Warum immer mehr Menschen unter Allergien leiden

MedSpecialists Medizin HeuschnupfenImmer mehr Menschen leiden an allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen, Asthma oder Lebensmittelallergien. Die massive Zunahme von Allergikern in den letzten Jahrzehnten zeigt deutlich auf, dass sich Allergien nicht alleine auf genetische Gründe zurückführen lassen. Externe Faktoren wie Klimawandel, Umweltverschmutzung oder Ernährung sind darüber hinaus ausschlaggebend. Gerade im Hinblick auf Ursachenforschung sowie Vorbeugung von Allergien gerät darüber hinaus auch die Rolle des menschlichen Mikrobioms in den Fokus.

Was ist eine Allergie?

Bei einer Allergie handelt es sich um eine überschießende Immunreaktion. Eigentlich vollkommen harmlose Substanzen wie Pollen, Tierhaare oder Nahrungsmittel stuft der Körper als Feind ein, den es zu bekämpfen gilt. Als Reaktion kommt es zur Bildung übermäßig vieler Antikörper – in weiterer Folge werden spezifische Botenstoffe wie etwa Histamin ausgeschüttet. Aufgrund der im Übermaß gebildeten Antikörper lösen fortan schon kleinste Mengen des Allergens heftige allergische Reaktionen aus.

Eine Allergie zeigt sich anhand verschiedener unangenehmer Symptome. Solche sind vor allem tränende, juckende Augen, vermehrtes Niesen sowie Niesreiz, Fließschnupfen, geschwollene Schleimhäute, Atemnot, Husten, Asthmaanfälle, juckende Haut, Hautausschläge sowie unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Abgeschlagenheit.

Auf die leichte Schulter sollte man eine Allergie keinesfalls nehmen. Immerhin handelt sich um eine chronisch verlaufende Erkrankung, die unbehandelt durchaus schwere Folgen nach sich ziehen kann.

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Allergien: Daten und Fakten

Statistisch betrachtet erkranken deutschlandweit aktuell etwa 20 Prozent aller Kinder sowie 30 Prozent aller Erwachsenen im Laufe ihres Lebens an zumindest einer Allergie. Während im Kindesalter etwas mehr Jungen betroffen sind, sind es im Erwachsenenalter vermehrt Frauen, die unter allergischen Symptomen leiden. Exakte Gründe, die zur Entwicklung von Allergien führen, sind bisher nicht zur Gänze geklärt. Eine ursächliche Therapie gegen Allergien gibt es momentan leider nicht.
Vor allem in den Industrienationen hat die Häufigkeit von Allergien in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Betroffene leiden vor allem unter allergischen und atopischen Erkrankungen wie Heuschnupfen, Asthma bronchiale, Neurodermitis sowie Lebensmittelallergien. Doch auch Kontaktekzeme, Nesselsucht oder Insektengiftallergien sind auf dem Vormarsch.

Im europaweiten Vergleich kann man gut beobachten, dass sich entsprechende Statistiken annähern. Selbst in Gebieten, die lange Zeit als allergiearm galten, ist die Häufigkeit von Allergien deutlich angestiegen. Nennenswerte Unterschiede zwischen den Ländern gibt es mittlerweile lediglich im Hinblick auf Allergene. So lösen je nach Region durchaus unterschiedliche Pflanzen oder Lebensmittel Allergien aus.

Allergien kennen kein Alter. Vom Baby bis zum Greis kann jeder betroffen sein. In Zeiten hormoneller Veränderung (Pubertät, Schwangerschaft/Stillzeit, Wechseljahre) treten allergische Erkrankungen mitunter stärker in Erscheinung. Manchmal verbessert sich die Symptomatik durch Hormonumstellungen aber auch. Eine auffällige Zunahme von Allergien ist in der Altersgruppe der über 60-jährigen zu beobachten. Hier dürften neben der Tatsache, dass die ältere Generation heutzutage über ein recht aktives Immunsystem verfügt, Veränderungen in Bezug auf die Hautbarriere sowie allergiebegünstigende Medikation eine Rolle spielen.

