Intimbeschwerden? Tipps zur richtigen Intimpflege

 

Welche Rolle spielen Pflegeprodukte und Hygiene bei Beschwerden wie Juckreiz, Brennen oder Schmerzen im Intimbereich? Sind Hausmittel eine gute Idee, um unangenehmes Jucken oder Brennen zu behandeln? Informieren Sie sich hier was bei Intimbeschwerden zu tun ist, welche Tipps hilfreich sind und wie die richtige Intimpflege dabei hilft, Infektionen der Scheide vorzubeugen.

Intimbeschwerden: Alltag in der gynäkologischen Praxis

Die meisten Frauen haben bereits Erfahrungen mit Jucken, Brennen oder übelriechendem Ausfluss im Intimbereich gemacht. Aber Intimbeschwerden sind kein „Schnupfen“ und so scheuen sich viele, darüber zu sprechen. Sogar bei ihrem Arzt. Viele Frauen suchen erst nach großem Leidensdruck oder fehlgeschlagenen Versuchen mit Hausmitteln einen Gynäkologen auf. Für Frauenärzte gehören Intimbeschwerden zum Arbeitsalltag. Das unterstreichen folgende Zahlen: Drei von vier Frauen haben mindestens einmal in ihrem Leben Scheidenpilz. Bis zu dreißig Prozent leiden Schätzungen zufolge aktuell oder regelmäßig unter einer bakteriellen Vaginose. Bei beiden Krankheitsbildern gelangen im Vorfeld Keime in die Vagina und vermehren sich dort. Eine gesunde Vaginalflora kann Pilze und schädliche Bakterien abwehren. Infektionen der Scheide geht häufig also eine gestörte Scheidenflora voraus.

Die Scheidenflora – ein ausgeklügeltes Schutzsystem

Unsere Haut hat einen durchschnittlichen pH-Wert von 5,5. Doch auf den Schleimhäuten der Scheide geht es deutlich saurer zu: Der pH-Wert liegt hier zwischen 3,8 und 4,4. Eine Schutzmaßnahme, die verhindert, dass Krankheitserreger wie Bakterien und Pilze die Schleimhäute der Scheide passieren können. Keimfrei ist der Intimbereich dabei aber nicht, im Gegenteil: Er wird von Milliarden Bakterien besiedelt: Ein Milliliter Scheidensekret enthält mindestens 100 Millionen Keime. Und das ist gut so! Die meisten der Keime zählen zu den Milchsäurebakterien. Indem sie Zucker in Milchsäure umwandeln, halten sie den pH-Wert niedrig. Außerdem bilden sie antibiotisch wirkende Proteinmoleküle und Wasserstoffperoxid – unter diesen Bedingungen können Krankheitserreger sich kaum vermehren. Die Gesamtheit der nützlichen Bakterien in der Vagina bildet die Scheiden- oder Vaginalflora.

Mögliche Ursachen für Intimbeschwerden

Intimbeschwerden treten auf, wenn die Vaginalflora aus der Balance kommt. Im Folgenden finden Sie die häufigsten Störfaktoren rund um den weiblichen Intimbereich:

Intimpflege: Um es vorwegzunehmen: Eine mangelnde Intimpflege ist in unseren Breiten selten Auslöser für Intimbeschwerden. Im Gegenteil: Scheidenspülungen und Vaginalduschen können den pH-Wert der Scheide stören. Duschgels und Shampoos haben meist einen pH-Wert zwischen 9 und 11 und sind somit alkalisch. Oft löst eine übertriebene Intimpflege Störungen der Vaginalflora aus – sie stört die guten Bakterien bei ihrer Arbeit. Allerdings kann auch mangelnde Intimhygiene Infektionen begünstigen, beispielsweise wenn Bakterien aus der Analregion in den Genitalbereich gelangen.

Krankheiten: Bestimmte Krankheiten wie Erkrankungen des Stoffwechsels oder des Immunsystems können es „schlechten“ Bakterien oder Pilzen erleichtern, die Vaginalflora zu passieren. Hierzu zählt beispielsweise ein unbehandelter oder schlecht eingestellter Diabetes.

