Haarausfall – Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

 

Wenn sich mehr und mehr Haare in der Bürste oder auf dem Kopfkissen sammeln, verunsichert dies viele Menschen: Was tun bei Haarausfall? Wir erklären die unterschiedlichen Ursachen von Haarausfall und was Betroffene für einen volleren Schopf tun können.

Haarausfall – was ist das?

Von Alopezie, zu Deutsch: Haarausfall, sprechen Experten, wenn über einen Zeitraum von Monaten täglich mehr als 100 Haare ausfallen. Die wenigsten zählen tatsächlich ihre ausgefallenen Haare. Meist bemerken Frauen und Männer den Haarausfall an Überbleibseln in der Bürste oder nach dem Duschen, wenn mehr Haare im Abfluss landen. Das Haar kann sich auf unterschiedliche Weisen „verabschieden“: Manche Menschen bekommen insgesamt dünneres Haar – dann ist der Verlust am leichtesten zu kaschieren. Dennoch stört, dass beispielsweise die Kopfhaut an einigen Stellen durchschimmert oder das Haar zusammengebunden lediglich einen dünnen Zopf ergibt. Erblich bedingter Haarausfall bei Männern macht sich zuerst an den Schläfen in Form von lichter werdenden Stellen, den „Geheimratsecken“, bemerkbar. Leiden Frauen darunter, dünnt die Haarpracht tendenziell rund um den Scheitel aus. Beim kreisrunden Haarausfall oder bei Hautpilzen kommt es zu abgegrenzten haarlosen Arealen.

Haarausfall – wann zum Arzt?

Sobald der Haarausfall die Lebensqualität beeinträchtigt, ist ein Arztbesuch sinnvoll. Männer, deren Vater und Großvater bereits früh eine Glatze bekommen haben, sind häufig bereits in jungen Jahren von Haarausfall betroffen. In diesen Fällen ist der Haarausfall genetisch bedingt. Wer damit kein Problem hat, braucht nichts weiter zu tun. Doch wer sich langfristig mehr Haare als seine Vorfahren auf dem Haupt wünscht, kann sich beim Arzt über die Möglichkeiten informieren. Ähnliches gilt für Frauen in den Wechseljahren und für Menschen mit kreisrunden kahlen Stellen. Wird das Haar insgesamt dünner (diffuser Haarausfall), sollten Betroffene ihren Hausarzt darauf ansprechen. Denn Haarausfall zeigt häufig eine Dysbalance im menschlichen Körper an. Möglich, dass eine Mangelerscheinung oder eine Krankheit dahinter steckt. Eine Ausnahme bilden Frauen, die entbunden haben – Haarausfall einige Wochen und Monate nach der Geburt ist kein Grund zur Beunruhigung.

Haarausfall – die Ursachen

Ein kleiner oder großer „Kahlschlag auf dem Kopf“ zeigt an: Etwas gerät im Körper aus dem Gleichgewicht. Die Gründe hierfür können sehr unterschiedlich sein.

Erblich bedingter Haarausfall

Die häufigste Ursache für kahler werdende Köpfe ist Haarausfall, der durch männliche Sexualhormone, die Androgene, verursacht wird. Er betrifft im Laufe des Lebens vier von fünf Männern und fast jede zweite Frau nach den Wechseljahren. Allerdings kann diese Form des Haarausfalls bereits in den Zwanzigern auftreten, was bei vielen Betroffenen für großen Leidensdruck sorgt. Erblich bedingtem androgenetischem Haarausfall liegt in der Regel eine Überempfindlichkeit gegen das Steroidhormon Dihydrotestosteron (DHT) zugrunde. Dies führt zu einer Verkürzung der Haarwachstumsphase, so dass die Haarwurzel schließlich verkümmert.

Kreisrunder Haarausfall

Über eine Millionen Menschen in Deutschland sind im Verlauf ihres Lebens von kreisrundem Haarausfall betroffen. Experten bezeichnen diesen als „Alopecia areata“. Typisch ist, dass die Haare kreisförmig und stark begrenzt ausfallen. Hinter dem Haarverlust stecken vermutlich entzündliche Prozesse, die das Wachstum behindern. Die genaue Ursache ist ebenso wenig bekannt wie eine wirksame Therapie. Doch Experten gehen davon aus, dass eine Störung des Immunsystems die kahlen Kreise initiiert. Auch die Erkrankung Lupus kann im Zusammenhang mit Alopecia areata stehen. Vor allem jüngere Frauen und Männer sind betroffen, allerdings kann der kreisrunde Haarausfall in jedem Alter auftreten. Die gute Nachricht: Bei vier von fünf Betroffenen heilt der kreisrunde Haarausfall spontan ab.

