Gefahr durch Putzmittel: (k)eine saubere Sache?

Schadstoffe durch Dieselautos oder Pestizide – das Bewusstsein hierfür ist durch zahlreiche Medienberichte rasant gestiegen. Doch auch in den eigenen vier Wänden lohnt es sich, genauer hinzusehen, wenn von Schadstoffen die Rede ist. Denn viele Reinigungsmittel enthalten gesundheitsgefährdende Inhaltsstoffe. Lesen Sie hier, worauf Sie beim Wohnungsputz achten sollten.

Reinigungsmittel als Gesundheitsrisiko

Sprühen, wischen, polieren – für die meisten Menschen gehört Putzen zum Alltag. Denn ein Zuhause ist erst dann richtig gemütlich, wenn es auch sauber ist. Doch bevor Sie das nächste Mal beherzt zum Schwamm greifen, sollten Sie einen Blick auf die Inhaltsstoffe Ihrer Reinigungsmittel werfen. Denn diese verteilen sich nicht nur auf Fliesen und Fenstern, sondern gelangen auch in unseren Körper.

Schließlich atmen wir die Inhaltsstoffe beim häufigen, oft sogar täglichen Gebrauch ein – besonders Sprühreiniger stellen hierbei ein Risiko dar. Eine norwegische Studie mit über 6.000 Teilnehmern hat gezeigt, dass nach zwei Jahrzehnten vor allem Frauen, die zuhause viel putzen, sowie professionelle Reinigungskräfte beeinträchtigte Lungenfunktionen aufwiesen. Die Schäden vom täglichen intensiven Putzen seien demnach mit den Auswirkungen von bis zu 20 Zigaretten pro Tag zu vergleichen.

Zudem steigert Putzen das Risiko, an Asthma zu erkranken, signifikant. Auch unsere Haut ist in Gefahr: Aggressive Reinigungsmittel wie Backofenreiniger greifen Schmutz ebenso an wie den Schutzmantel unserer Haut und führen zu Rötungen und Rissen. Zudem können sie Neurodermitis-Schübe begünstigen. Ein falscher Umgang mit den Mitteln kann ebenfalls gesundheitliche Risiken nach sich ziehen.

Saubermacher auf dem Prüfstand

Grundsätzlich gilt: In allen chemischen Reinigern können gesundheitsgefährdende Substanzen enthalten sein. Nicht nur aggressive WC- oder Chlorreiniger, auch Bodenreiniger oder sogar Waschmittel gehören dazu. Von Alkohol bis Zeolith – nur die wenigsten wissen, was sich hinter den zahlreichen Inhaltsstoffen verbirgt. Einige Putzmittel, die besonders aggressiv sind, sind gekennzeichnet: beispielsweise mit einem schwarzen X für ätzende Wirkstoffe. Webseiten wie https://www.codecheck.info/ können hilfreich sein: Geben Sie hier den Namen des jeweiligen Reinigers in die Suche ein und lesen Sie nach, ob sich gesundheitsgefährdende Inhaltsstoffe darin befinden.

Hier einige Beispiele für Inhaltsstoffe, auf die Sie bei Reinigungsmitteln besser verzichten bzw. auf einen vorsichtigen Umgang achten sollten:

Tenside Hierzu zählen beispielsweise Erdöl-Tenside, die oft als „waschaktive Substanzen“ bezeichnet werden. Sie reinigen effektiv, denn sie lösen Schmutz und Fett in Wasser. Was Töpfe zum Glänzen bringt, kann jedoch unsere Haut austrocknen und uns empfänglicher für Allergien und Ausschläge machen. Obwohl Erdöl-Tenside biologisch abbaubar sein müssen, verbleiben ihre Überreste lange in der Umwelt und können im Wasser lebende Organismen schädigen. Die Alternative sind Palmöl-Tenside – achten Sie beim Kauf aber darauf, dass diese aus einem nachhaltigen Anbau stammen.
Enthärter Dabei handelt es sich meist um Phosphate oder Phosphonate sowie weitere Ersatzstoffe. Enthärter sind oftmals Sparringspartner der Tenside, denn sie verstärken deren Wirkung.
Synthetische Farb- und Duftstoffe Ob die Hersteller „Frühlingsdüfte“ oder einfach klassische Frische-Aromen versprechen: Duftstoffe sind überflüssig und können Allergien auslösen. Einige Duftstoffe sind zudem nicht gut abbaubar und belasten somit die Gewässer. Wer nicht ganz auf den Frischeduft verzichten möchte, kann auf ätherische Öle oder Duftsäckchen (z.B. mit Lavendelblüten) zurückgreifen.
Synthetische Konservierungsstoffe Damit die Putzmittel jahrelang einsetzbar bleiben, setzen viele Hersteller auf synthetische Konservierungsstoffe wie Formaldehyd. Formaldehyd gilt als potenziell krebserregend und kann Hautreizungen oder Kopfschmerzen verursachen.