Medikamente: Antibiotika bekämpfen Bakterien. Leider unterscheiden sie dabei nicht zwischen „gut“ und „böse“. So fallen manchen Antibiotika nützliche Bakterien der Vaginalflora zum Opfer. Dies wiederum führt zu einem Ungleichgewicht. Auch die Anti-Baby-Pille kann das Scheidenmilieu negativ beeinflussen, denn sie sorgt im Körper für Hormonveränderungen. Eine Strahlentherapie im Rahmen einer Krebsbehandlung kann die Schleimhäute im Intimbereich aus dem Gleichgewicht bringen.

Hormonelle Umstellungen: Während Schwangerschaft, Stillzeit und in den Wechseljahren verändert sich viel im Körper. Diese Hormonumstellungen können die Vaginalflora beeinflussen. So wird die Scheide in den Wechseljahren trockener, was kleine Risse und damit das Eindringen von Keimen begünstigt. Zudem sinkt der Säuregehalt. In der Schwangerschaft führt das Plus an Östrogen zu einem Steigen des pH-Werts.

Alkalische Flüssigkeiten: Nicht nur die Hormone während der Stillzeit können die Scheidenflora empfindlicher gegenüber Bakterien und Pilzen machen. Auch Fruchtwasser und Wochenfluss können das Milieu stören, denn sie sind alkalisch. Ebenfalls alkalisch sind die Menstruationsblutung und Sperma. Einer gesunden Scheidenumgebung können blutiger Ausfluss und Sperma allerdings nichts anhaben. Ist die Vaginalflora bereits angegriffen, können solche Faktoren entscheidend sein.

Ernährung: Eine Ernährung mit viel Zucker kann die Anfälligkeit für Infektionen in der Scheide erhöhen.

Geschlechtsverkehr: Infektionen sind übertragbar. Kommt es zum Beispiel zu einem Scheidenpilz, sollte sich auch der Mann behandeln lassen. Zwischenzeitlich sollten Betroffene ein Kondom verwenden, um den Ping-Pong-Effekt zu vermeiden. Bei Analsex ist Hygiene, zum Beispiel in Form von Kondomen, wichtig, damit Darmbakterien nicht in die Vagina gelangen. Auch Gleitmittel können die Vaginalflora stören.

Wer zählt zu den Risikogruppen für Intimbeschwerden? Da Östrogene eine große Rolle rund um Intimbeschwerden spielen, sind vor allem Frauen im gebärfähigen Alter anfällig für Intimbeschwerden. Dabei leiden Frauen mit schwachem Immunsystem, Schwangere und Stillende häufiger unter Infektionen der Scheide.

Symptome bei Infektionen der Scheide

Zu den typischen Intimbeschwerden zählen:

  • brennende oder stechende Schmerzen im äußeren Genitalbereich
  • unangenehm riechender Scheidenausfluss, kann „fischig“ riechen
  • Juckreiz im Intimbereich
  • Wundsein im Intimbereich
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • weiße Beläge auf der Schleimhaut, weißlicher Ausfluss

Intimbeschwerden – wann zum Arzt?

Beschwerden im Intimbereich sollten am besten vom Facharzt abgeklärt werden. Spätestens wenn die Symptome mehrere Tage andauern, sollten Sie einen Termin vereinbaren. Gehen die Beschwerden nicht zurück oder kommen regelmäßig wieder, sollten Betroffene ebenfalls einen Experten aufsuchen. Schwangere und stillende Frauen sollten bei Intimbeschwerden immer unverzüglich Kontakt zu ihrem Gynäkologen aufnehmen. Zuerst wird der Arzt in einem Gespräch Symptome und mögliche Ursachen wie beispielsweise Medikamente mit der Patientin besprechen. Anschließend erfolgt eine Untersuchung der Scheide. Hierbei wird der Arzt meist einen schmerzfreien Abstrich entnehmen. Je nach Beschwerdebild ergänzt auch eine Urinprobe  die Untersuchung.