Körper im Stress: diffuser Haarausfall

Ein diffuser Haarausfall steht für am gesamten Kopf dünner werdendes Haar. Fehlen dem Körper wichtige Nährstoffe oder kämpft er gegen eine Erkrankung an, gerät er aus der Balance. Haarausfall kann die Folge sein. Auch viel Stress in anstrengenden Lebensphasen kann Haarausfall begünstigen. Bei diffusem Haarausfall gilt: Ist die Ursache beseitigt, erholt der Schopf sich in der Regel nach einigen Wochen wieder.

Erkrankungen

Erkrankungen können den Körper so aus dem Gleichgewicht bringen, dass das Haar lichter wird. Hierzu kann zum Beispiel bereits eine überstandene schwere Grippe gehören. Rund die Hälfte aller Frauen mit Schilddrüsenproblemen verzeichnet parallel dünner werdendes Haar. Sowohl eine Über- als auch eine Unterfunktion der Schilddrüse kann hierfür verantwortlich sein. Hautpilze verursachen stellenweise Lücken im Haar.

Nährstoffmangel

Zu einem Nährstoffmangel kann es nach zehrenden Krankheiten oder nach einer Radikaldiät kommen. Wer viele Kilos in kurzer Zeit verliert, lässt im Anschluss häufig Haare. Dies ist zurückzuführen auf einen Mangel an essenziellen Vitaminen, Proteinen oder Mineralstoffen. Das Haar kann brüchig werden oder ausfallen – beides führt zu einem dünner werdenden Schopf. Unter anderem sind folgende Nährstoffe wichtig für ein gesundes Haarwachstum: Eisen, Zink, Biotin und B-Vitamine sowie Folsäure.

Medikamente

Auch im Rahmen von Therapien kann es zu Haarausfall kommen. Am bekanntesten ist in diesem Zusammenhang die Chemotherapie. Mittel gegen Akne, manche Beta-Blocker sowie Antidepressiva können zu dünner werdendem Haar führen. Beispiele für Wirkstoffe sind Methylphenidat bei ADHS, Allopurinol gegen Gicht, der Gerinnungshemmer Heparin oder Valproinsäure gegen epileptische Anfälle. Frauen, die die Antibabypille als Verhütungsmittel einnehmen, können ebenfalls unter Haarausfall leiden – sowohl während der Einnahme als auch nach dem Absetzen.

Schwangerschaft

Durch das Plus an Östrogenen während der Schwangerschaft verlängert sich die Wachstumsphase der Haare. Dadurch können sich viele Frauen während der Schwangerschaft über eine besonders dichte Haarpracht. Nach der Entbindung kommt es zu erneut zu starken Veränderungen des Hormonhaushaltes weswegen es nach einigen Wochen häufig zu Haarausfall kommt. Ebenso können die Haare nach dem Absetzen der „Pille“, einer Fehlgeburt oder nach Hormonbehandlungen im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung für einen kurzen Zeitraum verstärkt ausfallen.

Welche Möglichkeiten gibt es, Haarausfall zu behandeln?

Wer sich im Drogeriemarkt umschaut, findet zahlreiche Produkte, die schönes, dichtes Haar ermöglichen sollen. Wie schaut es um die Wirksamkeit aus? Haarausfall in Eigenregie zu behandeln, funktioniert nur selten. Insbesondere nach Erkrankungen oder Radikaldiäten können Nahrungsergänzungsmittel aus Drogerie oder Apotheke eine Behandlungsmöglichkeit für Haarausfall sein. Allerdings ist es sinnvoll, vorher von einem Arzt über ein Blutbild kontrollieren zu lassen, ob überhaupt ein Nährstoffmangel besteht. Möglicherweise steckt eine Erkrankung oder eine andere Ursache hinter dem dünner werdenden Schopf. Ein Dermatologe kann individuell beraten und über die jeweiligen Erfolgssauschichten informieren.

