Regionales Superfood

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Chiasamen, Quinoa, Gojibeeren und viele weitere – die Liste an Superfoods ist lang und jeder gut sortierte Supermarkt führt mittlerweile eine breite Auswahl der beliebten Lebensmittel. Lang ist meist aber auch die Strecke, die die exotischen Früchte zurücklegen ehe sie schließlich in unseren Regalen landen.
Sie enthalten zwar einen gesunden Mix an Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidantien – für unsere Umwelt bedeuten die weitgereisten Superfoods jedoch eine negative C02-Bilanz und darüber hinaus sind sie häufig mit Pestiziden belastet.

Dabei sind Superfoods auch in heimischen Gärten vertreten und stehen dabei ihren weitgereisten Verwandten in Nichts nach. Heimische Superfoods können neben ihrem gesunden Vitaminmix auch mit kurzen Transportwegen, günstigen Preisen und kontrolliertem Anbau punkten. Welche heimischen Obst- und Gemüsesorten wahre Superfoods sind, verraten wir im folgenden Beitrag.

Was sind Superfoods?

Der Begriff ‘Superfood’ ist ein Marketingbegriff aus den USA, der keine wissenschaftliche Definition zugrunde liegt. ‘Superfoods’ sind also das Ergebnis einer geschickten Marketingstrategie. Eine einheitliche Definition für die entsprechenden Superfoods auch ein Schutzlabel oder eine gesetzliche Regelung ist nicht definiert. In der Regel werden aber Lebensmittel darunter zusammengefasst, die einen besonders hohen Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und Antioxidantien aufweisen. Manche werden zudem als Schlankmacher und Anti-Aging-Wundermittel beworben. Superfoods stehen damit für eine vollwertige und ausgewogene Ernährung. Sie sind gesund und versorgen unseren Körper mit wichtigen Nährstoffen und wirken sich damit positiv auf unsere Gesundheit aus.

Mit zunehmendem Gesundheitsbewusstsein ist die Nachfrage nach den angepriesenen Superfrüchten entsprechend groß, die exotischen Lebensmittel werden aus entfernten Teilen der Welt importiert und meist teuer verkauft.  Ernährungswissenschaftler und Verbraucherzentralen stehen den exotischen Produkten jedoch skeptisch gegenüber. Ein Mehrwert gegenüber heimischen Obst- und Gemüsesorten konnte nämlich nicht unbedingt festgestellt werden.

Neben der negativen CO2-Bilanz konnten auf vielen importierten Lebensmitteln auch Rückstände von Pestiziden nachgewiesen werden. In den Herkunftsländern unterliegt der Anbau und die Lebensmittelproduktion anderen Richtlinien als bei uns. Zwar überschreiten die meisten importierten Superfood-Lebensmittel nicht die gesetzlich festgelegten Höchstwerte, allerdings sind Rückstände von Pestiziden und Schwermetallen auch in geringer Form mit Vorsicht zu genießen.

Eine gute Alternative bieten deshalb Superfoods aus der Region. Sie können problemlos mit ihrer exotischen Konkurrenz mithalten und punkten zusätzlich mit kurzen Transportwegen, kontrolliertem Anbau und günstigen Preisen.

Regionale Alternativen zu exotischem Superfood

Exotische Superfoods sind nicht besser als heimische Obst- und Gemüsesorten. Im Gegenteil – regionales Superfood landet tagtäglich auf unseren Tellern und doch ist uns meist gar nicht bewusst, was in regionalen Obst- und Gemüsesorten steckt. Denn auch heimische Superfoods können problemlos mit dem Vitamingehalt ihrer exotischen Konkurrenz mithalten. Darüber hinaus verursachen sie weniger CO2-Ausstoß und sind meistens deutlich kostengünstiger und zugleich frischer als importierte Lebensmittel. Auch hinsichtlich der Schadstoffbelastung muss man sich in der Regel bei Produkten aus der Region keine Sorgen machen.

So kommt es, dass immer mehr umwelt- und preisbewusste Verbraucher auf regionale Superfoods zurückgreifen.

Zu regionalen Superfoods zählen unter anderem Grünkohl, Sauerkraut, Brokkoli, Rote Beete, Spinat und Leinsamen. Gojibeeren und Açai-Beeren machen vor allem die heimische Schwarze Johannisbeere und Heidelbeere Konkurrenz. Aber auch verschiedene Nüsse, Rüben und Salate weisen eine Vielzahl an Vitaminen und wertvollen Nährstoffen auf.

