Gesundheitstrend Kryosauna

Ursprünglich im medizinisch-therapeutischen Bereich sowie Hochleistungssport eingesetzt, erfreut sich die Kryotherapie mittlerweile auch im Fitness- und Lifestylebereich immer größerer Beliebtheit. Das Prinzip von Kryotherapie – auch als Kältetherapie oder Kältebehandlung bezeichnet – ist so einfach wie effektiv: Kälte wird als Therapiefaktor genutzt – mit durchschlagendem Erfolg.

In diesem Artikel befassen wir uns eingehend mit Kältekammern. Dabei sollen Ablauf einer Kryotherapie ebenso wie Anwendungsgebiete und Wirkungsweise in den Blick genommen werden. Welche Vorsichtsmaßnahmen sind notwendig, bevor man eine sogenannte Eissauna betritt? Gibt es Ausschlussgründe? Diese und ähnliche Fragen wollen wir gerne beantworten.

Was ist eine Kryosauna?

Die Kältekammer, ein kryotherapeutisches Ganzkörperverfahren, wird im (sport-)medizinischen Bereich bereits seit den späten 70er-Jahren genutzt. Aktuell hält sie jedoch vermehrt Einzug in den Wellness- und Fitnessbereich. Der japanische Rheumatologe Toshiro Yamauchi nutzte 1978 eine solche Kältekammer erstmals, um Beschwerden bei rheumatoider Arthritis zu lindern. Die Anwendung extrem niedriger Temperaturen (bis zu – 160 °C) wirkt auf Stoffwechsel sowie Hormonproduktion. In weiterer Folge machen sich schmerzlindernde und entzündungshemmende Effekte bemerkbar. 

Ein positiver Nebeneffekt: Nebenbei strafft die Eissauna das Gewebe und rückt Fettreserven zu Leibe, weshalb sich die Kältesauna als beliebte Beautybehandlung etabliert.
Ein entspannender und stimmungsaufhellender Effekt ist dabei übrigens ebenfalls gegeben, da die Kältebehandlung für eine entsprechende Ausschüttung von Glückshormonen sorgt. 

Bei diesem Wirkspektrum wundert es nicht, dass Kryotherapie in vielfältigen Bereichen zur Anwendung kommt:

  • bei entzündlich bedingten Erkrankungen wie Rheuma oder Arthritis
  • bei chronischen Schmerzzuständen (Fibromyalgie, Schmerzen im Stützapparat, Migräne,…)
  • bei Hauterkrankungen (Neurodermitis, Schuppenflechte, Akne vulgaris,…)
  • bei psychischen Erkrankungen wie Depression oder Erschöpfungszuständen
  • um das Immunsystem anzukurbeln (gerade auch bei Autoimmunerkrankungen)
  • bei Schlafstörungen
  • zur Verbesserung von Herz-Kreislauf-Funktionen
  • im Sportsektor, um Leistungen zu steigern und die Regenerationsfähigkeit zu erhöhen
  • im Wellness- und Beautysektor (Cellulite, Übergewicht, Stress, als Anti-Aging-Anwendung usw.)

Eine Behandlung in der Eissauna schlägt – wenn nicht von der Krankenkasse übernommen – mit durchschnittlich 25-30 Euro zu Buche. Durchführen kann man solch eine Kältebehandlung in entsprechend ausgestatteten Fachkliniken, Therapieeinrichtungen oder Kurzentren. Zudem bieten immer mehr Wellness- und Sportstudios Kryotherapie an. 

Kältekammer: So läuft die Behandlung ab

Manche Kältekammern bestehen aus einem Vorraum (hier kann sich der Körper bei etwa – 60 °C für die Dauer von 30 Sekunden auf die Kälte einstellen) und einem Hauptraum (hier wird weitere 2,5 Minuten auf unter – 100 °C gekühlt). Andere Modelle beinhalten lediglich eine Innenkammer, in der die Temperatur kontinuierlich gesenkt wird. Temperaturen von etwa – 160 bis – 180 °C schafft eine herkömmliche Kältesauna, meist wird bei Kältebehandlungen die Umgebungstemperatur allerdings auf „nur“ circa – 110 °C herabgesenkt. 

Dazu wird flüssiger Stickstoff in die Kabine geleitet. Das klingt nicht nur kalt, das ist auch kalt! Durch die Regulation der Luftfeuchtigkeit (nahezu 0 %) wird die Kälte allerdings als nicht so extrem empfunden. Erfrierungen drohen demzufolge keine, vorausgesetzt, man schützt sich entsprechend (s.u.).

Wer denkt, eine solche Kältebehandlung tritt man warm eingepackt an, der irrt. In der Regel betritt man die Kryosauna in trockener (!) Badebekleidung. Empfindliche Körperteile werden aber natürlich gut geschützt. Eine Therapieeinheit in der Eissauna dauert in den meisten Fällen drei Minuten, währenddessen ist man in Bewegung (etwa durch Drehen im Kreis). Eine Überwachung von außen ist durch ein audiovisuelles System fortwährend gegeben. Zudem kann die Kältekammer natürlich jederzeit verlassen werden, die Türe lässt sich problemlos von innen öffnen.