Vor allem die Tatsache, dass die Häufigkeit von Allergien (Prävalenz) so rasant ansteigt, ist für die Forschung von Belang. Warum nehmen Allergien so massiv zu? Welche Faktoren spielen hierbei eine Rolle? Gerade im Hinblick auf Prävention ist das natürlich spannend.

Warum nehmen Allergien zu?

Genetische Ursachen für Allergien sind nicht wegzudiskutieren. So treten allergische Erkrankungen familiär gehäuft auf. Darüber hinaus dürften diverse externe Faktoren wesentlich dazu beitragen, dass Allergien in Industrienationen auf dem Vormarsch sind. Solche sind neben verschiedenen Umweltbedingungen vor allem unsere Lebensgewohnheiten sowie die Zunahme von hygienischen Standards.

Während die genetische Komponente nicht veränderbar ist, lässt sich bei externen Komponenten ansetzen. Im Sinne der Vorbeugung ist es also wichtig, unsere aktuellen Lebensbedingungen genau in den Blick zu nehmen. Denn eines steht zweifelsfrei fest: Allergien verursachen bei Betroffenen nicht nur großen Leidensdruck, auch die direkten und indirekten Krankheitskosten (Behandlungen, Medikation, berufliche Ausfälle,…) sind mitunter immens. Welchen externen Faktoren kommt nun aber im Hinblick auf die Prävalenz von Allergien gesteigerte Bedeutung zu? Erfahren Sie untenstehend mehr!

Klimawandel begünstigt Allergien

Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und dem kontinuierlichen Anstieg von Allergien scheint offensichtlich. Die weltweiten Temperaturanstiege bewirken etwa, dass der Pollenflug mittlerweile nicht nur viel früher einsetzt, sondern auch vergleichsweise lange andauert. So sind in unseren Breiten Heuschnupfen-Symptome von Februar bis Oktober keine Seltenheit mehr. Zudem begünstigen klimatische Veränderungen die Ansiedlung bisher unbekannter Pflanzen, die heftige Allergien auslösen können. Ein gutes Beispiel hierfür ist Ragweed, das für so manchen „Herbst-Heuschnupfen“ verantwortlich ist.

Darüber hinaus wirkt Kohlenstoffdioxid („Klimagas“) auf viele Pflanzen wie Dünger. Das wiederum sorgt für einen immer stärker werdenden Pollenflug. Ozon und Treibstoff triggern die Pflanzenpollen zusätzlich. In weiterer Folge schütten diese vermehrt allergieauslösende Eiweiße aus, um widerstandsfähig zu bleiben.

Aufgrund des Klimawandels werden Pollen also ungleich aggressiver, lösen heftigere allergische Reaktionen aus. Auch langanhaltende Dürren haben diesen Effekt. Durch den sogenannten Trockenstress kommt es übermäßigen Ausschüttung allergener Eiweiße. Wenig Niederschlag führt also automatisch zu stärkeren Allergiebeschwerden.

Allergien: Schadstoffe als Trigger

Umweltverschmutzung ist gerade in Industrienationen ein brisantes Thema. Urbanisierung, gesteigertes Verkehrsaufkommen, Fabriken beziehungsweise generell industrielles Interesse machen der Umwelt zu schaffen.

Entsprechende Schadstoffe beeinflussen Allergien in mehrerlei Weise. Feinstaub und Ruß setzen sich in den Pflanzenpollen ab und können allergische Reaktionen auslösen beziehungsweise die Symptomatik verstärken. Darüber hinaus wirken sich Umweltschadstoffe auch negativ auf die Widerstandsfähigkeit des Menschen aus. Potentielle Allergene haben somit leichteres Spiel. Vor allem Hautbarriere und Lungenfunktion sind hier in den Blick zu nehmen. So haben Studien etwa ergeben, dass das Risiko für Neurodermitis oder Asthma bei Kindern, die an stark befahrenen Straßen wohnen, deutlich ansteigt.

Allergien: Alles eine Frage der richtigen Ernährung?

