Abnehmen mit Medikamenten?

In möglichst kurzer Zeit an Gewicht verlieren, ohne dabei hungern und anstrengenden Sport treiben zu müssen? Mit dieser Hoffnung geben Menschen, die abnehmen möchten, weltweit jedes Jahr zehn Milliarden Euro für Schlankheitsmittel aus.
Denn die Hersteller dieser sogenannten Diätpillen versprechen nämlich genau das: einfach regelmäßig die entsprechenden Tabletten einnehmen und schon, ganz ohne Mühe, quasi im Schlaf, purzeln überflüssige Pfunde.

Aber ist es wirklich so einfach?
Lesen Sie in unserem Beitrag, warum das Geld dafür leider oft umsonst ausgegeben wird, wie diese Mittel sogar die Gesundheit gefährden und welche gesunden Alternativen es gibt, die beim Abnehmen helfen können.

 

 

 

 

Was versteht man unter Diätpillen und wie wirken sie?

Diätpillen sind Tabletten, die bei einer gewünschten Gewichtsabnahme unterstützen sollen. Entsprechend ihrer Wirkung lassen sie sich in drei verschiedene Hauptkategorien einteilen – Fettblocker, Quell- und Entwässerungsmittel sowie Appetitzügler.

Fettblocker wirken im Magen-Darm-Trakt. Sie sorgen, zum Beispiel mit einem Wirkstoff, der aus Schalen von Krabben, Garnelen oder Hummern gewonnen wird, dafür, dass die mit der Nahrung aufgenommenen Fette nicht vollständig verdaut, sondern bis zu einem Drittel unverdaut wieder ausgeschieden werden. Fettblocker sind in der Regel verschreibungspflichtig und sollten nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden.

Quellmittel enthalten Substanzen wie Ballaststoffe, zum Beispiel Konjakwurzelextrakt oder Fruchtfasern, Flohsamen, Zellulose oder Kollagen. Alle diese Stoffe können ihr Volumen zusammen mit Flüssigkeit im Magen vervielfachen und ihn somit ausdehnen – man ist so schneller und länger satt.

Entwässerungsmittel entziehen dem Körper Wasser. Die in den Tabletten enthaltenen Pflanzenbestandteile, zum Beispiel Birkenblätter, Hauhechel, Schachtelhalm, Löwenzahn, Wacholder oder Brennnesseln haben eine harntreibende Wirkung. Durch das vermehrte Wasserlassen zeigt die Waage weniger Gewicht an, was aber lediglich auf den Wasserverlust im Körper zurückzuführen ist.

Appetitzügler hemmen, wie der Name schon sagt, die Lust aufs Essen und sollen auf diese Weise Heißhungerattacken verhindern. Ihre Wirkung entfalten sie dabei direkt im Gehirn. Die enthaltenen Wirkstoffe sind zum Beispiel in der Lage, den Serotoninspiegel zu erhöhen, wodurch das Hungerzentrum im Gehirn Sättigungssignale empfängt – wodurch Heißhungerattacken vorgebeugt wird. Andere Wirkstoffe wiederum kurbeln den Stoffwechsel an, wirken aufputschend und senken so das Schlafbedürfnis. Appetitzügler sind, ebenso wie Fettblocker, in der Regel verschreibungspflichtig und sollten auch nur unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden.

Warum sind Medikamente zur Gewichtsreduktion keine empfehlenswerte Möglichkeit Gewicht zu verlieren?

Alle oben aufgeführten Diätpillen können bei starkem Übergewicht den Einstieg in eine Gewichtsreduzierung bestenfalls erleichtern. Für ein langfristiges Abnehmen sind sie jedoch der falsche Weg, denn das Essverhalten wird durch die Einnahme dieser Diätpillen nicht verändert. Im Gegenteil, nach dem Absetzen der Diätpillen droht meistens eine erneute Gewichtszunahme. Da die genannten Wirkstoffe nicht ungefährlich für die Gesundheit sein können, sollten Appetitzügler und Pillen zur Gewichtsreduktion ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden. In Kombination mit körperlicher Betätigung und einer Ernährungsumstellung können sie vor allem stark übergewichtigen Menschen dabei helfen abzunehmen, sind jedoch keinesfalls als dauerhafte Lösung geeignet.

Bestehen gesundheitliche Risiken bei der Einnahme von Diätpillen?

Gerade bei Menschen, die nur unter leichtem Übergewicht leiden und nur wenige Kilos loswerden wollen, sind die Risiken durch die Einnahme von Diätpillen dagegen generell zu hoch, denn die Mittel haben alle – je nach Wirkstoff unterschiedliche – Nebenwirkungen:

Fettblocker wirken abführend, können zu Blähungen und Bauchkrämpfen führen oder Durchfall auslösen. Ein weitaus größeres Problem: Fettblocker verhindern nicht nur Aufnahme von Fett aus der Nahrung, sondern auch die der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K. So kann es schnell zu einer Unterversorgung mit diesen wichtigen Vitaminen kommen. Werden Fettblocker parallel mit der Anti-Baby-Pille, bestimmten Herzmedikamenten oder Medikamenten zur Behandlung von Diabetes eingenommen, kann es zu erheblichen Wechselwirkungen kommen.

Werden Quellmittel nicht mit ausreichend Flüssigkeit aufgenommen, kann es zu Blähungen, Verstopfung oder schlimmstenfalls sogar zum Darmverschluss kommen.

