Gesundheitsrisiko durch Tattoos?

 

Tattoos sind längst zum Massenphänomen geworden. Jeder Fünfte trägt mittlerweile bunte Bilder der Haut. In der Altersgruppe unter 30 Jahren ist sogar jeder vierte tätowiert. Kein Wunder, denn vor allem in jungen Jahren dient das Äußere als wesentliche Projektionsfläche. Nicht selten kommt mit dem Alter aber auch die Ernüchterung. Etwa die Hälfte aller gestochenen Kunstwerke gefällt dann nicht mehr, soll häufig sogar professionell entfernt werden.

Doch was kommt da beim Tätowieren eigentlich unter die Haut? Viele Konsumenten können dazu keine näheren Angaben machen. Gleichzeitig werden kritische Stimmen laut, die auf schädliche Stoffe und Verunreinigungen in Tattoofarben hinweisen. Zwar ist seit 2009 die deutsche Tätowiermittel-Verordnung in Kraft, Farben sind aber nach wie vor erstaunlich wenig reglementiert. Doch was bedeutet das in der Praxis? Sind Tattoofarben gefährlich?

Woraus bestehen Tattoofarben eigentlich?

Dass es sich bei Tattoofarben um durchaus komplexe chemische Zusammensetzungen handelt, ist vielen Konsumenten gar nicht bewusst. Im Wesentlichen besteht die Farbe, die unter die Haut gespritzt wird, aus entsprechenden Farbpigmenten sowie einer Trägersubstanz – das sind in der Regel Verdickungs-, Lösungs- und Konservierungsmittel. Man unterscheidet zwischen organischen und anorganischen Pigmenten. Organische Pigmente finden sich meist in bunter Tattoofarbe (Azofarbstoffe), anorganische Pigmente in schwarzer (Ruß, Eisenoxid) oder weißer Farbe (Titanoxid).

Vom medizinischen Standpunkt aus werden Tattoofarben mitunter durchaus kritisch betrachtet. In vielen Fällen ist nämlich nicht einwandfrei ausgewiesen, was überhaupt beinhaltet ist. Vor allem, wenn in den Studios Farben selbst gemischt werden, fällt es schwer, konkrete Inhaltsstoffe nachzuvollziehen.

Ein Problem stellt in diesem Zusammenhang auch die Tätowiermittel-Verordnung von 2009 dar. Dort ist nämlich lediglich eine Negativliste angeführt – somit ist nur deklariert, welche Substanzen nicht verwendet werden dürfen. Orientierung bieten hier übrigens handelsüblich getestete Kosmetika und Textilfarben, nicht die Tattoofarben selbst. Diese benötigen nämlich keinerlei Zulassung, bevor sie auf den Markt kommen. Solange Hersteller Inhaltsstoffe ausweisen, ist das ausreichend. Schwierig wird es, wenn das nicht zureichend passiert beziehungsweise wenn im Ausland produzierte Farben zur Anwendung kommen.
Somit fehlen aktuell zwei Kriterien, die dazu beitragen könnten, Tattoofarben sicherer zu machen: eine Positivliste (also eine Auflistung entsprechend getesteter und als unbedenklich eingestufter Inhaltsstoffe) sowie eine reglementierte Zulassung. Stellt ein Tattoo also im Umkehrschluss ein Gesundheitsrisiko dar?

Soviel sei vorweggenommen: Eine hinreichende Beantwortung dieser Frage ist kaum möglich. Einerseits ist gerade über Langzeitwirkungen von Tattoos noch kaum etwas bekannt, andererseits weisen Tattoofarben leider nicht immer gänzlich unbedenkliche Inhaltsstoffe auf.

In welchen Fällen können Tattoofarben gefährlich werden?

Nach dem Stechen eines Tattoos treten selten akut schwerwiegende Probleme auf, was durchaus mit den hohen hygienischen Standards in deutschen Studios zusammenhängt. Es muss jedoch betont werden, dass es bei Stichprobenuntersuchungen von Tätowierfarben immer wieder zu mangelhaften Ergebnissen kommt. So sind zwar meist keine zweifelsfrei gefährlichen Inhaltsstoffe (wie sie etwa auf der Negativliste der Verordnung zu finden sind) beinhaltet, in vielen Fällen finden sich aber durchaus potentiell gesundheitsschädliche Substanzen. Auch Verunreinigungen in Tattoofarben sind keine Seltenheit. Darüber hinaus muss bedacht werden, dass über die Langzeitwirkung verwendeter Tattoofarben kaum etwas bekannt ist.

Beinhalten Tattoofarben auch keine verbotenen Substanzen, lassen sich doch so einige Inhaltsstoffe nachweisen, die gesundheitlich problematisch werden könnten. Dass diese in den meisten Fällen nicht entsprechend ausgewiesen sind, macht die Ausgangslage doppelt schwierig. Vorrangig handelt es sich um allergene, potentiell krebserregende sowie erbgutschädigende Stoffe. Hier müssen insbesondere verschiedene Schwermetalle wie etwa Titan, Kupfer, Nickel, Eisen, Chrom, Mangan oder Kobalt erwähnt werden. Auch als krebserregend geltende Konservierungsmittel (Benzisothiazolinone, Methylisothiazolone) finden sich häufig ohne entsprechende Hinweise.