Grünkohl, Sauerkraut und Brokkoli

Superfood Brokkoli

Obwohl der heimische Grünkohl in letzter Zeit immer mehr in Vergessenheit geraten ist, so ist er doch einer der gesündesten heimischen Superfoods. Grünkohl steckt voller Mineralstoffe, aber nicht nur Kalzium, Eisen und Kalium machen die Kohlsorte so gesund. Auch sein hoher Gehalt an Vitamin C und Vitamin E macht Grünkohl besonders wertvoll. Darüber hinaus liefert er eine Vielzahl an Vitaminen der B-Gruppe und auch Vitamin A steckt in dem Superfood. Doch Grünkohl kann noch einiges mehr: er wirkt entzündungshemmend und punktet durch seinen hohen Eiweißgehalt. Seine verdauungsfördernden Ballaststoffe und seine Antioxidantien machen Grünkohl zum Allrounder.

Grünkohl ist ein typisches Wintergemüse und hilft uns auch in der kalten Jahreszeit fit zu bleiben. Sowohl gekocht, als auch roh als grüner Smoothie oder als Salat ist Grünkohl ein wertvoller Nährstofflieferant.

Auch Sauerkraut ist ein bewährtes Superfood. Es enthält nicht nur eine Vielzahl an Vitaminen und Mineralstoffen, weshalb es auch im Winter so beliebt ist, es fördert auch die Verdauung. Durch die Fermentierung enthält Sauerkraut eine Vielzahl an Bakterien, die sich positiv auf unseren Körper auswirken. Die enthaltenen Milchsäurebakterien unterstützen die Magen-Darm-Flora und fördern den Verdauungsprozess. Die Sauerkrautbakterien wirken sich darüber hinaus auch entzündungshemmend aus. Sauerkraut ist also ebenfalls ein vielseitiges Superfood, das zu Unrecht vernachlässigt wird. Ein weiterer Pluspunkt: Sauerkraut wird regional angebaut und ist besonders kostengünstig.

Neben Grünkohl und Sauerkraut ist auch Brokkoli ein wahres Superfood. Das Gemüse ist reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen.

Brokkoli ist darüber hinaus auch voller Glucosinolate. Glucosinolaten, besser bekannt als Senföle, wir eine chemoprotektive Wirkung nachgesagt. So soll sich das Risiko bestimmter Krebserkrankungen durch die im Brokkoli enthaltenen Senföle verringern lassen. Darüber hinaus wirken Senföle antibakteriell. Auch die Antioxidantien Quercetin und Kaempferol, die im Brokkoli enthalten sind, wirken sich positiv auf unsere Gesundheit aus. Der hohe Anteil von Selen lassen Brokkoli ebenfalls eine gesundheitsfördernde Wirkung nachsagen.

Kürbiskerne

Kürbiskernen wir schon lange nachgesagt ein wirksames Mittel zur Vorbeugung von Prostatakrebs zu sein. Bei Krankheiten der Blase und der Harnwege, wie zum Beispiels der Reizblase werden Kürbiskerne ebenfalls empfohlen.

Tatsächlich liefern die kleinen Kerne reichlich Mineralstoffe wie Zink, Magnesium, Calcium, Kalium, Kupfer, Eisen, Selen, Mangan und Phosphor. Auch Vitamin E, A, C, D, B1, B2 und B6 sind enthalten. Aber nicht nur zum Knabbern, im Salat, im Brot oder der Suppe sind Kürbiskerne ein idealer Nährstofflieferant. Auch das Kürbiskernöl erfreut sich steigender Beliebtheit. Es enthält Linolsäure und Omega-6-Fettsäuren.

Leinsamen statt Chiasamen

Ob im Brot, als Pudding oder zum Backen – Chiasamen lassen sich vielseitig einsetzen und sind vor allem bei veganer Ernährung als wertvolle Proteinquelle besonders beliebt. Sie enthalten viele Vitamine und Mineralstoffe, wie Calcium, Magnesium und Kalium. Damit stärken sie auch das Immunsystem. Ein weiterer Vorteil: Chiasamen enthalten Antioxidantien und Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, weshalb sie sich positiv auf den Kreislauf, die Konzentrationsfähigkeit und das Herz-Kreislauf-System auswirken. Aufgrund ihres hohen Ballaststoffanteils kurbeln die kalorienarmen Samen zudem die Verdauung an und sollen den Cholesterinwert senken. Die südamerikanischen Chiasamen sind also wirkliche Alleskönner – aber das können heimische Samen auch: Anders als Chiasamen, die eine weite Reise hinter sich haben, eignen sich Leinsamen als idealer und regionaler Ersatz. Ihr hoher Calcium- und Eiweiß-Gehalt machen sie ebenfalls zum Superfood. Ihr Eiweiß- und Ballaststoffgehalt liegt sogar über dem der Chiasamen.

