Gürtelrose – Ansteckung, Symptome und Behandung

 

Gürtelrose ist ein Ausschlag, der im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht. Denn er beruht auf einer Viruserkrankung der Nerven. Erfahren Sie im Folgenden, welche Ursachen Gürtelrose hat und wie Sie sich vor der Erkrankung schützen können.

Definition: Gürtelrose (Herpes Zoster)

Hinter der vermeintlichen Hautkrankheit Gürtelrose steckt eine Infektionskrankheit. Denn der rötliche, blasenförmigen Ausschlag, der der Krankheit ihren Namen gibt, kommt von infizierten Nerven. Häufig sind vor allem die Bereiche links und rechts der Wirbelsäule betroffen, so dass der Ausschlag an einen Gürtel erinnert. Die rote Farbe der Pusteln brachte der Erkrankung früher die Bezeichnung „Feuergürtel“ ein. Gürtelrose kann aber auch im Gesicht auftreten („Gesichtsrose“). Der Ausschlag geht mit starken Schmerzen in den betroffenen Regionen einher.

Verursacher der Gürtelrose ist ein reaktiviertes Virus: Varizella Zoster. Dieses löst zwei Erkrankungen aus: Windpocken (Varizellen) und Gürtelrose, auch Herpes Zoster genannt. Bei einer Erstinfektion löst das Virus Windpocken aus. Nach der überstandenen Erkrankung mit den typischen roten Pusteln sind die Betroffenen immun dagegen. Doch die Viren verbleiben „schlafend“ in den Nervenzellen von Gehirn und Rückenmark. Ist das Immunsystem durch Krankheit oder Stress stark geschwächt, können sie sich Jahre oder Jahrzehnte später reaktivieren – es kommt zur Gürtelrose. Übrigens: Mit dem umgangssprachlichen „Herpes“ (Herpes simplex) ist Varizella-Zoster zwar verwandt, doch handelt es sich um zwei unterschiedliche Erkrankungen.

So häufig ist die Gürtelrose

Schätzungen gehen davon aus, dass neun von zehn Menschen in Deutschland eine Windpocken-Infektion durchgemacht haben. In ihren Nerven schlummert das Varizellen-Virus. Insbesondere ab einem Alter von 50 Jahren kann das Virus sich in Form einer Gürtelrose wieder bemerkbar machen. Etwa jeder dritte Deutsche macht im Verlauf seines Lebens die unerfreuliche Bekanntschaft mit der Erkrankung. Je älter, desto höher die Wahrscheinlichkeit, Herpes Zoster zu bekommen: Die Hälfte der über Achtzigjährigen blickt auf eine Gürtelrose in ihrer Biographie zurück. Aber auch junge Menschen können betroffen sein. Dies ist vor allem bei chronischen Krankheiten, einem geschwächten Immunsystem oder Stress der Fall.

Gürtelrose: Symptome

Häufig beginnt Herpes Zoster entlang der Wirbelsäule. Von hier aus kann die Erkrankung sich zuerst unsichtbar in den Nerven des Rumpfes ausbreiten. Auch das Gesicht kann betroffen sein. Bereits in diesem Anfangsstadium treten starke Schmerzen auf: Die von den betroffenen Nerven versorgte Haut beginnt zu brennen. Experten sprechen von „zosterassoziierten Schmerzen“. Diese können zu Beginn der Erkrankung zu Fehldiagnosen bis hin zum Herzinfarkt verleiten. Die Mehrheit der Betroffenen fühlt sich rund fünf Tage lang etwas angeschlagen, klagt über Müdigkeit oder erhöhte Temperatur. Rötungen und Bläschenbildung auf der Haut folgen zwei oder drei Tage nach dem Auftreten der ersten Schmerzen. Innerhalb eines Tages entwickeln sich prall mit klarer Flüssigkeit gefüllte Bläschen. Diese Papeln gruppieren sich umeinander und verschmelzen im weiteren Verlauf miteinander. Schließlich brechen die Bläschen auf und sondern Lymphflüssigkeit ab. Innerhalb der nächsten zwei Wochen trocknen sie aus und bilden eine gelb-bräunliche Borke. Bei den meisten Betroffenen heilt die Gürtelrose innerhalb von bis zu sechs Wochen wieder ab.

Diagnose und Behandlung

Bei Verdacht auf Herpes Zoster sollten Betroffene schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen. Vor allem innerhalb der ersten drei Tage nach dem Auftreten der ersten Papeln helfen antivirale Mittel, die das Immunsystem unterstützen. Diese sind vor allem bei älteren und immunschwachen Patienten wichtig. In manchen Fällen reicht es aus, den Heilungsprozess mit Cremes und Salben zu fördern.
Vor dem Auftauchen der typischen Papeln auf der Haut ist die Diagnose schwierig. Tritt der Hautausschlag auf, reicht zumeist eine Blickdiagnose. Sind die Symptome unsicher oder der Patient sehr jung, kann der Arzt einen Abstrich von den Hautbläschen nehmen oder eine Blutprobe veranlassen, um den Erreger zu bestimmen. Bei Bedarf werden zusätzlich geeignete Schmerzmittel verschrieben. Betroffene Hautstellen sind anfälliger für bakterielle Infektionen und darum sauber und trocken zu halten. Kontrolliert der Arzt den Verlauf der Gürtelrose, erkennt er Anzeichen für mögliche Komplikationen rechtzeitig und kann die Therapie entsprechend ergänzen. Nach einer überstandenen Gürtelrose ist die Gefahr gering, dass die Erkrankung ein zweites Mal ausbricht: Nur jeder Zwanzigste erleidet eine zweite Herpes-Zoster-Episode.