Auch Entwässerungsmittel sind nicht dazu geeignet, dauerhaft an Gewicht zu verlieren, denn dem Körper werden nur Wasser und Salze entzogen, er verliert jedoch kein Fett. Und geht dem Körper dabei zu viel Wasser verloren, kann dies stattdessen sogar negative gesundheitliche Folgen haben. So kann es beispielsweise zu Dehydrierung, Antriebslosigkeit, Schwindelgefühl und Konzentrationsschwierigkeiten kommen. Darüber hinaus werden mit dem Urin wichtige Mineralstoffe ausgeschieden.

Ganz besondere Vorsicht ist bei Appetitzüglern geboten: Der durch die Manipulation der Hunger-Sättigungs-Regulation vorgenommene erhebliche Eingriff in den Körper kann unter anderem Herzrasen und -rhythmusstörungen, Bluthochdruck, Unruhe, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen zur Folge haben und die Gesundheit nachhaltig beeinträchtigen.

Diätpillen aus dem Internet

Generell gilt: vor allem Diätpillen, die im Internet und mit unbekannter Herkunft angeboten werden und zudem nicht deklarierte, pharmakologisch wirkende Stoffe enthalten, können der Gesundheit enorm schaden. Es ist daher besonders wichtig, sich in jedem Falle über die Inhaltsstoffe, die Dosierung sowie die Nebenwirkungen des jeweiligen Produktes genau zu informieren, bevor man es erwirbt und einnimmt. Auch Pillen, die in Deutschland verschreibungspflichtig sind, sollten nicht über das Internet aus dem Ausland bestellt und ohne ärztliche Betreuung eingenommen werden.

Grundsätzlich warnen Verbraucherzentralen in Deutschland auch vor Diätpillen mit asiatischen Heilkräutern oder besonderen Kräutermischungen. In einigen dieser Mittel wurde wiederholt Sibutramin nachgewiesen. Dieser Wirkstoff ist in Deutschland seit Langem verboten, weil er erhebliche, gesundheitsschädigende Nebenwirkungen hervorruft. Laut einer US-Studie werden weltweit mindestens 34 Todesfälle nachweislich mit Sibutramin in Verbindung gebracht.

Alltagstipps, um Appetit und Heißhungerattacken natürlich und schonend entgegenzuwirken

Die Natur bietet zum Glück gute Alternativen zu Diätpillen.
Mit Hilfe natürlicher Wirkstoffe lassen sich Heißhungerattacken vermeiden und der Appetit zügeln, und das ganz ohne gesundheitliche Risiken:

  • Die ätherischen Öle der Pfefferminze reduzieren das Hungergefühl und vor allem die Lust auf Süßes. Ob in Form von Kaugummi, als Bonbon, im Tee oder in der Zahnpasta. Auf diese Weise lassen sich Heißhungerattacken zuverlässig abwenden.
  • Ingwer regt durch seine Schärfe den Stoffwechsel an und kann sowohl den Appetit zügeln, als auch die tägliche Nahrungsaufnahme insgesamt reduzieren.
  • Die in Äpfeln enthaltenen Pektine fördern die Verdauung und wirken entgiftend. Gleichzeitig regulieren sie den Blutzuckerspiegel. So macht der Verzehr von Äpfeln länger satt. Gleiches gilt übrigens auch für Zitrusfrüchte, wie zum Beispiel Orangen oder Grapefruits. Aber auch Obst sollte aufgrund des natürlichen Fruchtzuckers bewusst genossen werden.

    Weitere Informationen zum Thema Fructose

  • Tomaten haben einen hohen Gehalt an Chrom. Chrom ist in der Lage, die Wirkung von Insulin zu verstärken und so den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren. Auf diese Weise sorgt auch der Verzehr von Tomaten für ein längeres Sättigungsgefühl.
  • Eier enthalten reichlich Zink. Genau wie Chrom senkt es den Insulinspiegel und bremst dadurch den Appetit aus.
  • Haferflocken, aber auch Chia-Samen oder Vollkornprodukte machen lange satt und regen aufgrund des hohen Gehaltes an Magnesium, das die Sauerstoffversorgung der Zellen ankurbelt, gleichzeitig die Fettverbrennung an.
  • Die Wurzelknolle Topinambur enthält den Ballaststoff Inulin, der in der Lage ist, große Wassermengen aufzunehmen. Dadurch quillt er im Magen-Darm-Trakt auf und macht so länger satt.
  • Linsen, aber auch andere Hülsenfrüchte wie Erbsen und Bohnen haben einen sehr hohen Ballaststoffanteil und enthalten außerdem jede Menge Eiweiß. Beides beschert für viele Stunden ein Sättigungsgefühl.
  • Ein Glas Wasser vor einer Mahlzeit steigert die Fettverbrennung und füllt den Magen, sodass der Hunger schneller gestillt ist.

 

Die Einnahme von Diätpillen und andere Medikamenten zur Gewichtsreduktion ist generell nur dann sinnvoll, wenn sie in ein ganzheitliches Ernährungskonzept mit langfristiger Umstellung auf kalorienarme, gesunde Kost sowie sportliche Betätigung zur Gewichtsreduktion integriert wird.
Wenn überhaupt, sollten Diätpillen nur bei starkem Übergewicht und immer nur unter ärztlicher Kontrolle oder Begleitung durch einen Diätassistenten oder Ernährungswissenschaftler eingesetzt werden. Ohne gesunde Ernährungsumstellung und regelmäßige sportliche Betätigung kann keine der oben aufgeführten Diätpillen langfristig zum Wunschgewicht führen sondern vielmehr die Gesundheit nachhaltig beeinträchtigen.

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