbildung. Da die Kaiserschnittnarbe mehrere Gewebeschichten durchdringt, erfordert die Heilphase häufig mehr Zeit als Wunden nach einer vaginalen Geburt. Die frischgebackenen Mütter bleiben rund eine Woche im Krankenhaus. Regelmäßiges Aufstehen ist dennoch wichtig, um dem erhöhten Thrombose- und Embolie-Risiko entgegenzuwirken. Dieses ist nach einer Sectio besonders hoch, da die Schwangerschaft die Blutgerinnung beeinflusst.

Nach einem Kaiserschnitt erfolgt der Milcheinschuss in der Regel später als nach vaginalen Geburten. Allerdings können Frauen, die vaginal entbinden, zu Beginn ebenfalls Schwierigkeiten mit dem Stillen haben. Oft leiden Frauen unter den psychischen Folgen eines „weniger angesehenen Kaiserschnitts“: Sie sind unglücklich darüber, die Geburt nicht „natürlich“ und „ohne Hilfe“ erlebt zu haben. Dadurch kann es zu Bindungsproblemen an das Kind kommen.

Übrigens: Findet die erste Geburt via Kaiserschnitt statt, können weitere Geburten dennoch vaginal erfolgen. Früher herrschte nach einer Sectio ein erhöhtes Risiko für einen Gebärmutterriss bei späteren vaginalen Geburten. Durch die moderne Schnittführung ist dieses Risiko kaum noch signifikant. Alles in allem wird die Entscheidung für einen Kaiserschnitt keineswegs leichtfertig und aus Bequemlichkeit getroffen. Wie bei einer vaginalen Geburt gilt es auch hier Risiken abzuwägen und im individuellen Fall eine Entscheidung zu treffen.

Kaiserschnitt-Risiken für das Kind

Insgesamt sind die Komplikationsraten bei einem Kaiserschnitt im Vergleich zu einer vaginalen Geburt niedriger. Nach einem Kaiserschnitt können Säuglinge allerdings häufiger unter Atemproblemen leiden. Dies liegt an dem in den Lungen verbliebenen Fruchtwasser, das bei einer vaginalen Geburt beim Passieren durch den Geburtskanal herausgedrückt wird. Atemkomplikationen ergeben sich aber vor allem aus Eingriffen, die vor dem geplanten Geburtstermin liegen. Studien legen nahe, dass Kaiserschnittkinder bis zum Alter von zwölf Jahren eine höhere Tendenz zu Asthma sowie zu Übergewicht im Kleinkindalter haben. Die Neigung zu Übergewicht kann ein gezielter Kontakt mit den Bakterien der Mutter (Mikroflora), denen Säuglinge im Geburtskanal ausgesetzt sind, deutlich senken.

Vaginale Geburt – Risiken für die Mutter

Eine vaginale Geburt dehnt die Scheide und die Beckenbodenmuskulatur massiv. Nur rund ein Drittel aller Frauen entbindet ihr Kind ohne folgende Komplikationen. Leichte Geburtsverletzungen können nach wenigen Wochen folgenlos verheilen. In einigen Fällen zeigen sich die Beschwerden allerdings noch Jahre oder Jahrzehnte später: Hierzu gehören Harn- oder Stuhlinkontinenz. Diese resultieren aus Schäden am Beckenboden. Gezielte Rückbildungsgymnastik ist eine empfehlenswerte Therapiemöglichkeit, die allerdings bei vielen Frauen nicht zum gewünschten Erfolg führt.

Manche Frauen verspüren nach einer Senkung des Beckenbodens zusätzlich große Schmerzen. Sie können ihr Kind kaum hochheben und sind im Alltag eingeschränkt. Eine vaginale Geburt ist der Hauptrisikofaktor für eine Beckenbodensenkung. Diese kann eine Blasen- und Gebärmuttersenkung nach sich ziehen. Von schwerwiegenden Folgen rund um den Beckenboden sind vor allem Frauen ab 35, Sportlerinnen mit einem überdurchschnittlich straffen Beckenboden sowie Gebärende von Kindern mit großem Kopfumfang betroffen. Mit rund 90.000 Operationen pro Jahr gehören Beckenboden- und Scheidenplastiken nach Senkungen zu den häufigsten gynäkologischen Eingriffen in Deutschland. Die Geburtsposition und Presstechnik haben dabei auch Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit von schweren Beckenbodenschäden.