Häufigste Krankheiten, die Intimbeschwerden verursachen

Vor allem zwei Erkrankungen – auch Mischformen davon – sind für Intimbeschwerden verantwortlich:

Vaginale Mykose

Wenn der natürlich im Körper jeder Frau vorkommende Pilz Candida albicans überhandnimmt, kommt es zum Scheidenpilz (Vaginalsoor).  Die berühmt-berüchtigte Ansteckung im Schwimmbad beruht meist nicht auf einer Infektion im Umkleideraum oder am Beckenrand. Auslöser für die Beschwerden im Anschluss ist vielmehr Chlor, das dem Schwimmbad-Wasser zugesetzt wurde und die Vaginalflora stört.

Bakterielle Vaginose

Hierunter verstehen Medizinier eine Besiedlung der Vagina mit überdurchschnittlich vielen anaeroben Bakterien. Immer mit von der Partie ist das Bakterium Gardnerella vaginalis. Manche Frauen bleiben trotz bakterieller Vaginose symptomfrei. Bei anderen entwickelt sich eine Scheidenentzündung (Kolpitis). Kommt es zu einer Entzündung, kann diese beim männlichen Sexualpartner eine Eichelentzündung auslösen.

Natürlich können auch übertragbare Geschlechtskrankheiten Intimbeschwerden auslösen. Hierzu zählen Gonorrhöe, Syphilis oder die Trichomoniasis, eine mit rund 170 Millionen neuen Fällen pro Jahr verbreitete Infektion mit Geißeltierchen, die zu Entzündungen führt.

Intimbeschwerden – welche Therapie hilft?

Löst ein Scheidenpilz die Intimbeschwerden aus, helfen Antimykotika, also Mittel, die den Pilz abtöten. Bewährte Wirkstoffe für die äußere Anwendung sind zum Beispiel Clotrimazol oder Miconazol. Kombiprodukte bestehen aus Zäpfchen und einer Creme. Reicht die äußere Pilzbekämpfung nicht aus, kann der Arzt vaginal einzuführende Tabletten gegen den Pilz verschreiben.

Gegen bakterielle Vaginosen verschreibt der Gynäkologe auf die schädlichen Bakterien abgestimmte Antibiotika. Diese können als Creme oder Tabletten zum Einsatz kommen. Egal ob Pilz oder Bakterien: Halten Sie sich unbedingt an die Anwendungshinweise, um einem Rückfall vorzubeugen. Rund die Hälfte der Frauen mit einer bakteriellen Vaginose erleidet innerhalb eines Jahres mindestens eine weitere Infektion.

Stärkung der Scheidenflora mittel vaginaler Lasertherapie

Kehren Infektionen auch nach der gründlichsten Behandlung immer wieder, kann es sein, dass die Vaginalflora völlig aus dem Gleichgewicht geraten ist. Immer mehr Frauen, die unter chronischen Beschwerden leiden, entscheiden sich deshalb für eine vaginale Lasertherapie. Sie hilft dabei die Scheidenflora zu verbessern und nachhaltig zu stärken. Durch die Lasertherapie wird nämlich nicht nur die Durchblutung des Gewebes gefördert und das Gewebe gestrafft – auch die Neubildung von Zellen und kollagenen Fasern wird stimuliert. In Folge ist das Gewebe nicht nur robuster – es ist auch dazu in der Lage Feuchtigkeit besser einzuschließen, wodurch sich in vielen Fällen auch der pH-Wert der Scheide stabilisert. Ein stabiler saurer pH-Wert sorgt für eine ausgeglichene Vaginalflora und ist damit für die körpereigenen Abwehrmechanismen unverzichtbar.

Weitere Informationen zur vaginalen Lasertherapie bei Intimbeschwerden

Tipps: Intimbeschwerden vorbeugen

Wer unter wiederkehrenden Infektionen der Scheide leidet, zu den Risikogruppen zählt oder Antibiotika einnehmen muss, kann Intimbeschwerden mit folgenden Tipps vorbeugen:

