Mütter in der Teilzeitfalle – Spagat zwischen Karriere und Kindererziehung

Wie man es macht, macht man es falsch! Arbeiten Mütter Vollzeit, konzentrieren sich auf ihre Karriere und nutzen Kinderbetreuungseinrichtungen in vollem Ausmaß, sind sie schnell als Rabenmütter verschrien. Stecken sie im Job allerdings zurück, schlägt die Teilzeitfalle oftmals gnadenlos zu. Mehrfachbelastung, Unzufriedenheit sowie finanzielle Einbußen sind die Konsequenz.

Der Spagat zwischen Kindererziehung und Karriere bringt viele Familien an ihre Grenzen. Der Grund dafür liegt nicht nur in den Rahmenbedingungen, wie Wirtschaft, Politik oder Gesellschaft sie vorgeben. Erschwerend kommt hinzu, dass es in Deutschland massiv an Betreuungsplätzen in Kindertagesstätten sowie qualifizierten Erziehern fehlt.Auch die nur sehr langsam aufweichenden traditionellen Rollenbilder von Mutter und Vater spielen hier deutlich hinein.

In diesem Artikel möchten wir uns kritisch mit der Arbeitsmarktsituation, wie viele Mütter sie vorfinden, auseinandersetzen. Aus welchen Gründen können Kinder das Karriereaus bedeuten, wo lauern Fallstricke und was bräuchte es, um die gegenwärtige Situation zum Positiven zu verändern?

Von Rollenbildern und Vorurteilen

Dass in den meisten deutschen Familien die Mutter beruflich zurücksteckt, ist unbestritten. Nach der Elternzeit tritt frau eine reduzierte Stelle an und fortan sieht sie sich zerrissen zwischen Kind, Beruf und Haushalt.
Mitnichten liegt das an den – oftmals hervorragend ausgebildeten – Frauen selbst. Wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen erschweren es Müttern ungemein, Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen.

Nicht zu vernachlässigen sind darüber hinaus auch gesellschaftlich tradierte Rollenbilder, die – unbewusst oder mit erschreckender Deutlichkeit – auf die berufliche Situation von Müttern Einfluss nehmen. Eine Frau mit Kind, die Karriere macht? Was für eine Rabenmutter! Unnötig zu erwähnen, dass umgekehrte Vorzeichen – der Vater macht Karriere – gemeinhin als Normalität angesehen und ganz selbstverständlich akzeptiert werden.

Ein Vater, der sich auf seine Karriere konzentriert, während die Mutter ihm den Rücken freihält und die Familie managt, das ist nun einmal Realität in vielen Familien. Wenn Frauen (und auch Männer) diese Rollenbilder durchbrechen, ernten sie im besten Fall erstaunte Blicke, oftmals werden gar unverschämte Vorwürfe laut. Eine Mutter, die ihr Kind ganztägig in die Kinderbetreuung steckt, um sich auf ihre Karriere zu konzentrieren? Wie kann sie nur? Die armen Kinder! Dass Männer Kind und Karriere ganz wunderbar vereinen können, versteht sich dabei von selbst. Sorgt doch schließlich in einer Vielzahl von Familien die teilzeitarbeitende Frau dafür, dass das reibungslos funktioniert.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die vielzitierte Gleichberechtigung, die Männern und Frauen gleiche Chancen einräumt, greift dort nicht, wo es um Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Ganz im Gegenteil!

Karriere mit Kind? Für viele Mütter ein frommer Wunsch!

Doch nicht nur gesellschaftliche Aspekte erschweren den Spagat zwischen Kind und Karriere immens. Manchmal sind es auch politische und wirtschaftliche Realitäten, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nahezu unmöglich machen. Was vielerorts nämlich fehlt, ist ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot für den Nachwuchs.

Flächendeckendes Angebot (auch im Bildungssektor), annehmbarer Betreuungsschlüssel sowie die Möglichkeit flexibler Betreuungszeiten – selbst diese Basics sind nicht selten ein frommer Wunsch junger Familien. Dazu kommt, dass Eltern nur in den seltensten Fällen flexible Arbeitsbedingungen vorfinden. Kinderbetreuung und eine Vollzeit-Berufstätigkeit zu koordinieren ist auf diese Weise kaum möglich. Von der großen Karriere ist da noch gar keine Rede!

Mütter in der Teilzeitfalle

Vorherrschende Rollenbilder sowie beschriebene wirtschaftliche und politische Aspekte treiben eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Frauen in die Teilzeitfalle, sobald sie Mütter werden. Statistiken dazu sprechen eine deutliche Sprache. So waren im Jahr 2017 nur 33,5 Prozent aller Frauen mit minderjährigen Kindern vollzeitbeschäftigt. Demgegenüber steht eine Quote von 94 Prozent bei den Vätern!

Auch in Hinblick auf die verfügbaren Betreuungsplätze, besonders für Kinder unter 3, ist die Situation für berufstätige Eltern schwierig. So sind im Durchschnitt nur etwa 33,6% der unter 3-Jährigen in einer Kindertagesbetreuung. Am schlechtesten schnitten bundesweit dabei Bayern und Nordrhein-Westfalen, mit einer Betreuungsquote von lediglich 27,5 % und 27,2 %, ab.
Es mangelt aber nicht nur an KiTa-Plätzen und qualifizierten Erziehern, auch die Öffnungszeiten der Kindertagesstätten lassen die Chancen auf eine Vollzeitbeschäftigung schwinden. Denn ein großer Teil der Kindertagesstätten schließt bereits vor 16:30 Uhr seine Pforten. Wie sollen beide Eltern so einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen können?
Dann muss ein Elternteil, meist die Mutter, zurückstecken und notgedrungen eine Teilzeitbeschäftigung annehmen.

