Wie schädlich ist Shisha-Rauchen?

Gesundheitsrisiken WasserpfeifeKein Qualm, kein Risiko? Shisha rauchen

In gemütlicher Runde plaudern und dabei eine Wasserpfeife kreisen lassen – dieses Vergnügen erfreut sich besonders bei jungen Menschen steigender Beliebtheit. Und gerade in den Sommermonaten sind Shisha-Bars gut besucht.
Die aus dem Orient stammende Tradition des Shisha-Rauchens ist längst in Europa angekommen. Doch viele Nutzer unterschätzen die gesundheitlichen Risiken des kalten Dampfes.

Von der Altherren-Tradition zum hippen Trend

Das Shisha-Rauchen gehört seit über 400 Jahren zur persischen Kultur. Von hier verbreitete sich der Brauch nach Indien und weiter in die arabische Welt. Immer schon stand dabei – ähnlich wie beim Teetrinken – das Ritual des gemeinsamen Rauchens für viele Nutzer im Vordergrund. So ist es in vielen Kulturkreisen nicht selten, Besuchern die Shisha anzubieten, um Gastfreundlichkeit zu demonstrieren.
Durch den zunehmenden Austausch mit dem Orient gelangte auch das Shisha-Rauchen vor langer Zeit schließlich nach Europa. Doch einen regelrechten Boom rund um das Rauchen ohne Qualm gibt es hier erst seit rund zwanzig Jahren. Vor allem junge Leute sitzen gerne bei einer Wasserpfeife zusammen. In vielen Großstädten sind Shisha-Bars in den vergangenen Jahrzehnten wie Pilze aus dem Boden geschossen.

So funktioniert die Shisha

Eine Shisha besteht aus vier Teilen. Der größte davon ist die Bowl, das typische Wassergefäß der Shisha. Außerdem gibt es eine Rauchsäule, einen Schlauch und den Tabakkopf. Bevor die Shisha in gemütlicher Runde kreisen kann, platzieren die Nutzer den Tabak auf dem Kopf und spannen darüber ein Stück Alufolie mit kleinen Löchern oder ein kleines Metallsieb. Darüber kommt glühende Holzkohle. Sie bringt den Tabak zum Schwelen. Das Saugen am Mundstück erzeugt einen Unterdruck, so dass der Rauch ins Wasser gelangt und über den Schlauch zu inhalieren ist. Da er auf dem langen Weg abgekühlt wird, kratzt der Dampf weniger im Hals und liefert so ein vermeintlich „schonenderes“ Raucherlebnis. Strenggenommen handelt es also sich nicht um „Rauchen“, sondern um Inhalieren von Dampf.
Verschiedene Accessoires machen das Shisha-Rauchen bequemer. Die Auswahl an dekorativen Flaschen von einfach bis prunkvoll trägt dazu bei, dass die Shisha auch optisch en vogue ist.

Darum liegt Shisha-Rauchen im Trend

Zu den Vorteilen gehört, dass im Gegensatz zum Zigarettenkonsum kein Rauch in die Umgebung gelangt. Somit kann man auch in Innenräumen Shisha rauchen, ohne dass der kalte Dunst in den Wänden hängenbleibt oder eine Gefahr für Passivraucher besteht. Ein Highlight für viele Nutzer ist die Möglichkeit den Tabak zu aromatisieren. In arabischen Ländern raucht man die Wasserpfeife traditionell eher mit starkem Tabak ohne Aromen. Wenn ein zusätzlicher Geschmack erwünscht ist, gibt man beispielsweise Rosenwasser oder etwas Honig mit in die Bowl.
Beim europäischen Shisha-Trend hingegen sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt: Ob „Donut“, „Wassermelone“, „Himbeer-Joghurt“ oder „Karamell“ – all diese Geschmacksrichtungen und viele weitere sind als Aromen für die Shisha erhältlich. Das macht Neulinge neugierig und die Pfeife zu einem echten Trendutensil.

Shisha rauchen – Gefahr für die Gesundheit

Shisha-Rauchen gilt vielen als zum Rauchen. Wer genauer hinschaut, stellt jedoch fest: Das Gesundheitsrisiko ist beim Shisha-Rauchen nicht kleiner. Der Rauch enthält Dutzende schädliche Inhaltsstoffe, die im Verdacht stehen, Krebs zu verursachen. Vor allem die Menge an eingeatmeten krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) ist weit größer als beim Rauchen einer Zigarette. Außerdem sind giftige Metalle und Kohlenmonoxid enthalten.

Wie beim gängigen Zigarettenrauchen führt das Shisha-Rauchen zu erhöhtem Puls und Blutdruck, was mittelfristig Herz-Kreislauferkrankungen begünstigt. Auch wenn der Tabak keinen Teer enthält, entsteht dieser beim Verbrennen. Der Shisha-Dampf kann die Lunge schädigen und beispielsweise zu chronischer Bronchitis, Lungenkrebs oder einem Lungenemphysem führen. Shisha-Rauchen erhöht das Risiko für einige weitere Krebserkrankungen wie Speiseröhren- und Magenkrebs sowie für Parodontose und Osteoporose. Oft nutzen viele Anwender ein Mundstück gemeinsam. Durch Speichelreste besteht die Gefahr, dass es zu Ansteckungen mit Krankheiten wie Herpes oder Tuberkulose kommt.