Ein Zusammenhang zwischen Allergien und Ernährung scheint wahrscheinlich. Schon in frühester Kindheit kann hier vorbeugend agiert werden. Stillen beziehungsweise HA-Säuglingsnahrung sowie eine sinnvolle Beikosteinführung schaffen gute Grundlagen.

Auf stark verarbeitete Lebensmittel sollte unbedingt verzichtet werden, denn sie stehen im Verdacht, Allergien zu triggern. Dass allergene Lebensmittel wie Milch, Nüsse, Eier oder Tomaten zu lange ausgespart werden, ist nicht zwingend ratsam. Kinder entwickeln auf diese Weise keine Toleranzen, was sich später nachteilig auswirken kann. Denn Unverträglichkeiten und Nahrungsmittelallergien bilden sich im Laufe der frühen Kindheit ohnehin häufig zurück. Der Grund hierfür ist eine stetige Entwicklung des kindlichen Immunsystems.

Auch verschiedene Medikamente dürften Einfluss auf Entstehung sowie Symptomatik von Allergien nehmen. Erwähnenswert sind vor allem jene Arzneimittel, die die Magen- und Darmschleimhaut beeinflussen (etwa magensäurehemmende Medikation).

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Übertriebene Hygiene als Allergieauslöser?

Übertriebene Hygiene und Abschottung von all jenem, das potentiell „gefährlich“ sein könnte, fördert die Entwicklung von Allergien. Vor allem im urbanen Bereich ist der Kontakt mit der mikrobiellen Umgebung (Keime, Tiere, Natur, „Dreck“,…) mitunter sehr spärlich. Gepaart mit wenig körperlicher Bewegung sowie einer einseitiger Ernährungsweise, kann das vermehrt Allergien auf den Plan rufen.

Gleich mehrere Studien belegen diese These. So gilt als bestätigt, dass „Landkinder“ beziehungsweise „Bauernhofkinder“ deutlich weniger unter allergischen Erkrankungen leiden als Kinder, die in der Stadt aufwachsen. Zudem weisen sie eine vielseitigere Darmflora auf.

Zum Zusammenhang von Allergien und Mikrobiom

In jüngster Zeit gerät die Wechselwirkung zwischen menschlichem Mikrobiom und Immunsystem beziehungsweise Entwicklung unterschiedlicher Erkrankungen immer stärker in den Fokus. Dabei wird das Mikrobiom als Gesamtheit aller Mikroorganismen in und am Körper verstanden. Im Zusammenhang mit Allergien ist vor allem das Mikrobiom des Darms (Darmflora) spannend, aber auch das der Haut oder jenes der Atemwege liefern interessante Ansätze.

So konnte im Hinblick auf das Mikrobiom des Verdauungstraktes beispielsweise festgestellt werden, dass sich eine gut abgestimmte Zusammensetzung unterschiedlicher Mikroorganismen (Diversität) positiv auf das Immunsystem auswirkt. Dementsprechend beugt ein diverses Mikrobiom Allergien vor.

Entscheidend dürften hier die ersten Lebensjahre sein. Begünstigende Faktoren für ein diverses Mikrobiom sind vor allem die vaginale Geburt (Erstbesiedelung des Neugeborenen durch vaginale und intestinale Bakterien der Mutter) sowie Muttermilch (Immunglobulin A schützt vor Infektionen und fördert Diversität der Darmflora). Ein Kaiserschnitt sowie die frühe Gabe von Antibiotika wiederum nehmen negativen Einfluss auf die Diversität des Darm-Mikrobioms. Das kann Allergien begünstigen.

Kann man Allergien vorbeugen?

Zwar kann man die genetische Vorbelastung nicht beeinflussen, externe Faktoren aber durchaus. Allergien nach bestem Wissen und Gewissen vorzubeugen, ist somit grundsätzlich möglich. Ernährung, Umgebung, Lebensgewohnheiten sowie Hygiene bilden hierbei die Grundpfeiler.