Gefährliche Reinigungsmittel: Wie kann ich mich schützen?

Natürlich möchten wir unsere vier Wände weiterhin zum Glänzen bringen. Darum finden Sie hier Tipps, mit denen Putzen auch für Gesundheit und Umwelt zu einer sauberen Sache wird:

Überflüssige Reiniger meiden

Fragen Sie sich, welche Reinigungsmittel Sie überhaupt benötigen: Brauchen Sie unbedingt Weichspüler oder zehn spezielle Badreiniger? Spülmittel, Scheuermilch und ein Universalreiniger reichen aus, um die Wohnung sauber zu halten. Zahlreiche Saubermacher sind schlicht überflüssig oder können durch einfache Hausmittel – dazu später mehr – ersetzt werden. Auch WC-Steine oder Raumsprays tun weder uns noch der Umwelt gut.

Weniger ist mehr

Verwenden Sie möglichst wenig Reinigungsmittel, um sich und die Umwelt zu schonen. Dies führt manchmal sogar zu besseren Putz-Ergebnissen: So kann eine zu starke Schaumbildung dafür sorgen, dass die Fettlösekraft sinkt.

Ökologische Reiniger verwenden

Wer ökologische Reiniger verwendet, tut sich und der Umwelt etwas Gutes: So setzen deren Hersteller beispielsweise auf leichter abbaubare Konservierungsstoffe wie Milchsäure oder Alkohol. Auch bergen ökologische Putzmittel ohne künstliche Duft- und Farbstoffe weniger Allergiepotenzial. Halten Sie beispielsweise nach der „Euroblume“, dem EU Ecolabel, Ausschau.

Möglichst wenig Kontakt mit dem Reiniger

Handschuhe und Mundschutz schützen Haut und Atemwege vor Chemikalien. Das mag übertrieben erscheinen, doch insbesondere vor längeren Putzeinheiten sind dies Hilfsmittel, die Sie Ihrer Gesundheit zuliebe verwenden sollten. Besonders in kleinen geschlossenen Räumen und bei Reinigungsmitteln aus Sprühflaschen ist Vorsicht geboten

Lüften Sie während und nach dem Putzen

Bringen Sie frischen Wind in die Putz-Routine: Offene Fenster sorgen dafür, dass sich die Rückstände der Reiniger möglichst schnell in Luft auflösen – und wir wieder frei atmen können.

Mischen Sie Reiniger nicht miteinander

Zwei Reiniger miteinander zu mischen, kann zu unvorhergesehenen chemischen Reaktionen führen. So entsteht beispielsweise beim Mischen von Bleiche mit Essig giftiges Chlorgas. Wenden Sie immer nur einen Reiniger zur gleichen Zeit an.