Mit Kohlenmonoxidvergiftung ins Krankenhaus

Eine weitere unterschätzte Gefahr beim Shisha-Rauchen ist das Risiko für eine akute Kohlenmonoxidvergiftung. Dies wird dadurch begünstigt, dass Shisha-Nutzer anders inhalieren: Ein Zug ist durchschnittlich doppelt so lang wie ein Zug an einer Zigarette, der Rauch wird zudem tiefer eingeatmet. Im Gegensatz zur verbreiteten „kleinen Zigarettenpause“ dauert das Shisha-Rauchen bedeutend länger. Beim Rauchen allein oder zu zweit kommen leicht über hundert Züge pro „Shisha-Sitzung“ zusammen. Erste Symptome einer Kohlenmonoxidvergiftung sind Kopfschmerzen und Schwindel. Der Sauerstofftransport im Blut funktioniert nicht mehr, so dass der Körper förmlich innerlich erstickt. Bei schweren Symptomen wie Bewusstlosigkeit sollten die Betroffenen rasch behandelt werden, sonst drohen neurologische Schäden.

Im Jahr 2017 meldete die Universität Düsseldorf rund 40 Erkrankte, die aufgrund einer Kohlenmonoxid-Vergiftung in Folge von Shisha-Rauchen in einer speziellen Druckkammer behandelt werden mussten. Die Gefahr hierfür ist in schummerigen Shisha-Bars mit geschlossenen Fenstern und vielen Besuchern besonders hoch.

Nikotin in Wasserpfeifen

Auch das Nikotin in mancher Shisha hat eine Wirkung auf den Körper: Neben dem ritualisierten Miteinander lässt vor allem Nikotin zahlreiche Shisha-Konsumenten wieder und wieder zur Pfeife greifen. Grundsätzlich sind Wasserpfeifenzubereitungen mit und ohne Tabak erhältlich. Ist Tabak enthalten, kommt zu den bisher genannten schädlichen Inhaltsstoffen noch Nikotin dazu. Durch das tiefe Einatmen und die lange Dauer des Shisha-Rauchens nimmt der Körper viel mehr Nikotin auf als beim Rauch einer Zigarette. Dies erhöht die Gefahr, eine Sucht zu entwickeln. Insgesamt ist die Sucht-Gefahr beim Shisha-Rauchen zwar etwas geringer als bei Zigaretten. Oft bleibt es jedoch nicht bei der Pfeife, denn für viele junge Konsumenten ist die Shisha der erste Schritt auf dem Weg zum Glimmstängel.

Kaum Alternativen ohne Nebenwirkung

Gesundheitsrisiko Rauchen

 

E-Zigaretten sind eine etwas „gesündere“ Alternative und bieten zudem eine ähnliche Aromenvielfalt. Allerdings kann das enthaltene Nikotin ebenfalls abhängig machen und Erkrankungen fördern. Wer nikotinfreie E-Zigaretten raucht, ist hier einen Schritt weiter. Dennoch können die Aromen Allergien auslösen. Ähnliches gilt für den recht neuen Heat-Stick: Bei ihm sind die schädlichen Substanzen ebenfalls reduziert. Mittlerweile gibt es auch E-Shishas. Diese enthalten tendenziell weniger Schadstoffe und sind sowohl mit als auch ohne Nikotin benutzbar. Allerdings gibt es keine Langzeit-Studien und keine standardisierte Produktsicherheit, zumal es kaum gesetzliche Vorschriften bezüglich der Deklaration gibt. Die beste Alternative zu Shisha-Rauchen ist darum zweifellos: gar nicht rauchen! Wer Probleme mit dem Nikotin-Entzug hat, kann sich den Nikotin-Abschied mit entsprechenden Pflastern erleichtern.

Weitere Informationen zu den Risiken der E-Zigarette

Im besten Fall: gemütlich ohne Dampf

Keine Frage: Der Griff zur Shisha ist ungesund! Wer ein- oder zweimal im Monat mit Freunden gemeinsam Shisha raucht und ansonsten kein Bedürfnis danach hat, braucht sich wenig Sorgen zu machen. Denn wie so oft gilt: Die Dosis macht das Gift. Doch tägliches Shisha-Rauchen ist mindestens so gefährlich wie Zigarettenrauchen. Wer noch nie Shisha geraucht hat, verzichtet lieber darauf. Insbesondere junge Menschen sollten sich nicht von Coolness-Faktor oder Gruppenzwang verleiten lassen. Eltern können ihre Kinder bereits früh über die Schattenseiten der vermeintlich harmlosen Wasserpfeifen samt ihrer honigsüßen Sortenauswahl aufklären. Auch Gelegenheitsraucher sollten sich über die Gefahren im Klaren sein und es sich künftig im besten Fall ohne den Dampf gemütlich machen.

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