Haartransplantationen

Wenn auch nicht freiwillig: Fußball-Trainer Jürgen Klopp hat sie medienwirksam (vor)gemacht: die Haartransplantation. Sie eignet sich für Menschen, die einen dauerhaften Haarausfall ausgleichen möchten. Dazu zählen Patienten mit erblich bedingtem Haarausfall oder Haarverlust durch Narben. Bei einer Haartransplantation verpflanzt ein Arzt unter örtlicher Betäubung Haare oder Haarfollikel aus dem Haarkranz an die kahlen Stellen. Denn die Haarfollikel aus diesem Gebiet sind nicht empfindlich gegenüber Hormonen und darum meist nicht von erblich bedingtem Haarausfall betroffen. Voraussetzung ist eine Mindestmenge an verpflanzbaren Haaren, die zwei Zentimeter lang sein sollten. Die frisch verpflanzten Haare fallen zuerst aus. Doch keine Sorge: Nach einer kurzen Ruhephase wachsen sie von ihrer neuen Position aus weiter. Nach spätestens vier Monaten sind die Ergebnisse zu sehen. Bei androgenetischem Haarausfall ist ein Mindestalter von 35 Jahren zu empfehlen. Denn langfristige Resultate sind erst zu erzielen, wenn der Haarausfall abgeschlossen ist. Nach der mehrere Stunden dauernden Operation sollten die Patienten rund sechs Wochen lang auf Sport, Solarium, Sauna und Alkohol sowie Nikotin verzichten, um den Heilungsprozess zu unterstützen. Je nach Methode und Größe der Stellen können mehrere Sitzungen erforderlich sein. Ansprechpartner für Haartransplantationen sind Dermatologen und Ärzte für Plastisch-Ästhetische Chirurgie.

Weitere Informationen und Spezialisten zur Haartransplantation

Freiverkäufliche Shampoos und Tinkturen?

Es klingt verlockend: Ein Mittel aus der Drogerie, um den Haarausfall zu stoppen. Doch nur wenige Produkte können das Haarwachstum effektiv unterstützen. Hierzu gehören Shampoos und Tinkturen mit dem Wirkstoff Minoxidil. Die Wirkung beruht vermutlich auf einer besseren Durchblutung der Haarwurzeln. Allerdings hilft Minoxidil ausschließlich bei erblich bedingtem Haarausfall. Und nur bei bis zu zwanzig Prozent der Betroffenen kann ein ästhetisch zufriedenstellendes Ergebnis erzielt werden. Dies hält so lange an, wie die Betroffenen die Behandlung fortsetzen. Fällt das Mittel weg, fällt das Haar aus. Ob Koffein-Shampoos helfen, ist umstritten. Zwar bestätigen Studien ein besseres Wachstum. Allerdings waren die Haare hierfür teils fünf Tage lang im „Koffein-Rausch“. Kein Vergleich also zu einer fünfminütigen Dusche.
Die Wirkung mancher Mittel wie Sandelholzduft wird weiter untersucht – vermutlich wirkt Sandelholz vor allem vorbeugend. Dies gilt ebenso für zahlreiche Öle und weitere Hausmittel, die bei erblich bedingtem oder kreisrundem Haarausfall nicht aussichtsreich sind. Sie können schwächelndes Haar nicht zu üppigem Wachstum anregen.

Weitere Informationen zum Thema Sandelholz bei Haarausfall

Wie sinnvoll sind Nahrungsergänzungsmittel bei Haarausfall?

Wer Haarausfall hat und sich unausgewogen ernährt, kann mit Nahrungsergänzungsmitteln das Haarwachstum unterstützen. Dies gilt beispielsweise für Veganer, die nicht auf eine ausreichende Eisenzufuhr achten. Auch Frauen mit einer starken Regelblutung leiden häufiger Eisenmangel. Allerdings sind in der westlichen Welt Mangelerscheinungen selten Ursache für Haarausfall. Zudem ist die Wirkung vieler angeblicher „Haar-Helfer“ wie Kieselerde nicht wissenschaftlich belegt.  Keinesfalls sollten Nahrungsmittelergänzung nur auf Verdacht eingenommen werden. Besser ist darum, beim Haus- oder Hautarzt vorstellig zu werden.
Mittels einer Blutuntersuchung kann er feststellen, ob Mangelerscheinungen vorliegen oder eine Krankheit wie eine Schilddrüsenstörung hinter dem Problem steckt. Bei Bedarf sollte eine Ernährungsumstellung erfolgen, die alle notwendigen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente berücksichtigt, die der Körper braucht. Das bedeutet: reichlich Obst, Gemüse und Vollkornprodukte. Regelmäßig eine Portion fetter Seefisch bietet wichtige Omega-3-Fettsäuren. Veganer und Vegetarier können auf Lein- und Hanföl ausweichen.

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