Karrierekiller Kind, wenn man es denn so bezeichnen möchte. Das Ganze wird nicht nur gesellschaftlich geebnet, sondern ebenso stillschweigend toleriert wie akzeptiert. Ein fataler Fehler, denn auf diese Weise werden Umdenken und Veränderung zumindest erschwert, wenn nicht gar verunmöglicht.

Nachdem sich in viele Familien schon in der Elternzeit tradierte Rollenmuster einschleichen, ändert sich mit dem Wiedereinstieg der Frau daran eher wenig. Aufgrund mangelnder Betreuungsmöglichkeiten ist es dann in den meisten Fällen die Frau, die nach der Elternzeit auf eine reduzierte Stelle zurückkehrt. Auch trotz Wunsch nach einer Vollzeitbeschäftigung, ist es in vielen Fällen aufgrund mangelnder Betreuungsmöglichkeiten für den Nachwuchs nicht möglich in Vollzeit zu arbeiten. So müssen sich viele Frauen wohl oder übel mit einer Teilzeitbeschäftigung zufrieden geben.
Gemeinhin übernehmen sie überdies den Löwenanteil an Kinderbetreuung und Haushaltspflichten. Eine nicht zu unterschätzende Mehrfachbelastung, die meist über viele Jahre hindurch besteht und im schlimmsten Fall bis zum Burnout führen kann.

Parallel dazu bedeutet die Stundenreduktion für Frauen einen massiven beruflichen Einschnitt. Die Wirtschaft ist nicht auf Teilzeit ausgelegt, bietet hier auch kaum entsprechend flexible Möglichkeiten an. Die bitteren Konsequenzen nebst spürbaren finanziellen Einbußen? Viele Mütter arbeiten weit unter ihren Qualifikationen,  werden nicht ernst genommen, bekommen kaum Verantwortung übertragen und berufliche Aufstiegsmöglichkeiten sind überschaubar bis nicht vorhanden. Ein bitteres Los, das durchaus für Unmut sorgt. Nicht zu vernachlässigen sind außerdem langfristige Auswirkungen in Bezug auf die Altersvorsorge (Stichwort: Altersarmut) oder die fehlende finanzielle Absicherung im Trennungsfall.

Mehr als eine Doppelbelastung

In der gesellschaftlichen Realität sind viele Frauen zwischen Kind, Beruf und notwendigen Haushaltspflichten zerrissen. Was einige Zeit lang gut gehen mag, sorgt in vielen Fällen auf lange Sicht für Unzufriedenheit, Frustration und Überforderung. Im schlimmsten Fall macht diese Mehrfachbelastung sogar krank. Beschwerden wie Kopfschmerzen, Magen-Darm-Erkrankungen, Depression oder Burnout sind dann leider keine Seltenheit.

Dazu kommt der Aspekt der mangelnden Unterstützung. Waren noch vor nicht allzu langer Zeit Großfamilien und ein entsprechend breitgefächertes Betreuungs- und Unterstützungsnetzwerk gang und gäbe, stehen Frauen mit ihrer Kleinfamilie heute in vielen Fällen auf weiter Flur alleine da. Wenn dann noch mit wenig Unterstützung durch den Partner zu rechnen ist, dann fängt das Hamsterrad an, sich unbarmherzig zu drehen. Eigene Wünsche und der Traum von einer Karriere werden dann hinten angestellt und geraten im Alltagstrubel in immer weitere Ferne.

 

Wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie funktionieren kann

Vorausschickend muss natürlich betont werden, dass es zu Änderungen gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Faktoren kommen muss, damit Frauen Kind und Karriere sinnvoll leben können. Tradierte Rollenbilder gilt es zu durchbrechen, das Betreuungsangebot muss ausgebaut werden – so können beispielsweise längere Öffnungszeiten der KiTas eine Vollzeitbeschäftigung beider Elternteile möglich machen. Auch die Arbeitsbedingungen müssen weitaus flexibler gestaltet werden. Gerade letzteres wäre durchaus eine Win-win-Situation für Familien wie Betriebe, belegen doch Studien längst, dass Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit mit der Flexibilität am Arbeitsplatz deutlich ansteigen.

Doch auch die Mütter selbst vermögen es, auf ihre berufliche Situation nachhaltig Einfluss zu nehmen. Wesentlich ist, auch in der Elternzeit Kontakt zum Arbeitgeber zu halten, auf diese Weise präsent zu bleiben und berufliches Interesse zu signalisieren. Es gilt, genau zu überlegen, was beruflich sowie familiär gewünscht und möglich ist. Welche Art der Betreuung ist für das Kind passend? Wer kann diese übernehmen? Der Partner muss hier in die Pflicht genommen werden, Hilfe unmissverständlich eingefordert. Parallel dazu ist ein soziales Netzwerk unerlässlich. Nicht zuletzt sollte gegebenenfalls auf externe Hilfe (Babysitter, Haushaltshilfe etc.) gesetzt und diese Ausgaben als Investition in die Zukunft gesehen werden. Denn eines ist momentan (leider) für junge Mütter noch Realität am Arbeitsmarkt: Schlägt die Teilzeitfalle einmal zu, lässt sie sich nicht allzu leicht wieder öffnen.

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