Im Müsli, im Brot oder als Öl – Leinsamen sind ein gesunder Allrounder und verfügen gleichzeitig über einen höheren Anteil an Omega-3-Fettsäuren als Chiasamen. Ein weiterer Vorteil: Leinsamen können regional angebaut werden und schonen damit, anders als die weitgereisten Chiasamen, unsere Umwelt.

Schwarze Johannisbeere statt Gojibeere

Gojibeeren sind teuer und legen weite Strecken zurück, ehe sie in unserem Supermarkt landen. Und darüber hinaus wurden gerade bei dem beliebten Superfood Pestizidrückstände gefunden. Die Beeren sind seitdem unter strenger Beobachtung. Auch können sie unerwünschte Nebenwirkungen verursachen, denn die kleinen Beeren können die Wirkung von blutverdünnenden Medikamenten verstärken und innere Blutungen damit begünstigen.

Zugegeben, gesund sind Gojibeeren schon, denn sie sind reich an Vitamin A und C, Mineralstoffen, Spurenelementen und pflanzlichem Eiweiß. In China wird den kleinen Beeren nachgesagt den Blutdruck und Blutzucker zu senken. Aber auch unter den heimischen Beeren lässt sich ein gleichwertige Alternative finden. Die Schwarze Johannisbeere steht den Gojibeeren nämlich in nichts nach. Sie enthält sogar etwas mehr Vitamin C und hat gleichzeitig deutlich weniger Kalorien.  100 Gramm schwarze Johannisbeeren haben etwa 40 kcal während Gojibeeren bei 300 kcal auf 100 Gramm doch deutlich schwerer ins Gewicht fallen.

Wer nicht auf Gojibeeren verzichten möchte, kann den Beerenstrauch, hierzulande bekannt als Bocksdorn, auch zuhause kultivieren.

Heidelbeeren und rote Weintrauben statt Açai-Beeren

Die Açai-Beere kommt ursprünglich aus dem Regenwald und wird bei uns meist in Form von Pulvern, Säften oder gefriergetrocknet verkauft. Die dunkle Farbe verdankt die Açai-Beere dem Pflanzenfarbstoff und Antioxidant Anthocyan. Ihm wird nachgesagt, dass er schlank macht und Krebs vorbeugen soll. Allerdings ist er auch in heimischen Beeren, wie der Heidelbeere, Sauerkirsche oder Schwarzen Johannisbeere enthalten. In Heidelbeeren ist der Gehalt von Anthocyan sogar noch höher als in der Açai-Beere. Heimische Beeren verfügen darüber hinaus über einen ähnlich hohen Gehalt an Proteinen, Calcium und Vitaminen und bieten damit eine ideale Alternative zur Açai-Beere.

Gesunde Früchte und GetreideHirse, Linsen oder Amaranth statt Quinoa

Das beliebte Superfood Quinoa kommt aus Südamerika und wird vor allem Menschen empfohlen, die unter einer Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) leiden. Quinoa ist ein Pseudogetreide und glutenfrei und eignet sich damit besonders gut für eine glutenfreie Ernährung. Für Veganer ist Quinoa ebenfalls eine beliebte Eiweißquelle. Als geeignete Alternative kann man aber auch auf weitere Pseudogetreide aus regionalem Anbau, wie beispielsweise Hirse, Amaranth oder Buchweizen zurückgreifen. Ebenso sind Linsen ein adäquater Ersatz. Wer Rücksicht auf die Umwelt nehmen möchte, sollte besonders bei Hirse und Linsen darauf achten keine importierten Produkte zu kaufen. Regionale Anbieter sind jedoch in jedem gut sortierten Supermarkt erhältlich.

Wer auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achtet, findet die notwendigen Lebensmittel also nicht nur unter den importierten Superfoods. Heimische Obst- und Gemüsesorten schneiden mindestens genauso gut ab wie die exotischen Früchte. Für die meisten Exoten bietet also der heimische Garten vergleichbare Alternativen. Ob Beeren, Linsen, Hirse, Kohl oder sonstiges Gemüse, in regionalen Lebensmitteln steckt mehr, als man vielleicht denkt. Und dabei müssen sie keine langen Transportwege zurücklegen. Regionale Produkte sind somit nicht nur besser für die Umwelt sondern auch preisgünstiger und gleichzeitig frischer als importierte Lebensmittel. Aber auch für regionale Superfoods gilt: am besten saisonal Einkaufen und auf gute Qualität und kontrollierten Anbau achten.

Wer gerne Neues ausprobiert, kann mit einem bunten Mix aus regionalen und importierten Superfoods für die richtige Abwechslung sorgen.

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