Ebenso darf nicht außer Acht gelassen werden, dass verwendete Farbpigmente ihren Ursprung in völlig anderem Kontext haben. Sie sind keineswegs eigens für den Einsatz im Körper entwickelt worden, sondern finden sich etwa auch in Autolacken oder Druckerpatronen. Solche Pigmente behandelt unser Körper als Fremdstoff. Kleinste Bestandteile beziehungsweise deren Abbauprodukte werden über Blut und Lymphe abtransportiert. Folglich lagern sie sich andernorts ab – in Lymphknoten oder Organen. Über Langzeitwirkungen – vor allem potentiell schädlicher Inhaltsstoffe – ist in diesem Zusammenhang kaum etwas bekannt.

Verunreinigte Farben hingegen richten häufig unmittelbaren Schaden an. Allergien, Entzündungen, Rötungen oder Schwellungen sind die unangenehme Folge. UV-Strahlung kann hier übrigens verstärkend wirken. Bei sehr großflächigen Tattoos ist außerdem die Hautkrebsvorsorge erschwert.

Ganz unabhängig von Inhaltsstoffen, können Tattoos bei manchen Vorerkrankungen problematisch oder gar gefährlich werden. Dazu zählen vorrangig Blutgerinnungsstörungen, Herzerkrankungen sowie Stoffwechselstörungen wie Diabetes. Tätowierungen sind außerdem bei einem angegriffenen Immunsystem – etwa durch immunsuppressive Medikation oder diverse Erkrankungen – kontraindiziert. Auch bei Neigung zu Ekzemen sowie Schwierigkeiten bei der Wundheilung sollte ein Tattoo gut überlegt sein. Darüber hinaus kann ein Tattoo durchaus Allergien auslösen, vor allem, wenn die Farbe durch Schwermetalle (z.B.: Nickel) belastet ist. Schwangerschaft und Stillzeit sind ebenfalls Ausschlussgründe für das Stechen eines Tattoos.

Tattoofarben: Risiken und Nebenwirkungen

Gefährdet ein Tattoo die Gesundheit nun also? Die Frage lässt sich schwer beantworten, sondern lediglich aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Mögliche Antworten sind von unterschiedlichen Kriterien und Voraussetzungen abhängig. Risiken und Nebenwirkungen – aufgrund verwendeter Farben, individueller gesundheitlicher Voraussetzungen oder hygienischer Bedingungen beim Stechen – sind aber natürlich nicht von der Hand zu weisen.

Die häufigsten Risiken und Nebenwirkungen daher noch einmal im Überblick:

  • Tattoofarben benötigen keine Zulassung, eine Positivliste existiert nicht.
  • Nicht immer sind tatsächlich sämtliche Inhaltsstoffe aufgelistet.
  • Potentiell gesundheitsschädigende Inhaltsstoffe (z.B. Schwermetalle) finden sich in Tattoofarben leider gar nicht so selten. Hier steht vor allem die Frage nach allergener oder krebserregender Wirkung im Fokus.
  • Farbpigmente verbleiben nicht gänzlich unter der Haut, sondern lagern sich zum Teil an anderer Stelle im Körper ab (z.B. Lymphknoten). Langzeitstudien über die Wirkung der Tattoofarbe im Körper existieren (noch) nicht.
  • Verunreinigte Farben beziehungsweise zweifelhafte hygienische Bedingungen in den Studios erhöhen das Risiko für Infektionen oder Allergien.
  • Großflächige Tattoos erschweren die Hautkrebsvorsorge.
  • In manchen Fällen (Blutgerinnungsstörungen, Schwangerschaft,…) sind Tattoos kontraindiziert. Bei Neigung zu Allergien, Ekzemen und schlechter Wundheilung ist generell Vorsicht geboten.

Was macht Tattoofarbe im Körper?

Tattoofarbe unter der Haut identifiziert unser Körper als Eindringling und reagiert mit einem Entzündungsprozess. In weiterer Folge werden Pigmentbestandteile abgebaut und über Blut und Lymphe abtransportiert. Vor allem in nahegelegenen Lymphknoten lagern sich Farbbestandteile ab. Häufig nehmen die Knoten sogar den jeweiligen Farbton an. Auch eine Ablagerung in Organen ist möglich.

Der Umstand, dass Tattoofarbe oftmals gesundheitlich bedenkliche Inhaltsstoffe aufweist und nicht an Ort und Stelle verbleibt, macht hellhörig. Das lässt nämlich natürlich im Umkehrschluss mutmaßen, dass etwaige, durch die Farbe ausgelöste, gesundheitliche Problematiken nicht zwingend nur auf den Ort der Tätowierung bezogen sind. Sie können im Prinzip überall auftauchen. Vor allem im Hinblick auf Krebserkrankungen, Autoimmunerkrankungen oder andere chronische Leiden ist das zu bedenken. Studien über die Langzeitwirkung von Tattoofarben im Körper gibt es jedoch bisher noch nicht. Entsprechend wird erst die Zeit Antworten liefern können.