Allergien vorbeugen durch Ernährung

Schon in der Schwangerschaft wirkt sich eine möglichst vielseitige und ausgewogene Ernährung positiv auf das Allergierisiko aus. Dabei sollte während Schwangerschaft und Stillzeit keinesfalls auf potentiell allergene Lebensmittel verzichtet werden. Auch wenn das Kind am Familientisch mitisst, ist das im Sinne einer gewissen Toleranzentwicklung nicht sinnvoll. Generell sollte die Ernährung möglichst gesund und abwechslungsreich gestaltet werden. Auf stark verarbeitete Lebensmittel ist möglichst zu verzichten.

Dass Stillen das Allergierisiko deutlich senken kann, ist wissenschaftlich erwiesen. Wenn möglich, sollte das Baby bis zum Beikoststart ausschließlich die Brust bekommen. Bei nicht- oder teilgestillten Säuglingen greift man – gerade bei genetischer Vorbelastung – am besten auf hypoallergene Säuglingsnahrung (HA-Nahrung) zurück.

Allergierisiko senken – schadstofffreie Umgebung forcieren

Eine möglichst schadstofffreie Umgebung ist die beste Voraussetzung, um das Allergierisiko gering zu halten. Neben Autoabgasen, Feinstaub- oder Ozonbelastung, darf hierbei auf Innenräume nicht vergessen werden. Vor allem Wohn- und Schlafräume gilt es, schadstofffrei und natürlich zu gestalten. Gerade bei Baustoffen, Tapeten, Wandfarben, Möbel oder Wohntextilien ist auf eine entsprechende Produktion zu achten.

Nachdem ein direkter Zusammenhang zwischen Nikotin/Rauchen und der Entwicklung von Allergien anzunehmen ist, kommt einer rauchfreien Umgebung besondere Bedeutung zu. Vor allem während der Schwangerschaft und im Kindesalter kann der elterliche Verzicht auf Zigaretten viel bewirken. Auswirkungen durch das Passivrauchen sind nämlich mitunter immens. Auch über Hautkontakt ist Nikotin übertragbar.

Allergien vorbeugen – Immunsystem fordern

Übertriebene Hygiene steht im Verdacht, Allergien zu begünstigen. Im Sinne der Prävention ist es daher ratsam, gerade die Kleinsten nicht zu sehr abzuschotten. Der regelmäßige Kontakt mit Natur, Witterung, „Dreck“ oder Tierhaaren wirkt sich deutlich positiv auf das Immunsystem aus und kann Allergien vorbeugen.

Ein gesundes und widerstandsfähiges Immunsystem trägt dazu bei, dass diverse Allergene gut toleriert werden. Neben einer abwechslungsreichen Ernährung sowie regelmäßigen Aufenthalten in der Natur, ist ausreichend Bewegung wichtig. So gibt es etwa Hinweise, dass zwischen Übergewicht und allergischem Asthma ein direkter Zusammenhang besteht.

Verhaltensweisen, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken (Rauchen, übermäßiger Alkoholgenuss, ungesunde Ernährung, Stress, zu wenig Schlaf,…), sollten im Sinne der Allergieprävention möglichst gemieden werden.

Was tun bei Allergiesymptomen?

Stellt man Symptome fest, die auf eine allergische Reaktion schließen lassen, sollte man diese keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen. Auch eine Therapie auf eigene Faust mittels freiverkäuflicher Präparate empfiehlt sich nicht. Immerhin handelt es sich bei einer Allergie um eine Erkrankung mit chronischem Verlauf. Die Symptomatik schwächt nicht nur den gesamten Organismus, es besteht auch die Gefahr eines Etagenwechsels. Dabei verlagern sich Symptome der oberen Atemwege im Laufe der Zeit in die unteren Atemwege. Nicht selten ist schweres allergisches Asthma die unangenehme Folge.

Bei Anzeichen einer Allergie ist daher ein kompetenter Allergologe die erste Anlaufstelle. Gerade Mediziner im Bereich Dermatologie oder Pädiatrie haben häufig entsprechende Zusatzqualifikationen. Aber auch Allgemeinärzte, HNO-Ärzte oder Lungenfachärzte sind oftmals entsprechend ausgebildet.

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