  • Milchsäurebakterien aus der Apotheke verwenden
  • Intimbereich nur mit Wasser reinigen
  • auf Schwämme und Waschlappen verzichten
  • Unterwäsche aus Baumwolle
  • locker sitzende Kleidung
  • Verzicht auf Tangas (wegen Bakterien aus der Analregion)
  • Unterwäsche und Handtücher bei mindestens 60 Grad waschen
  • ausgewogene, zuckerarme Ernährung
  • beim Toilettengang von vorne nach hinten abwischen
  • bei neuen Sexualpartnern oder nach Infektionen Kondome verwenden
  • Waschmittel (alkalisch) richtig dosieren
  • Probiotische Lebensmittel: Naturjoghurt, Sauerkraut, Kimchi, Tempeh
  • Präbiotische Lebensmittel: Chicorée, Lauch, Zwiebeln, Artischocken

Vermeiden Sie außerdem alle Produkte, die nicht für die Intimpflege geeignet sind. Hierzu zählen sämtliche Öle, Peelings, aber auch Parfums oder sonstige duftende Wässerchen, die den natürlichen Intimgeruch überdecken sollen.

Die richtige Intimpflege

Leider empfinden viele Frauen den Intimbereich immer noch als Körperregion, die per se schneller „schmutzig“ wird. Gut für Hersteller diverser Intimpflege-Produkte, schlecht für die Vaginalflora. Denn die Scheide reinigt sich größtenteils selbst. Intimpflege-Produkte sind bestenfalls überflüssig. Im schlimmsten Fall schaden sie und stören den pH-Wert der Vagina. Dank saurem Milieu schützt die Scheide sich optimal selbst vor Infektionen. Es reicht also vollkommen aus, den Intimbereich mit klarem Wasser zu waschen. Spülungen oder spezielle „Scheidenlotionen“ sind nicht nötig. Leiden Frauen regelmäßig unter Scheidenpilz, kann eine spezielle medizinische Intimwaschlotion unterstützend wirken – am besten besprechen Betroffene dies mit ihrem Gynäkologen.

Helfen Hausmittel bei Intimbeschwerden?

Grundsätzlich gilt: Hausmittel können weder bakterielle noch mykotische Infektionen heilen. Dennoch finden sich in den Weiten des Internets zahlreiche Tipps rund um Hausmittel, die bei Vaginalbeschwerden helfen sollen. Teilweise auch sehr kuriose: Bei der „Cucumber Cleanse“ soll eine in die Vagina eingeführte Gurke dabei helfen, diese vor Bakterien zu reinigen. Von allen „Reinigungs-Tipps“ dieser Art ist dringend abzuraten. Ob Apfelessig, Knoblauch, Aloe Vera, kolloidales Silber oder Reinigungsprodukte aus dem Drogeriemarkt: Im Zweifel schaden alle mehr, als dass sie nutzen. Denn die Scheide reinigt sich dank ihrer „guten“ Bakterien selbst.

Und wie schaut es mit Joghurt aus? Da dieser voller Milchsäurebakterien ist, wird er immer wieder gerne empfohlen, zum Beispiel bei Scheidenpilz. Doch er enthält nicht nur Milchsäurebakterien, sondern auch andere Bakterien sowie Konservierungsmittel, die die Vaginalflora negativ beeinflussen können.

Fazit: Hausmittel sind bei Intimbeschwerden keine gute Idee! Auch zum Vorbeugen greifen Sie besser zu Milchsäurebakterien in Kapselform aus der Apotheke, um die Vaginalschleimhaut zu unterstützen. Der Gang zum Facharzt ist damit die einzige Möglichkeit, um Intimbeschwerden bzw. Infektionen erfolgreich – und in den meisten Fällen auch sehr schnell  – zu behandeln.

Intimpflege in Balance

Auch wenn Drogerien oder originelle „Cleanse“-Ideen im Internet etwas anderes suggerieren: Eine tägliche Reinigung der äußeren Genitalregion mit klarem Wasser reicht rund um die Intimpflege völlig aus. Die Devise „viel hilft viel“ ist rund um Intimhygiene fehl am Platz. Entscheidend, um Intimbeschwerden vorzubeugen, sind die natürlich vorhandenen „guten“ Bakterien, die die Scheidenflora unterstützen. Wenn es doch zu einer Infektion kommt, hilft der Gynäkologe mit passgenau zugeschnittenen Medikamenten, die schnell Linderung bringen.

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