Während einer Geburt kann es zu Verletzungen im Dammbereich sowie in der Scheide kommen, die anschließend genäht werden müssen. Mit ihnen geht das Risiko für Wundheilungsstörungen einher. Kommen Hilfsmittel wie Geburtszange oder Saugglocke zum Einsatz, können auch Schamlippen und Klitoris verletzt werden.

Eine Frage, die viele Frauen nicht zu stellen wagen, lautet: Wird die Vagina durch eine Geburt dauerhaft geweitet und schadet dies dem Intimleben nach der Geburt? Für viele Paare ist Sex in den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt eine neue Erfahrung. Frauen haben aufgrund eines Plus des Hormons Gestagen weniger Lust. Manche Männer knabbern an den Erlebnissen im Kreißsaal. Doch treten körperliche Probleme nach einigen Wochen auf, sind diese meist einer Beckenbodenschwäche geschuldet.

Weitere Informationen zur Beckenbodenschwäche

Vaginale Geburt – Risiken für das Kind

Kommt es bei vaginalen Geburten zu Komplikationen, ist ein Notkaiserschnitt möglich. Dieser ist bei rund 15 Prozent der vaginalen Geburten notwendig. Die Risiken steigen bei ungünstiger Lage, großen Kindern und Mehrlingen. Eine vaginale Geburt bringt beispielsweise ein erhöhtes Risiko für einen Sauerstoffmangel des Säuglings mit sich. Und auch nach einer vaginalen Geburt können Atembeschwerden beim Neugeborenen auftreten.
Auch wenn Saugglocke und Geburtszange heutzutage weniger zum Einsatz kommen, sind sie in manchen Situationen, beispielsweise bei sinkenden Sauerstoffwerten oder schwächer werdenden Herztönen des Kindes, dennoch notwendig. Neben Verletzungen bei der Mutter sind diese Instrumente auch für den Nachwuchs nicht ungefährlich – bei einer Saugglockengeburt oder dem Einsatz der Geburtszange kann es zu Hämatomen am Kopf des Kindes sowie zu Nervenschädigungen kommen.

Gut beraten zur individuellen Entscheidung

„Natürlich entbinden“ – viele Schwangere wünschen sich dies, um die Geburt „unverfälscht“ und „ursprünglich“ zu erleben. Doch die vaginale Geburt ist nicht für jede Gebärende die beste Lösung. Jede Frau kann im Gespräch mit ihrem Gynäkologen eine individuelle Antwort auf die Frage finden, welche Art der Geburt für sie und ihr Kind am besten ist. Häufig handelt es sich nicht um glasklare Empfehlungen, sondern um ein sorgfältiges Abwägen des Für und Wider. Wichtig ist neben Fakten das eigene Bauchgefühl. Nicht in die Entscheidung fließen hingegen sollten gesellschaftlicher Druck oder gutgemeinte Ratschläge von Dritten. Am Ende zählt weniger der Weg als das Ergebnis: ein gesundes Kind und eine gesunde, glückliche Mutter.
Bei geburtsbedingten Beckenbodenschwäche und oder Harninkontinenz bietet die moderne Medizin heute effektive Behandlungsmöglichkeiten. So kann beispielsweise eine vaginale Lasertherapie mit dem Femilift den Beckenboden stärken, Inkontinenz beseitigen und gleichzeitig das körperliche Befinden sowie das sexuelle Lustempfinden wiederherstellen.

Weitere Informationen zur vaginalen Lasertherapie bei Beckenbodenschwäche und Harninkontinenz

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