Bei der Nutzung einer Kältesauna sind einige Vorsichtsmaßnahmen notwendig, um Schäden zu vermeiden:

  • Empfindliche Körperstellen müssen ausreichend geschützt werden. Ohren, Stirn und Brustwarzen werden bedeckt, Hände und Füße warm eingepackt (Handschuhe, Socken, Puschen oder Schuhe). Ein Mundschutz sorgt außerdem dafür, dass die Lunge vor Kälteschäden geschützt ist, geatmet wird durch die Nase.
  • Haare und Haut müssen komplett trocken sein, auch auf Hautcremes muss man im Vorfeld verzichten. Zudem darf nichts angefasst werden. Am besten werden die Arme auf Brusthöhe gekreuzt.
  • Pflaster, Piercings, Schmuck sowie Hilfsmittel wie Brillen, Kontaktlinsen oder Hörgeräte müssen entfernt/abgenommen werden.
  • In der Regel wird der Blutdruck vor Eintritt in die Kryosauna kontrolliert. In den Stunden vor der Behandlung muss auf Saunagänge und Sport verzichtet werden.

Kältebehandlung in der Kryosauna: So wirkt sie

Der starke Kältereiz wirkt sich positiv auf Durchblutung, Stoffwechsel, Hormon- und Immunsystem aus. Das erklärt auch den entzündungshemmenden und schmerzlindernden Effekt von Kältekammern und macht Kältebehandlungen zu beliebten Verfahren in medizinischer Therapie und Wellness gleichermaßen.

Auf die plötzliche Kälte reagiert der Körper, indem er gegensteuert und versucht, das Temperaturdefizit auszugleichen. Dazu benötigt er Energie. Kalorien werden verbrannt, wodurch sich die schlankmachende Wirkung von Kryotherapie ergibt. Die gesteigerte Durchblutung kurbelt außerdem die Kollagenproduktion an und auch Schlacken werden verstärkt abtransportiert – ein Booster gegen Cellulite! 

Darüber hinaus kann ein regelmäßiger Gang in die Kältekammer das Immunsystem stärken und die vermehrte Freisetzung von Glückshormonen sorgt für nachhaltige Entspannung, reduziert Stress und vermag es, depressive Verstimmungen zu verbessern.  

Lässt sich die Wirkung von Kältekammern wissenschaftlich belegen?

Wenngleich viele Menschen bei gesundheitlichen Beschwerden oder aus Gründen von Fitness und Entspannung auf Kältebehandlungen setzen, die Wirkung der Kryosauna ist wissenschaftlich nicht entsprechend belegt. Das liegt allerdings nicht zwingend daran, dass Effekte ausbleiben, vielmehr sind Wirkung und mögliche Nebenwirkungen nur unzureichend untersucht. Zu geringe Stichproben, mangelhafte Studien und das Fehlen von groß angelegten und vergleichbaren Studien sind hier zu nennen.  

Kältesauna: Für wen ist sie geeignet?

Der Gang in die Kältekammer eignet sich für all jene, die unter Gelenks- beziehungsweise Hauterkrankungen oder chronischen Schmerzzuständen leiden sowie (Hochleistungs-)Sportler, die Leistung und Regeneration steigern möchten. Doch auch in Bezug auf Wellness und Fitness gewinnt Kryotherapie immer mehr an Bedeutung. So können Kältebehandlungen positiv auf Stoffwechsel und Immunsystem wirken, die Haut straffen und Cellulite reduzieren, dabei helfen, Kalorien zu verbrennen, zu entspannen und abzuschalten. Darüber hinaus weckt die Kryosauna neue Lebensgeister, und kann das allgemeine Wohlbefinden verbessern.

Kryosauna: Das sind Ausschlussgründe

Doch nicht immer kann Kryotherapie bedenkenlos zur Anwendung kommen. Bei folgenden Erkrankungen muss auf eine Kältetherapie verzichtet werden:

  • akute Infekte
  • schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen; Bluthochdruck; Herzrhythmusstörungen
  • kürzlich stattgefundene Operationen
  • Venenthrombose
  • Lungenembolie
  • Epilepsie
  • vorangegangener Schlaganfall/Gehirnblutung
  • Durchblutungsstörungen/Gefühlsstörungen
  • Diabetes
  • Asthma, sofern Kälte Anfälle auslöst
  • Neigung zu Panikattacken/Klaustrophobie

Darüber hinaus ist auch eine Schwangerschaft ein Ausschlussgrund für Kryotherapie.

Kältekammer – einen Versuch wert?

Nicht nur im medizinisch-therapeutischen Bereich kommen Kältekammern zum Einsatz, längst haben sie auch Einzug in den Fitness- und Wellnesssektor gehalten. Die vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten überzeugen Anhänger solcher Kältebehandlungen, wenngleich wissenschaftliche Belege noch recht dürftig ausfallen. 

Mag es auch nachvollziehbare Ausschlussgründe für Kryotherapie geben, spricht bei stabiler Konstitution nichts dagegen, eine Kryosauna auszuprobieren und von nachhaltigen Effekten auf Gesundheit und Wohlbefinden zu profitieren. Dabei muss bedacht werden, dass die Kältekammer alleine natürlich keine Wunder vollbringt. Eine gesunde Lebensweise (Ernährung, Bewegung, ausreichend Schlaf) sowie die medizinische Versorgung zugrundeliegender Erkrankungen sollte darüber hinaus in jedem Fall gegeben sein.    

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