Komplikationen bei Gürtelrose: Post-Zoster Neuralgie

Rund zehn bis 15 Prozent der Gürtelrose-Patienten entwickeln eine Post-Zoster-Neuralgie, kurz: PZN. Je älter der Patient, desto höher die Wahrscheinlichkeit für diese Komplikation. Das Leitsymptom für PZN sind starke Nervenschmerzen, die rund drei Monate nach Beginn des Ausschlags weiterhin bestehen. Sie resultieren aus durch Herpes Zoster geschädigten Nerven und können sehr belastend sein. Die Bandbreite reicht von dauerhaften Schmerzen bis hin zu heftigen akuten Schmerzattacken. Es ist daher von großer Bedeutung, die Nervenschmerzen einer Gürtelrose möglichst frühzeitig zu behandeln. Eine Überweisung zum Neurologen kann hierbei sinnvoll sein. Eine abgestimmte Schmerzmedikation durch den Experten ist entscheidend für den Erfolg der Therapie. Nur in Ausnahmefällen leiden die Betroffenen nach über einem Jahr noch an Nervenschmerzen.

Zu weiteren möglichen Komplikationen gehört die Zweitinfektion der betroffenen Hautstellen mit Bakterien und eine anschließende Narbenbildung. Außerdem kann der Befall von Augen, Nase und Ohren weitere Komplikationen nach sich ziehen. Denn sind die jeweiligen Gesichtsnerven beschädigt, kann es zu Sehstörungen bis hin zu Blindheit, Lähmungen der Gesichtsmimik oder Taubheit kommen.

Ist Gürtelrose ansteckend?

Wer das Virus durch eine Windpocken-Infektion in der Vergangenheit in sich trägt, kann sich nicht mit Gürtelrose anstecken. Allerdings kann das Virus Windpocken bei Personen auslösen, die noch nie daran erkrankt sind. An Windpocken erkrankte Erwachsene haben oft einen schwereren Verlauf als Kinder und sollten sich darum vor einer Ansteckung schützen. Dies gilt insbesondere für Schwangere, deren Ungeborenes sich infizieren und durch das Virus Schaden nehmen kann. Allerdings ist nur der Inhalt der Bläschen ansteckend.
Die Inkubationszeit liegt bei einer Varizellen-Infektion bei durchschnittlich zwei Wochen, kann aber auch kürzer oder länger dauern. Gesunde Menschen, die Windpocken durchlebt haben, brauchen in der Regel keine Angst zu haben, dass ihre schlummernden Viren durch den Kontakt mit weiteren Varizellen „aufgeweckt“ werden. Vermutlich trainiert der Kontakt mit dem Virus sogar das Immunsystem. Immungeschwächte Personen sollten allerdings vorsichtig sein.

Risikogruppen – wer ist besonders häufig von Gürtelrose betroffen

Vor allem Menschen ab 50 sind gefährdet, an Gürtelrose zu erkranken. Zu den weiteren Risikogruppen zählen Menschen mit einem schwachen Immunsystem. Dazu gehören Patienten, die eine Chemotherapie durchlaufen haben sowie HIV-Patienten oder organtransplantierte Personen. Menschen, die unter Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen leiden, erhalten ebenfalls öfter als der Durchschnitt die Diagnose Gürtelrose. Bei den genannten Risikogruppen kommt es häufiger zu Komplikationen.

Impfen als Gürtelrose-Prävention

Aktuell gibt es eine von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut empfohlene Impfung gegen Gürtelrose. Es handelt sich um einen Totimpfstoff, der inaktive Proteine des Virus enthält. Die Impfkommission empfiehlt allen Menschen über 60 Jahren, sich mit dem seit 2018 in Deutschland zugelassenen Präparat impfen zu lassen. Eine Impfung ab 50 wird für an chronischen Erkrankungen wie HIV, rheumatoider Arthritis oder Diabetes leidende Menschen empfohlen. Die möglichen Nebenwirkungen der Impfung sind gering: Einige Patienten beobachten um die Injektionsstelle leichte Schwellungen oder Rötungen. Rund zehn Prozent der Anwender leiden für kurze Zeit unter leichtem Fieber, Müdigkeit oder Kopfschmerzen. Schwere Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Der Impfstoff schützt zu über 90 Prozent vor dem Auftreten von Gürtelrose.
Nicht mehr empfohlen wird hingegen ein seit 2013 in Deutschland zugelassener Lebendimpfstoff. Er schützt weniger wirkungsvoll und geht gleichzeitig mit einem höheren Risiko auf leichte Nebenwirkungen sowie allergische Reaktionen einher.

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