Do it yourself: Reiniger selber machen

Reiniger selbst herzustellen ist nicht nur unserer Gesundheit und der Umwelt, sondern auch unserem Geldbeutel zuträglich. Ein weiterer Vorteil: Sie sparen Unmengen an Verpackungsmüll. Denn mit wenigen Zutaten, oft einfach aus dem Küchenregal gegriffen, erhalten wir im Nu wirkungsvolle Reiniger. Hier einige Beispiele:

Duftender Allzweckreiniger DIY:

Nehmen Sie ein altes Einmachglas und füllen Sie dieses fingerbreit mit Essigessenz. Darüber gießen Sie Wasser. Für ein Plus an Reinigungskraft sowie einen angenehmen Frische-Duft legen Sie nun nach Geschmack entweder etwas Zitronen- oder Orangenschale in Ihren neuen Saubermacher. Nach rund zwei Wochen ist der selbstgemachte Reiniger einsatzbereit: Mit ihm können Sie Böden wischen oder Kalk entfernen. Der Reiniger eignet sich auch ideal zu Reinigung der Toilette. Vorsicht ist lediglich bei säureempfindlichen Oberflächen geboten.

Reinigungstabs für die Toilette DIY

Kaum eine Tätigkeit im Haushalt ist so unbeliebt wie das regelmäßige Putzen der Toilette. Kein Wunder, dass viele Menschen deshalb auf praktische Reinigungstabs zurückgreifen. Wer nach umweltschonenden Alternativen sucht, wird auch hier fündig. Für die selbstgemachten Tabs benötigt man lediglich eine Eiswürfelform, Natron, Wasser, Zitronensäure und etwas ätherisches Öl. Mischen Sie Natron und Zitronensäure (Pulver) im Verhältnis 3:1. Starten Sie zunächst mit dem Natron und geben Sie je 100 gr einen Teelöffel Wasser hinzu. Vermischen Sie Natron und Wasser mit dem Handrührgerät, sodass ein leicht klumpiges feuchtes Gemisch entsteht. Anschließend geben Sie einige Tropfen ätherischen Öls mit desinfizierender Wirkung (z.B. Orange, Thymian, Zitrone oder Lavendel) hinzu. Zu guter Letzt folgt dann die Zitronensäure. Nach etwa 20 Sekunden Mixen ist die Masse dann fertig. Die Masse zügig in die Förmchen geben und trocknen lassen. Anschließend lagern Sie die fertigen Tabs in einem luftdichten Schraubglas. Zum Einsatz einfach in die Toilette werfen und einwirken lassen. 

Ofenreiniger DIY

Besprühen Sie das Innere Ihres Ofens mit Wasser und streuen Sie anschließend Backpulver auf die Oberflächen. Nach rund zwölf Stunden Einwirkzeit können Sie die Mixtur mit Wasser, wenn nötig mit etwas Geschirrspülmittel, abwaschen.

Holzpflege DIY

Auch Holz können Sie mit Zutaten pflegen, die in jeder Küche vorhanden sind. Mischen Sie Olivenöl mit Essig im Verhältnis 3:1 und tragen Sie diese natürliche Holzpflege mit einem Lappen auf. Bei empfindlichem Holz: Testen Sie die Pflege vorher an einer unauffälligen Stelle.

Weichspüler DIY

30 bis 60 ml weißer Essig im Weichspüler-Fach der Waschmaschine sind eine umwelt- und gesundheitsfreundliche Alternative zu herkömmlichem Weichspüler. Essig entfernt Kalkablagerungen und bringt Farben zum Strahlen. Sobald die Wäsche trocken ist, verflüchtigt sich der leichte Essig-Geruch. Damit die Dichtungen der Waschmaschine nicht mit der Zeit angegriffen werden, sollte jedoch nicht jeder Wäsche Essig zugesetzt werden oder zumindest verdünnt werden. Alternativ kann auch etwas (aufgelöste) Zitronensäure dabei helfen, Kalkablagerungen zu entfernen.

Ohne Sauberkeit ist ein schönes und ansprechendes Zuhause kaum vorstellbar. Wer bei der Wahl der Reinigungsprodukte auf DIY-Varianten greift, spart jedoch nicht nur einiges an Geld, sondern schont die Gesundheit und Umwelt. Und das ist einfacher als man denkt. Mit wenigen natürlichen und kostengünstigen Zutaten können Sie effektive Reinigungsmittel ganz einfach selbst herstellen. Auch unnötiger Verpackungsmüll, der durch die Vielzahl an (überflüssigen) Reinigungsprodukten anfällt, wird auf diese Weise eingespart.

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