Sind Tattoos ungesund?

Ob Tattoos schädlich sind, kann momentan noch nicht hinreichend beantwortet werden. Erst mit Hilfe entsprechender Langzeitstudien könnte man konkrete Aussagen über Zusammenhänge zwischen Tattoofarben und Erkrankungen wie etwa Krebs treffen. Solche sind aktuell noch ausstehend.

Fest steht jedoch, dass Tattoofarben durchaus bedenkliche Substanzen enthalten können. Bevor man sich ein Tattoo stechen lässt, sollte man sich bewusst sein, dass die Farben keinerlei Zulassung bedürfen. Weder werden sie eigens geprüft, noch existiert eine Positivliste. Daher macht es Sinn, sich als Konsument im Vorfeld über Inhaltsstoffe genau zu informieren und bei Unklarheiten nachzufragen. Farben aus dem Ausland sollten im Zweifelsfalls besser gemieden werden.

Darüber hinaus sind auch Wechselwirkungen zwischen UV-Strahlung und Tattoos noch nicht entsprechend erforscht. Es stehen allerdings Vermutungen im Raum, dass es hier durch bestimmte Stoffwechselprozesse eventuell zur Freisetzung krebserregender Substanzen kommen könnte.

Tattoo-Entfernung als Lösung?

Wie sieht es dann aber mit der professionellen Entfernung eines Tattoos aus? Lösen sich damit auch etwaige gesundheitliche Langzeitfolgen in Luft auf?

Nicht zwingend, so meinen Experten. Zwar finden Tattoo-Entfernungen – chirurgisch oder mittels Laser – durchaus häufig statt, unbedenklich sind sie aber nicht unbedingt. So steht etwa im Raum, dass es bei der beliebten Laserbehandlung durch Spaltung der Farbpigmente zur Freisetzung potentiell krebserregender Stoffe kommen könnte.
Bei der seltener gewählten chirurgischen Entfernung eines Tattoos durch schleifen oder schneiden kommt es zwar zu keinen Spaltprodukten, dafür ist das Risiko für schwere Wundinfektionen stark erhöht.

Wie kann man Gesundheitsrisiken durch Tattoos vorbeugen?

Bevor man sich tätowieren lässt, sollte man ganz sicher sein und das Studio mit Bedacht wählen. Wichtig ist ein gewisses Bewusstsein darüber, dass es chemische Substanzen sind, die unter die Haut gespritzt werden und anschließend im Körper verbleiben. Hier entsprechend kritisch zu sein, ist also keinesfalls verkehrt.

Abschließend haben wir noch einige Tipps auf Lager, worauf man beim Tätowieren achten sollte, um etwaige Gesundheitsrisiken bestmöglich zu reduzieren:

  • Es sollte nicht das erstbeste Tattoostudio gewählt werden. Entsprechende Recherche ist sinnvoll. Hier profitiert man durchaus auch von Empfehlungen von Freunden oder Bekannten.
  • Hygiene im Studio ist das A&O. Einen guten Eindruck von den Arbeitsbedingungen kann man sich auch als Laie verschaffen: Wirkt das Studio sauber? Sind Böden, Ablageflächen, Liege oder Stuhl leicht abwaschbar? Werden Einwegtücher verwendet? Sind alle Utensilien einzeln verpackt und werden Einweghandschuhe genutzt? Ist entsprechend Desinfektionsmittel vorhanden? Finden sich in dem Raum, in dem tätowiert wird, Nahrungsmittel, Zigaretten oder gar Tiere, ist Vorsicht geboten!
  • Am besten wählt man ein seriöses Tattoostudio in einem EU-Land. Hier kann man am ehesten davon ausgehen, dass gemäß der gültigen Verordnungen gearbeitet wird. Wird im Ausland gestochen, sollte man sich über die womöglich vorliegende Sprachbarriere im Klaren sein. Abstand sollte man unbedingt vorm Tätowieren im Freien, auf Festivals oder in häuslicher Umgebung nehmen.
  • Auf den verwendeten Farben sollten entsprechend der Tätowiermittel-Verordnung sämtliche Inhaltsstoffe sowie der Hersteller ausgewiesen sein. Es ist ratsam, hier genau nachzufragen. In Deutschland bzw. in der EU produzierte Farben sind zu bevorzugen. Tattoofarben müssen gut geschützt aufbewahrt werden (in Schränken oder Schubladen). Entweder werden sie als Einmaltuben genutzt oder aber umgefüllt. Im zweiten Fall muss notiert worden sein, wann die Packung geöffnet wurde.
  • Beratung und Aufklärung durch den Tätowierer sollten ebenso Standard sein wie das Abfragen von Vorerkrankungen und gesundheitlicher Problemfelder.
  • Schriftliche Hinweise (z.B. über mögliche Nebenwirkungen, richtige Tattoopflege,…) sind ein Zeichen von Professionalität.
  • Ein frisch gestochenes Tattoo ist eine Wunde und muss entsprechend sorgsam gepflegt werden, um Infektionen vorzubeugen (Folienverband, Wundsalbe, Sonnenschutz,…).
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